Ein Grundeinkommen könnte auch die Altersarmut abfedern, sagt die KAB
Ein Grundeinkommen könnte auch die Altersarmut abfedern, sagt die KAB
Winfried Gather
Winfried Gather

08.11.2017

Katholische Arbeitnehmerbewegung plädiert erneut für Grundeinkommen "Wieder am Leben teilnehmen"

Kann ein bedingungsloses Grundeinkommen gegen Armut helfen? Winfried Gather von der Katholischen Arbeitnehmerbewegung befürwortet diese Möglichkeit und erklärt im domradio.de-Gespräch, wie es funktionieren könnte.

domradio.de: Die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) fordert schon seit langem ein bedingungsloses Grundeinkommen. So wie Sie sich das vorstellen: Würde das dann tatsächlich an jeden ausgezahlt - unabhängig von dem, was er oder sie sonst noch verdient, egal ob jung oder alt? 

Winfried Gather (KAB-Diözesansekretär im Erzbistum Köln): Ja, es käme quasi on top oder wäre die Grundlage. Kinder erhalten etwas weniger, ungefähr 500 Euro ungefähr. Erwachsene bekämen etwa 850 Euro. Das ist unabhängig vom erzielten Einkommen und auch unabhängig von der Rente.

domradio.de: Das heißt, egal, wie viel ich an Rente bekomme, diese rund 800 Euro würden noch dazu kommen? 

Gather: Die kommen dazu, ja.

domradio.de: Wäre das nicht auch ungerecht? Zum Beispiel bei jemandem, der sowieso schon reich ist oder eine hohe Rente erhält - denn der bekommt ja dann auch die 800 Euro, oder?  

Gather: Das ist richtig. Allerdings muss man bei denen, die reich sind, auf die Finanzierung unseres Modells gucken. Die Reichen zahlen auch entsprechend mehr ein, zum Beispiel durch die Erhöhung des Spitzensteuersatzes und der Erbschaftssteuer. Das heißt, dass sie mehr dazu beitragen, als jemand, der nicht so finanziell leistungsstark ist. Von daher wäre es ähnlich wie mit dem Kindergeld. Das bekommt auch jedes Kind, egal aus welchem Haushalt. So wäre es mit dem Grundeinkommen auch.

domradio.de: Wer soll das alles bezahlen? Was sind da Ihre Erfahrungen? 

Gather: Es gibt immer zwei Fragen beziehungsweise Befürchtungen, die sich wiederholen. Das ist einmal: Die  Leute bekommen Geld und tun nichts dafür. Und die zweite Frage ist natürlich: Wie soll das finanziert werden? Ich beantworte mal die Frage: Zum großen Teil durch den Umbau des Steuersystems.

Dann würden tatsächlich die, die mehr leisten können, auch mehr dafür einzahlen. Zudem würden beim Grundeinkommen viele Fürsorgeleistungen wie zum Beispiel BAföG, Kindergeld oder Freibeträge wegfallen. Das wäre die zweite große Säule der Finanzierung.

domradio.de: Glauben Sie, dass das Grundeinkommen das Leben der Menschen ändern würde? Könnten diese Menschen wieder mehr am Leben teilnehmen?   

Gather:  Das auf jeden Fall. Altersarmut bedingt häufig auch Alterseinsamkeit. Das heißt: Viele Leute wissen gar nicht, was ihnen zusteht. Sie haben Scham, zu den Ämtern zu gehen und Anträge zu stellen. Sie würden in eine viel bessere Lage versetzt werden und könnten wieder am Leben teilnehmen, ins Theater oder ins Café gehen. Wenn man nie selber was ausgeben kann und es sich nicht leisten kann, dann geht man auf Dauer auch nicht da hin. Dann vereinsamen die Leute.

domradio.de: An wen wenden sich Menschen, die davon betroffen sind?   

Gather: Die können sich zum Beispiel über die Zentren Plus melden oder bei den Verbänden. Wir als KAB sind da auch engagiert und versuchen zu informieren und zu helfen. Aber als grundsätzliche Hilfe sehen wir ein Grundeinkommen mit einem Anspruch, das jede Person für sich hat, eigentlich als beste Lösung.

Das Gespräch führte Silvia Ochlast.

(DR)

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