Luft raus bei einem Air Berlin Luftballon
Luft raus bei einem Air Berlin Luftballon
Ingo Brüggenjürgen
Ingo Brüggenjürgen

19.10.2017

Ein Kommentar zur sozialen Gerechtigkeit in der Gesellschaft Mindestlohn vs. Mindestbonus?

Air Berlin. Einst florierendes Unternehmen - nun Insolvenzmasse. Auf der Stecke bleiben viele Mitarbeiter. Angesichts des Gehalts für den Firmenchef eine Ungerechtigkeit sondergleichen, meint domradio.de-Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen.

Kinder haben ein wunderbares Gerechtigkeitsgefühl: Sie protestieren sofort, wenn die Schokolade nicht gleichmäßig und gerecht verteilt wird. Wenn man zwei Kinder auffordert, sich die Limonadenflasche zu teilen, so darf man sicher sein, dass diese Verteilung bis auf den letzten Tropfen genau passiert. Wenn doch mal einer den Versuch wagt und sich selber einen zu großen Schluck aus der Pulle genehmigt, ist heftiger Streit und Ärger vorprogrammiert.

Irgendwann im Leben scheint sich dann bei manchem Zeitgenossen dieses Gerechtigkeitsempfinden zu verflüchtigen. Wie anders ist es beispielsweise zu erklären, dass sich der Chef der jetzt insolventen Fluggesellschaft Air Berlin bei seinem Dienstantritt Anfang des Jahres ein jährliches Grundgehalt von 950.000 Euro bis Ende 2021 in seinem Vertrag garantieren ließ. Für das erste Dienstjahr wurde auch ein "Mindestbonus" von 400.000 Euro vereinbart – alles abgesichert durch eine Bankgarantie, die bis 4,5 Millionen reicht. Zur Wahrheit gehört, dass Thomas Winkelmann aus einem Vier-Jahresvertrag als Leiter des Lufthansadrehkreuzes München herausgekauft werden musste und ohne diese Garantien vermutlich gar nicht bei Air Berlin eingecheckt hätte. Aber müssen Mindestlohnempfänger (8,84 Euro) für 400.000 Euro Mindestbonus Verständnis haben?

Mitarbeitern, die seit Jahren für die Airline mit den roten Schokoherzen im Einsatz waren, wird jetzt nichts geschenkt: In der Insolvenz steht nicht nur das Bodenpersonal unabgesichert vor einer völlig ungewissen Zukunft. Auch Fluggäste, die lange für ihren Flug in den verdienten Urlaub gespart haben und jetzt ebenfalls am Boden bleiben, können vermutlich nur ihrem Geld hinterhersehen. Sie alle dürften das Ganze als wenig gerecht empfinden. Schon klar: Mutiger unternehmerischer Einsatz und verdientes unternehmerisches Handeln muss entsprechend gut belohnt werden. Aber eine Bankgarantie in Millionenhöhe bringt doch kein unternehmerisches Risiko mit sich. Es verstärkt beim Ottonormalverdiener bestenfalls den Eindruck, dass "die da oben" eh machen können, was sie wollen und der Teufel sowieso immer nur auf den großen Haufen scheißt.

Aber es beruhigt, dass das kindliche Gerechtigkeitsgefühl nicht bei jedem auf der Strecke bleibt: In meiner Heimatstadt an der Ems gab es einen äußerst kundigen Arzt. Gleichermaßen beleibt wie beliebt war der Doktor, der vom Fußvolk nur "der dicke Werderhausen" genannt wurde. Von ihm ist eine wunderbare Geschichte verbürgt: Er begrüßte all seine Patienten mit einem "So – dann set di mol hi auf den Stohl mein Kind…". Als eine hochwohlgeborene Dame ihm bei dieser Jedermannsbegrüßung freundlich aber bestimmt darauf hinwies, dass Sie bitteschön die Fürstin sei und eine entsprechende Sonderbehandlung erwarten würde, gönnte er ihr schlagfertig dieses Upgrade: "Oh dat hab ich nicht jewusst – dann trak (nimm) di mol zwei Stühle – mein Kind!"

Christen dürfen sich sowieso auf die Frohe Botschaft verlassen. Sie vertrauen auf Gottes Wort und dürfen in der Erwartung auf einen neuen Himmel und eine neue Erde leben, in denen die Gerechtigkeit wohnt (2Petr 3,13). Es steht aber nirgendwo geschrieben, dass man damit nicht schon hier und jetzt mutig und frohgemut anfangen darf.

(DR)

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