Supermarktkette Lidl
Supermarktkette Lidl
Lidl-Eigenmarke sorgt für Aufregung
Lidl-Eigenmarke sorgt für Aufregung

06.09.2017

Wegretuschiertes Kreuz: Lidl will Verpackungen ändern "Wir haben einen Fehler gemacht"

Man nehme eine griechische Spezialität, eine griechische Kirche als Werbebildchen und retuschiert einfach die Kreuze auf den Dächern weg. Das hat Lidl bei einer seiner Hausmarke gemacht. Es hagelte Kritik. Nun entschuldigt sich Lidl.

Nach massiver Kritik an der Bearbeitung eines Fotomotivs auf mehreren Produktverpackungen lenkt die Supermarktkette Lidl nun ein: Das Produktdesign werde "schnellstmöglich" geändert, teilte der Discounter am Dienstagabend auf epd-Anfrage mit. Für Aufregung gesorgt hatte die Aufmachung einiger Produkte der Lidl Eigenmarke "Eridanous", auf denen Kirchen der griechischen Insel Santorini abgebildet sind: Die Kreuze auf den Dächern der Gebäude waren wegretuschiert worden.

Kunden in mehreren europäischen Ländern und die Kommunalregierung der Insel zeigten sich von der Retusche empört. "Es tut uns leid, wenn wir mit der Produktgestaltung unserer Eigenmarke 'Eridanous' für Unmut bei unseren Kunden gesorgt haben", hieß es von Lidl weiter. "Es war nie und wird auch nie unsere Absicht sein, mit unseren Produkten oder der Produktgestaltung weltanschauliche Positionen zu vertreten."

Kunden machten ihrem Ärger in den sozialen Medien Luft

 Kirchen von Santorini, wie die Sankt-Spyridon-Kirche und die Anastaseos-Kirche von Oia, gehören zu den weltbekannten Symbolen der beliebten Urlaubsinsel. Über die Bildbearbeitung berichtete in der vergangenen Woche ein belgisches Nachrichtenportal. Zahlreiche Kunden aus verschiedenen Ländern machten daraufhin ihrem Ärger in den sozialen Medien Luft. Auch auf der Facebook-Seite von Lidl Deutschland häufen sich weiterhin äußerst kritische Kommentare, einige von ihnen rufen sogar zum Boykott auf.

Auch auf Santorini selbst traf die Retusche des Discounters auf Unverständnis. Eine Behördensprecherin sagte dem epd: "Unsere Kulturgeschichte und unser kulturelles Erbe werden täglich durch unsere Monumente, unsere Religion und unsere Landschaft repräsentiert und sie sollten in jedem Fall und von jedem respektiert werden." Die Rechtsabteilung befasse sich derzeit mit der Angelegenheit und leite falls nötig auch juristische Schritte ein, ergänzte die Sprecherin.

"Wir haben einen Fehler gemacht."

Lidl erklärte weiter, die Eigenmarke "Eridanous" werde seit einigen Jahren in ganz Europa verkauft. In dieser Zeit seien verschiedene Gestaltungsvarianten zum Einsatz gekommen. Die Supermarktkette räumte ein: "Wir haben im Zuge der letzten Überarbeitung der Produktverpackung einen Fehler gemacht und behandeln das Thema nun mit höchster Priorität."

Zu den Gründen für die Bildbearbeitung machte das Unternehmen keine Angaben. In Belgien sagte ein Lidl-Sprecher dem Nachrichtenportal RTL info allerdings, die Supermarktkette vermeide die Verwendung von religiösen Symbolen auf Verpackungen, um die religiöse Neutralität zu wahren. Eine Entschuldigung an seine Kunden veröffentlichte Lidl Deutschland bis Mittwochvormittag nicht. Lidl Österreich hatte sich bereits am Montag über Facebook bei seinen Kunden entschuldigt.

Klare Ansagen

Kardinal Duka teilte mit, er werde trotz der Entschuldigung einen "bitteren Beigeschmack nicht los". Er wisse, "dass gerade in Griechenland, wo die absolute Mehrheit der Bevölkerung praktizierende orthodoxe Christen sind, etwas Derartiges eine kulturlose und barbarische Handlung" sei. Es gehe zwar "nur" um die Verfälschung von Fotografien, aber es sei zu befürchten, "dass es demnächst zur Entfernung wirklicher Kreuze auch aus Kirchen kommen könnte".

Die Münchner evangelische Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler kündigte am Dienstag wegen der wegretuschierten Kreuze an, nicht mehr bei dem Discounter einkaufen zu wollen. Auf Twitter schrieb sie wörtlich: "#Lidl hat auf griechischen Produkten Kreuze wegretouchieren lassen: 'Respekt vor religiöser Vielfalt'. Aus Respekt gehe ich da nicht mehr hin."

Die CSU sprach sogar von Skandal. "Unsere Haltung ist klar: Wir bekennen uns zur christlichen Prägung Europas. Das Wegretuschieren von Kreuzen auf Verpackungen ist ein Skandal", hieß es auf Twitter.

(epd, KNA)

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