15.05.2017

Caritas Köln kritisiert Umgang der vorherigen NRW-Regierung mit Kinderarmut "Gefahr für Leib und Leben"

Beim Thema "Kinderarmut" ist Nordrhein-Westfalen eines der Schlusslichter in Deutschland. Im Jahr 2015 waren mehr als 500.000 Kinder in NRW auf staatliche Hilfen angewiesen. Was muss die neue Regierung leisten, um dies zu ändern?

domradio.de: Rot-Grün war angetreten, um die Kinderarmut zu verringern. "Kein Kind zurücklassen!" So lautete das Versprechen von Hannelore Kraft vor fünf Jahren. Wie sieht Ihre Bilanz aus?

Dr. Frank Johannes Hensel (Direktor des Diözesancaritasverbandes im Erzbistum Köln): Den guten Willen kann man ihr nicht absprechen, aber es sind eher Projekte aufgesetzt worden, als dass tragfähige Konzepte installiert wurden. Man hat ein großes Projekt gemacht: "Kein Kind zurücklassen!". In 18 Kommunen wurden Koordinatoren eingestellt, damit Gesundheit, Bildung und Kinder-Jugend-Hilfe besser ineinandergreifen. Dies wurde auf 40 Projekte aufgepumpt, dennoch sind wir immer noch im Projektbereich. Hier und da gibt es positive Erfolge, weil die Leute miteinander arbeiten. In den großen Zahlen kann man das jedoch noch nicht ablesen. Daran kann sich die neue Landesregierung bestens messen lassen.

domradio.de: Sind Sie rückblickend eher zufrieden mit der Arbeit der altern Regierung oder sehen Sie diese kritisch?

Dr. Hensel: Ich bin kritisch, weil das Tempo nicht genügt. Mit jedem Kind, das abgehängt und verloren ist, ist ein tragisches Schicksal verbunden - oftmals lebenslang. Wir als Gesellschaft zahlen eine Riesenzeche dafür. Alles, was besser gemacht werden kann, ist ein Versäumnis, wenn es nicht getan wird.

domradio.de: Welche Folgen hat Kinderarmut mittel- und langfristig?

Dr. Hensel: Man kann sagen, dann besteht "Gefahr für Leib und Leben". Man weiß heute, dass Menschen in Armutssituationen häufiger krank sind, früher sterben, im ganzen Leben schlechter auf die Beine kommen und mehr Delinquenten haben - das heißt, öfter auffällig werden. Volkwirtschaftlich betrachtet kann man sagen, dass es uns teuer zu stehen kommt. Menschlich ist es im Einzelfall tragisch und volkswirtschaftlich ist es ein großer Unsinn, sich so viele angehängte Kinder zu leisten.

domradio.de: Wenn wir auf ganz Deutschland schauen: Wie erklären Sie sich, dass in einem der reichsten Länder der Welt noch so viele Kinder in Armut leben?

Dr. Hensel: Die drei Hauptursachen, die viel ändern würden: Erwerbslosigkeit, alleinerziehend sein und geringqualifiziert sein - gilt es anzupacken, so lange sie auf einem stabil-schwachen Niveau sind. Im Landtagswahlkampf haben wir viele Diskussionen zum Thema "Bildung und Qualifizierung" gehört. Wenn dieser Bereich wenig angepackt wird oder wenn die entfesselten Arbeitsmärkte dazu führen, dass ein Niedriglohnsektor grassiert, hat man das Problem der Armut. 

domradio.de. Was hätten Sie gern von einer Regierung, die sich mehr um Kinderarmut kümmert?

Dr. Hensel: Es muss nicht alles anders, aber vieles besser gemacht werden. Kinder sollten unabhängig von der Herkunft ihrer Eltern den sozialen Aufstieg durch Bildung schaffen können - dies ist eine Aussage der neuen Regierung. Man kann nur sagen: "Tut es in Bildung! Lasst euch in Bildung messen - an der Schulabbrecherquote, an der Klassengröße, an denen, die die Schule ohne Hauptschulabschluss verlassen oder an der schrecklichen Aussage, dass 80 Prozent der Analphabeten in Deutschland einen Schulabschluss haben.

domradio.de:  Sehen Sie Anzeichen dafür, dass sich das unter einer schwarz-gelben Regierung ändern könnte?

Dr. Hensel: Es gibt ein Bejahen unserer Forderungen. Es gibt Zusagen, wie es das allerdings vor Wahlen oft gibt. Ich denke, dass es kein Theorieproblem gibt, sondern dass die Frage ist, ob die Prioritäten so gesetzt werden, dass wir zu einer nachhaltigen Kinderarmutsbekämpfung kommen. Dies ist immer auch eine Familienarmutsbekämpfung. Das alles wird in den Wettstreit mit dem Thema "Sicherheit- und Straßenbau" treten. Wir gehen davon aus, das an dieser Stelle sehr, sehr viel zu gewinnen ist. Wir von den Sozialverbänden der katholischen Kirche fordern, dass für Familien mehr getan wird. Ich bin zuversichtlich, dass man dies nicht einfach nach hinten stellt. Wir können statistisch messen und nachweisen, ob da eine durchschlagende Politik wird.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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