Professor Nik Klever (r.) und Student Frederik Riedel in der Hochschule Augsburg
Professor Nik Klever (r.) und Student Frederik Riedel in der Hochschule Augsburg

27.06.2017

Hochschule erleichtert Ehrenämtlern den Studienzugang Studienplatz-Bonus für sozial engagierte Bewerber

Seit einem Jahr bietet die Hochschule Augsburg einen besonderen Studienzugang: Ehrenamtlich engagierte Bewerber können dort den Numerus clausus umgehen. Die Bilanz fällt nun fast durchweg positiv aus.

Ohne diese Regel würde Frederik Riedel wohl immer noch was anderes als sein Lieblingsfach studieren. Zwei Semester hat der 21-Jährige an der Hochschule Augsburg Bauingenieurwesen gepaukt. Doch eigentlich wollte er Internationales Wirtschaftsingenieurswesen lernen, "wegen der breiteren Berufschancen", sagt Riedel. "Das ging aber erst nicht, weil mein Abi-Schnitt zu schlecht war." Dann jedoch hat seine Hochschule ein Projekt zur Förderung des Ehrenamts gestartet. Wer engagiert ist, kann nun auch dann einen Studienplatz bekommen, wenn er nicht den erforderlichen Numerus clausus erfüllt.

Aktiv bei Wasserwacht und Feuerwehr

Seit rund einem Jahr existiert diese Regel, Riedel hat dank ihr in sein Wunschstudium wechseln können. In seinem Heimatort Utting am Ammersee ist er bei der Wasserwacht und der Feuerwehr aktiv. Für Bewerber wie ihn hält die Augsburger Hochschule mit ihren rund 6.000 Studenten bis zu ein Prozent der Plätze pro Studiengang frei. Diese Art des generellen Zugangs ist laut Hochschule bayernweit einmalig.

Fachbezogen gibt es ähnliche Angebote an der Evangelischen Hochschule Nürnberg und den Universitäten Würzburg und Regensburg.

Ein Zeichen für das Ehrenamt

"Wir haben den Ehrenamtsbonus aus vier Gründen eingeführt", erklärt Nik Klever (62), Informatikprofessor und Initiator des Projekts.

"Erstens wollen wir ein Zeichen für das Ehrenamt setzen und zweitens unter den Dozenten Verständnis dafür wecken, dass Studenten, die sich engagieren, öfters nicht in der Vorlesung sitzen können." Drittens bezwecke man eine Vernetzung auswärtiger Studenten mit heimischen Hilfsorganisationen, viertens einen Technologie- und Wissenstransfer zwischen den Beteiligten. Klever hat daher eine Kooperation zwischen seiner Hochschule und der Arbeitsgemeinschaft der Augsburger Hilfsorganisationen sowie dem Stadtfeuerwehrverband gegründet.

Klever - selbst bei der Bergwacht engagiert - zieht nun Bilanz:

Mehr Vernetzung von auswärtigen Studierenden und Hilfsorganisationen gefordert

"Bislang sind 17 Studenten per Ehrenamts-Bonus zu uns gekommen." Bisher habe es genug Plätze für Ehrenämtler gegeben, im Zweifelsfall geschehe die Auswahl per Gespräch. "Das Verständnis für einen Alarm schlagenden Notfallpiepser im Seminar ist bei den Professoren seither jedenfalls gewachsen", ergänzt Klever. Nur einen Wermutstropfen gebe es: Die Vernetzung von auswärtigen Studenten und Augsburger Hilfsorganisationen lasse zu wünschen übrig. "Denn die meisten Studenten kommen nicht von so weit weg, als dass sie ihren Heimatvereinen nicht treu blieben."

So wie Frederik Riedel. Was sein Motiv für seinen Einsatz ist? "Die Gemeinschaft ist toll, es macht Spaß, etwas Sinnvolles zu bewegen." Und dann bestätigt er noch die von Klever angesprochene Professoren-Sensibilisierung: "Einmal hab' ich einen begehrten Platz für eine Feuerwehr-Fortbildung ergattert. An dem Tag stand bei mir aber auch eine Pflichtveranstaltung an der Hochschule an - die durfte ich dann schwänzen."

"Ehrenämter schwer vergleichbar"

Riedel fühlt sich dank solcher Zugeständnisse in seinem Engagement wertgeschätzt. Doch der Ehrenamtsbonus biete Studenten viel mehr: "Karrierechancen, die sie sonst nie bekämen", sagt er mit Blick auf den Numerus clausus. "Es wäre schön, wenn andere Hochschulen dem Augsburger Beispiel folgen würden." Uta Feser scheint dem aufgeschlossen. Die Vorsitzende des Vereins "Hochschule Bayern" sagt: "Ehrenamtliches Engagement findet so eine angemessene Würdigung."

Kritischer sieht das Godehard Ruppert. Der Chef der Universität Bamberg und einziges deutsches Mitglied im Verwaltungsrat der Internationalen Assoziation der Universitäten, erklärt: "Ich finde die Vergleichbarkeit von Ehrenämtern extrem schwierig. Auf einer solchen Basis Studienbewerber auswählen zu müssen, wäre mir nicht rechtssicher genug." Richtig aber sei es, sozialen Einsatz zu fördern. "Auch wir Unis sollten schauen, was wir da verbessern können. Es ließen sich etwa Prüfungen verschieben, wenn den Studenten ein Einsatz dazwischenkommt."

Der Umgang mit engagierten Studenten könnte sich also bald ändern, etwas anderes aber sicher nicht: "Ich bleibe beim Ehrenamt", sagt Frederik Riedel, "auch wenn ich die Hochschule hinter mir habe."

Christopher Beschnitt
(KNA)

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