Die Steinbrücke von Parthenay im Poitou - eine Station auf dem westlichen Jakobsweg von Tours.
Die Steinbrücke von Parthenay im Poitou - eine Station auf dem westlichen Jakobsweg von Tours.

05.08.2017

Mit dem Drahtesel von Köln nach Santiago de Compostela Pilgern einmal anders

Hans Körner ist über 2.000 Kilometer mit dem Fahrrad von Köln nach Santiago de Compestela geradelt. Dabei hat er nicht nur viele interessante Bekanntschaften geschlossen, sondern auch die Höhen und Tiefen des Pilgerdaseins durchlebt.

domradio.de: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, über 2.000 Kilometer mit dem Fahrrad zu fahren?

Hans Körner (Rad-Pilger): Ich interessiere mich schon lang für den Jakobsweg, aber ich bin nie auf die Idee gekommen, diesen Weg selbst zu bestreiten. Zu Fuß konnte ich mir das nicht vorstellen - wandern mit zehn oder 12 Kilogramm Gepäck auf dem Rücken ist nichts für mich. Als bei mir der Renteneintritt näher rückte, kam dann aber doch die Idee, den Jakobsweg mit dem Fahrrad zu absolvieren. Ich war allerdings ein ungeübter Fahrradfahrer. Doch mit wochenlanger Planung im Voraus habe ich mich darauf vorbereitet. 

domradio.de: Sie waren kein geübter Fahrradfahrer - aber sind sehr sportlich?

Körner: Um ehrlich zu sein halte ich es wie Winston Churchill: "No sports". 

domradio.de: Aber dann waren Sie mit einem E-Bike unterwegs?

Körner: Nein, das war ein ganz normales Tourenfahrrad. Deshalb habe ich auch 47 Tage für meine Reise benötigt.

domradio.de: Warum sind Sie ausgerechnet den Jakobsweg entlang gefahren? War das ein Herzenswunsch von Ihnen?

Körner: Mich hat die Mischung aus Spiritualität und die Schönheit der Landschaft gereizt. Ich bin aber einen kleinen Umweg gefahren, so dass ich mir die Kathedralen nördlich von Paris anschauen konnte. Ich habe eine Vorliebe für die französisch-gotischen Gotteshäuser. Es war mir wichtig die Stempel dieser Kathedralen in meinem Pilgerpass zu haben. Insgesamt habe ich von meiner Reise 80 bis 90 Stempel gesammelt. Den ersten habe ich übrigens im Domforum vom Kölner Dom bekommen. 

domradio.de: Gab es für Sie auf der langen Reise auch einmal den Wunsch, das Ganze abzubrechen?

Körner: Der Gedanke des Abbrechens ist mir nie gekommen. Ich hatte allerdings schon Tage dabei, die ganz anders verlaufen sind, als ich es mir erträumt hätte. Die Regentage waren meist nicht so angenehm. Ich erinnere mich an einen Tag, an dem ich mein Zelt morgens schon im Regen abgebaut habe. Mittags habe ich dann in einem Restaurant Unterschlupf gefunden. Innerhalb kürzester Zeit war eine riesengroße Pfütze um mich herum, weil ich vollständig durchnässt war. Obwohl meine Schuhe voll Wasser standen, bin ich weiter gefahren. Irgendwann hat mir dann der Sankt Jakob einen Engel geschickt. Völlig erschöpft kam ich in dem Ort Chatellerault an. Am Rand der Stadt habe ich mir zwei neue Fahrradtaschen gekauft, weil zwei der Taschen, die ich dabei hatte, aus dem Leim gegangen sind. Als ich aus dem Fahrradladen heraus kam, klopfte mir jemand von hinten auf die Schulter und bot mir einfach so ein Zimmer bei einem seiner Freunde an. Er brachte mich sogar samt meines Fahrrads mit dem Auto dorthin. Der Freund meines Engels kam, wie ich, aus Köln und gab mir ein wunderbares Zimmer, wo ich endlich meine Sachen trocknen konnte. Außerdem hat er mir ein leckeres Abendbrot serviert. Bei einer Flasche Rotwein haben wir beiden Kölner uns über Gott und die Welt unterhalten. Das kann nur den Sankt Jakob gewesen sein, der mir einen Engel geschickt hat.

domradio.de: Haben Sie auch in diesen klassischen bekannten Herbergen genächtigt?

Körner: Ja. Besonders in Südfrankreich und dann in Spanien - eigentlich in jedem Ort - gibt es Pilgerherbergen. Diese haben jedoch ganz unterschiedliche Qualitäten. Geruchsempfindlich sollte man nicht sein. Auch muss man sich daran gewöhnen, dass Schnarchkonzerte auf der Tagesordnung stehen. Ab fünf Uhr am Morgen wird es in den Sammelschlafzimmern zudem recht laut, da dann schon die ersten Leute aufbrechen, um nicht in die Mittagshitze zu kommen. Manchmal war ich richtig froh, bei gutem Wetter ganz in Ruhe in meinem Zelt schlafen zu können. 

domradio.de: Sie haben sicher viel auf Ihrer Reise erlebt, aber gibt es irgend ein besonders Highlight?

Körner: Ich hatte viele schöne Erlebnisse. Doch das Highlight kam am Ende meiner Reise. Wenn man den qualmenden Bota Fumeiro, das bekannte Weihrauchfass in der Kathedrale von Sant Diago de Compostella, sieht, ist man ergriffen. Ich war wie in Trance.

domradio.de: Wie ist das Gefühl, wenn man es endlich geschafft hat?

Körner: Eigentlich habe ich danach direkt überlegt, wie es nach der Tour weitergeht. Ich hab mein Rad mit der spanischen Post nach Hause geschickt und bin mit dem Flugzeug zurück nach Köln geflogen. Es war merkwürdig am nächsten Tag nicht mehr los zu müssen. 

domradio.de: Planen Sie noch weitere Touren?

Körner: Ja, es gibt schon einige Ideen. Aber im Moment arbeite ich noch an anderen Projekten - zum Beispiel an meinem Roman. 

Das Interview führte Silvia Ochlast.

(dr)

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