Private Soziallotterie?
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13.05.2017

Soziallotterie "Aktion Mensch" mit 446 Millionen Euro Umsatz Wachsende Konkurrenz

Sie fördern soziale Projekte in Millionenhöhe. Doch die Soziallotterien in Deutschland haben mit erheblichen rechtlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Und zugleich wächst die Konkurrenz.

Es wird enger auf dem Markt der Soziallotterien in Deutschland. Die Konkurrenz wächst, wie die Aktion Mensch am Freitag in ihrem in Bonn veröffentlichten Jahresbericht analysiert.

Die Deutsche Sportlotterie ist 2015 gestartet, eine deutsche Umweltlotterie sowie eine Bildungslotterie sind im Gespräch. Und die Deutsche Postcode-Lotterie hat 2016 ihren Geschäftsbetrieb aufgenommen. Vor diesem Hintergrund verzeichnet die Aktion Mensch - von 1965 bis zum Jahr 2000 als Aktion Sorgenkind bekannt - für 2016 ein stabiles Jahresergebnis. Der Gesamtumsatz lag bei 446 Millionen Euro; das waren 1,2 Millionen Euro oder 0,3 Prozent weniger als im Vorjahr.

Beeinflussung des Spendenpakets durch Zuwanderung von Flüchtlingen

Als Ursache für das leichte Minus nannte Vorstand Armin von Buttlar unter anderem die starke Zuwanderung von Flüchtlingen im zweiten Halbjahr 2015. Sie habe den Spendenmarkt gerade in der Weihnachtszeit deutlich beeinflusst und dazu beigetragen, dass die Bereitschaft, Lose zu erwerben, sank. Rund vier Millionen Bundesbürger kauften Lose. 133,8 Millionen Euro wurden als Gewinn ausgeschüttet.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1964 hat die mit dem ZDF zusammenarbeitende Aktion Mensch nach eigenen Angaben mehr als 3,9 Milliarden Euro an soziale Projekte weitergegeben. 2016 flossen 177,6 Millionen Euro (Vorjahr: 172,4) bundesweit direkt in die Unterstützung für Menschen mit Behinderung, Kinder und Jugendliche sowie in Kampagnen. So wurde eine Studie über Inklusion am Arbeitsmarkt veröffentlicht. Danach gibt es nur kleine Fortschritte bei der Beschäftigung behinderter Menschen. Zwar sei die Zahl der Arbeitslosen mit Behinderung auf rund 178.800 gesunken. Ihre Arbeitslosenquote sei mit 13,4 Prozent aber immer noch fast doppelt so hoch wie die Quote von Menschen ohne Behinderung, hieß es im "Inklusionsbarometer Arbeit".

"Aktion Mensch" größte Soziallotterie Deutschlands

Mit 446 Millionen Euro Umsatz bleibt die Aktion Mensch die bei weitem größte Soziallotterie in Deutschland: Die Glücksspirale, die Projekte in den Bereichen Umweltschutz, Sucht, Kultur, Kirche und Sport fördert, verzeichnete 242 Millionen Euro Umsatz. Die 1956 gegründete Deutsche Fernsehlotterie - die älteste Soziallotterie weltweit - erzielte 173,4 Millionen Euro.

Für das laufende Jahr erwartet die Aktion Mensch ein leichtes Umsatzwachstum. Das soll unter anderem durch neue Online-Losangebote erzielt werden. Das Internet werde als Vertriebskanal immer wichtiger, so Vorstand von Buttlar. "Unsere Lotterie-Kunden informieren sich nicht nur im Internet, sie kaufen auch immer mehr Lose online."

Behinderungen durch Glücksspielbehörden

Zugleich kritisierte von Buttlar die Genehmigungspraxis der Glücksspielbehörden. "Solange das Glücksspielkollegium weiter Innovationen verhindert und für den Internet-Vertrieb überzogene Vorgaben macht, können zeitaufwändige Klageverfahren auf die Soziallotterien zukommen."

Konkret geht es den Glücksspielstaatsvertrag und um die Frage, welche Anforderungen an die Identifizierung der Losbesteller gestellt werden. "Hier drängen wir auf Erleichterungen, weil von unserem Produkten keine messbare Suchtgefahr ausgeht", teilte Pressesprecher Sascha Decker mit. Derzeit gebe es dazu Verfahren vor dem Verwaltungsgericht und dem Oberverwaltungsgericht Mainz

Langer Rechtsstreit

Zugleich setzt die Aktion Mensch auch auf verstärkte Verkäufe im Einzelhandel. Anknüpfend an eine Zusammenarbeit mit dem Handelskonzern Rewe können Kunden seit November in rund 2.000 Post-Filialen ebenfalls Losgutscheine kaufen. Vorausgegangen war auch hier ein zweijähriger Rechtsstreit zwischen der Soziallotterie und dem Land Rheinland-Pfalz, das als Aufsichtsbehörde in diesem Bereich arbeitet.

Im November 2014 entschied das Oberverwaltungsgerichts (OVG) Rheinland-Pfalz, dass die Handelsketten Rewe und dm Drogeriemarkt für den Verkauf von Losgutscheinen der ZDF-Fernsehlotterie keine glücksspielrechtliche Vermittlungserlaubnis benötigen. Nach Ansicht des Gerichts handelt es sich bei dem Vertrieb der Losgutscheine nicht um die Vermittlung von Glücksspiel - denn mit einem Losgutschein nehme der Loskäufer noch nicht an einem Glücksspiel teil. Ein Spielvertrag werde erst mit Einlösung des Gutscheins im Internet nach einer vorherigen Altersverifizierung geschlossen.

Christoph Arens
(KNA)

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