Gemeinschaftsgrab in Karlsruhe
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02.11.2017

Warum Menschen die letzte Ruhe im Gemeinschaftsgrab suchen Gemeinsam in die Ewigkeit

Zusammen mit anderen Schalke-Fans begraben werden: Immer mehr Menschen entscheiden sich gegen ein Einzelgrab. Sie wollen mit anderen zusammen ihre letzte Ruhe im Gemeinschaftsgrab finden.

Die "Toten Hosen" haben eine und manch ein Schalke-Fan auch. Es gibt Menschen, die sich später einmal nach ihrem Tod mit Familie, Freunden, Vereinskollegen oder Schicksalsgenossen eine Grabstelle teilen wollen. "Wir fanden die Idee gut, uns gemeinsam ein Grab zu kaufen, weil wir auch im Leben alles zusammen machen", sagte der Gitarrist der Punkband, Michael "Breiti" Breitkopf, einmal der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Es sei ein Ausdruck der Freundschaft. Das Band-Projekt liegt im Trend: Gemeinschaftsgräber werden nach Einschätzung von Bestattungsexperten immer beliebter.

Bei Gemeinschaftsgräbern denkt man häufig an Grüfte mit verwittertem Stein und einer unterirdischen Sargansammlung mit den Toten einer Familie über Generationen hinweg. Das gibt es auch - aber das Thema ist doch vielfältiger. Die Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas verweist auf einheitlich und oft parkartig gestaltete Grabstellen für mehrere Tote. Die Idee des Gemeinschaftsgrabes reihe sich in die Entwicklung zu Gräbern ein, die von Angehörigen nicht gepflegt werden müssten: Urnenwände, Baum- oder Seebestattungen.

Alternative zur anonymen Beisetzung

Aeternitas sieht diese Bestattungsform als Alternative zur anonymen Beisetzung: Auch wenn Angehörige ein Grab nicht pflegen könnten, gebe es einen namentlich gekennzeichneten und gestalteten Ort zum Trauern. In den Kosten für das Grab sei die Pflege meist über Friedhofsgärtner enthalten. Als Beispiel führen die Fachleute einen Bereich auf dem Karlsruher Hauptfriedhof mit dem Namen "Mein letzter Garten" an.

Den beschriebenen Trend sieht auch Oliver Wirthmann, Geschäftsführer des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur - und findet daran nichts auszusetzen. "Viele Menschen wollen pflegearme Gräber, wissen aber nicht, dass es Gemeinschaftsgräber gibt." Hinzu komme, dass es dann einen Ort gebe, an dem sich eine Familie versammeln könne, um gemeinsam zu trauern.

Grabstelle für Schalke-Fans

Nicht immer geht es um die Familie. Noch zu Lebzeiten wählen manche Menschen die Nähe im Tod zu Gleichgesinnten: So gibt es etwa in Gelsenkirchen eine Grabstelle für Schalke-Fans. Andere übernehmen eine Patenschaft für eine verlassene, aber unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten schützenswerte Gruft. Zum Beispiel auf dem Alten Sankt-Matthäus-Kirchhof in Berlin: "Von den ursprünglich etwa 200 kunsthistorisch wertvollen, patenfähigen Grabstätten auf dem Alten Sankt-Matthäus-Kirchhof haben bereits 25 ihre Paten gefunden", heißt es auf der entsprechenden Internetseite.

Ein Beispiel ist der Verein "Denk mal positHIV". Er habe vor einigen Jahren die Grabstätte des Unternehmers Albert Streichenberg (1811-1900) übernommen, "um in Berlin einen Ort des Gedenkens und der Bestattung für Menschen, die an Aids gestorben sind, einzurichten", heißt es. Möglich seien Patenschaften, wenn die Nutzungsrechte an der Grabstätte abgelaufen seien, es keine Angehörigen gebe oder sie keine Verlängerung wollten. Das Grabmal falle an die Kirchhofsverwaltung.

Pate kümmert sich um Pflege

Der Vorteil: Der Pate eines kulturhistorisch wertvollen Grabes kommt für die Restaurierung und die Grabpflege auf. Denn Kriegsschäden oder die Folgen von Umwelteinflüssen zu beseitigen und ein Grab zu erhalten, kann die Verwaltung den Angaben zufolge oft nicht tragen.

Seit 2011 gibt es in Lübeck die Forschungsstelle Gruft von Regina und Andreas Ströbl. Das Ehepaar dokumentiert Grüfte unter archäologischen und kunsthistorischen Aspekten und arbeitet mit Restauratoren zusammen. Ziel sei es, eine Würde wiederherzustellen. Grüfte seien "Auferstehungsorte" - und keine "Stätten des Verfalls", sagen sie. Zu Patenschaften meint Andreas Ströbl: "Alles, was dem Erhalt alter Substanz dient und nichts kaputt macht, kann man nur unterstützen."

Gemeinschaftsgräber als urbanes Phänomen

"Wir müssen den Friedhof mit einer größeren Vielfalt gestalten", findet Wirthmann. Gemeinsame Gruftnutzungen oder überhaupt die Gemeinschaftsgräber seien ein urbanes Phänomen. Stichwort Düsseldorf - dort befindet sich die Grabstelle der "Toten Hosen". Man dürfe ruhig darüber lächeln, meinte Sänger Campino einmal in der "Welt am Sonntag": "Es war ein Gag. Und - es ist immer noch einer. Aber ein guter, letzter Gag."

Leticia Witte
(KNA)

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