Karnevalswäscherei und -näherei Casa Blanca
Karnevalswäscherei und -näherei Casa Blanca
Waschmaschinen in der Casa Blanca
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In der Casa Blanca lernen die Frauen auch, wie professionell gebügelt wird
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Das Stofflager in der Casa Blanca
Das Stofflager in der Casa Blanca
Projektleiterin Nina Rüther zeigt eine Flickendecke, gemacht in der Casa Blanca
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In der Casa Blanca lernen die Frauen nähen
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Die Casa Blanca macht den Frauen Spaß
Die Casa Blanca macht den Frauen Spaß

10.11.2017

Projekt "Casa Blanca" vom Sozialdienst katholischer Frauen in Köln Du bist, was Du tust

Wer einen Job hat, der glaubt meist auch, dass es ihm ganz gut geht. Wer einen besseren Job hat, der findet oft, dass es ihm noch besser geht. Und was ist mit dem, der keine Arbeit hat? Dem hilft etwa die Casa Blanca.

"Das Schlimmste an der Arbeitslosigkeit ist, dass mich niemand will", sagt Frau Müller. Ihr Gegenüber schaut sie dabei nicht an. Der Blick verliert sich irgendwo in ihrer hellblauen Jacke. "Denn als ich meinen Job verloren habe, habe ich auch meinen Wert verloren."

Fast vier Jahrzehnte lang hatte Frau Müller immerhin einen Wert: Sie war in einer Stanzerei beschäftigt. Dann hat Frau Müllers Schwester sie beschuldigt, die Firma bestohlen zu haben. Nachgewiesen werden konnte ihr das nicht - die Kündigung kam trotzdem. Und dann? Dann kam lange erst mal nichts.

"Das war so demütigend", sagt Frau Müller. Als wären Geldsorgen und aufgezwungene Freizeit nicht schon genug, musste sich die heute 59-Jährige den Fragen und Anschuldigungen ihrer Mitmenschen stellen. "Warum bist Du arbeitslos?" "Bist Du faul?" - Das soziale Echo und der vermeintliche Wertverlust der eigenen Person haben Frau Müller den Rest gegeben. "Ich hab mich dann zurückgezogen und abgekapselt", sagt sie. 

Hauptsache, was tun

An der Stelle setzt die Casa Blanca ein. Das ist ein Projekt des Sozialdienstes Katholischer Frauen e.V. (SkF) in Köln. Das Jobcenter vermittelt arbeitslose Frauen in die Casa Blanca; eine Wäscherei und Näherei mit einem ganz besonderen Merkmal: Hier werden Karnevalskostüme gewaschen und hergestellt.

Die Casa Blanca ist ein Beschäftigungsprojekt, das heißt: Wer hier arbeitet, ist immer noch arbeitslos. Es gibt zwar eine Entschädigung für den Mehraufwand, aber Frau Müller und ihre Kolleginnen haben deswegen trotzdem keine Festanstellung. Lediglich die Statistik sieht das anders: Angaben des Statistische Bundesamts zufolge sind gerade einmal 5,4 Prozent (Oktober 2017) der Menschen in Deutschland ohne Job. Frau Müller gehört offiziell nicht dazu.

Aufgeben oder weitermachen?

Wenn man Frau Müller fragt, woher sie die Kraft genommen hat, weiterzumachen, dann antwortet sie zuerst mit betretenem Schweigen, bevor sie sagt: "Es muss ja weitergehen. Ich habe gesehen, dass es anderen noch schlechter geht, also kann ich mich nicht so anstellen." Da ist er schon wieder: Der Vergleich mit den anderen. Erst waren es die anderen, die Frau Müller den eigenen Wert abgesprochen haben und dann sind es die anderen, die ihr zeigen: "Schlimmer geht immer".

"Der Job, oder besser gesagt eine Tätigkeit, der man nachgeht, ist fester Bestandteil der Identität des Menschen. Wer keine Tätigkeit hat und wer keinen Job hat, der hat demnach auch keine Identität", sagt der Soziologe Azad Baris. Das sei fatal, denn: "So findet man in der Bevölkerung kaum Akzeptanz oder Anerkennung. Eine schlichte, einfache Interaktion kann dann nicht stattfinden. Ohne diese ist man einsam, allein und auf sich gestellt."

Casa Blanca gibt Hoffnung

So wie Frau Müller, die sich zurückgezogen und isoliert hatte. Um wieder herauszukommen, brauche es Hoffnungsmacher, sagt der Soziologe Baris. "Ein Mensch kann dann Hoffnung haben, wenn er oder sie mit Hoffnungsmachern lebt", betont er und lenkt ein: "Solche Hoffnungsmacher sind selten geworden."

Für Frau Müller ist die Casa Blanca ein Hoffnungsmacher: "Seitdem ich hier bin, geht es mir besser. Ich bin selbstbewusster und stärker geworden, also psychisch", sagt sie und lächelt scheu.

Was wäre wenn?

Wenn Frau Müller einen Wunsch frei hätte, dann wäre sie gern Pilotin. "Ich will reisen, will die Welt sehen", sagt sie und in ihre Stimme mischt sich etwas, das fast so klingt wie zaghafte Zuversicht. Schnell relativiert sie ihren Wunsch aber: "Man wird ja wohl noch träumen dürfen, oder?"

Der Grat zwischen Luftschlössern und festen Zukunftsplänen ist bekanntlich schmal. Es ist auch nicht sehr realistisch, dass Frau Müller mit ihren fast 60 Jahren noch eines Tages Pilotin wird. Aber Reisen - warum denn nicht? Vielleicht wird aus dem Traum ja noch ein festes Vorhaben; ein Ziel, das dieses Mal von innen kommt und sie aus sich heraus motiviert - ganz egal was die anderen sagen.

Marion Sendker
(DR)

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