Kirche und Soziale Medien
Kirche und Soziale Medien
Prof. Andreas Büsch
Prof. Andreas Büsch

10.05.2017

Medienkonferenz re:publica: Experte betont Rolle der Kirche "Raus aus der Nische"

Soll sich die katholische Kirche in die Internetpolitik einmischen? Ja, sagt der katholische Medienexperte Andreas Büsch, der die Kirche bei der Medienkonferenz re:publica in Berlin mitvertritt. 

domradio.de: Sie sind der Leiter der Clearingstelle Medienkompetenz der Deutschen Bischofskonferenz an der katholischen Hochschule Mainz. Das klingt kompliziert. Man kann vielleicht vereinfacht sagen, dass Sie das in die Tat umsetzen, was man sich von der Kirche wünscht, wenn es um Medienkompetenz geht. Kann man das so sagen?

Prof. Andreas Büsch (Leiter der Clearingstelle Medienkompetenz der Deutschen Bischofskonferenz an der katholischen Hochschule Mainz): Das wäre eine etwas zu große Nummer, wenn man behauptet, das würde ich alleine schaffen. Aber ja, es ist ein Baustein in dem Bemühen der katholischen Kirche, sich auch auf dem Feld der Medienbildung zu engagieren.

domradio.de: Sie haben auf der re:publica darüber diskutiert, ob sich die katholische Kirche in die Netzpolitik, also in die Internetpolitik, einmischen und da mitgestalten will. Wenn man an Kirche denkt, denkt man nicht in erster Linie ans Internet. Passt das denn zusammen?

Büsch: Ich denke, das passt sehr wohl zusammen. Ich glaube, dass die katholische Kirche nach wie vor ein sehr wichtiger gesellschaftlicher Player ist, der dazu beiträgt, einen Wertediskurs zu initiieren und am Leben zu halten. Das ist meines Erachtens genau der Beitrag, den die katholische Kirche geben muss. Die Kirche muss aus theologischer, rechtlicher, aber vor allem aus ethischer Sicht in einer Entwicklung Impulse geben, die unsere Gesellschaft so stark revolutioniert, wie vielleicht zuletzt die Erfindung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert.

domradio.de: Wie sieht das denn in der Praxis aus. Wie sollte sich Kirche denn im Internet darstellen?

Büsch: Zum einen spricht die Kirche in dem im Herbst veröffentlichten Papier "Medienbildung und Teilhabegerechtigkeit" eine Selbstverpflichtung aus, dafür zu sorgen, dass sie selbst Menschen immer als Subjekte betrachtet und nicht als Objekte bei der Datenschutzmacht. Zum zweiten geht es um barrierefreie Angebote.

Wir können, wollen und dürfen niemanden ausschließen. Das heißt, wir müssen sowohl digital als auch analog kommunizieren und da ansprechbar sein. Mein Part auf der re:publica war es, dieses netzpolitische Papier, diesen Diskussionsimpuls vorzustellen und denen zur Diskussion zu stellen, die daran interessiert sind.

domradio.de: Jetzt haben auf der re:publica Experten aus 60 Ländern über Netzthemen diskutiert. Da stellt man sich vor, dass die Kirche ein wenig als Exot gesehen wird. Wie wird man da wahrgenommen?

Büsch: Überraschend positiv. Es gab witzigerweise vor meiner Session einen von dem Veranstalter vorher eingeschobenen Vortrag der evangelischen Theologin Johanna Haberer über zehn digitale Gebote, die sie publiziert hat. Direkt im Anschluss folgte dann unser Panel. Der Raum war voll. Es gab lauter interessierte Nachfragen und eine Reihe von Gesprächen im Anschluss. Ich würde auch nach meiner Wahrnehmung - ich bin jetzt das dritte Mal bei der re:publica dabei - sagen, dass sich das Ganze ein bisschen aus der Ecke von Informatikern und Medientheoretikern immer mehr zu zentralen gesellschaftlichen Themen verschiebt.

Das erkennt man, wenn man sich die Bandbreite der 520 Sessions, die hier in diesen drei Tagen stattfinden, anschaut. Man merkt auch, dass die zentralen Themen, also wie man damit umgeht, dass die Kommunikation im Netz scheinbar immer weiter verroht, dass Fake-News publiziert werden und damit unsere Kommunikation eigentlich grundlegend gestört wird, hier immer mehr eine Rolle spielen. Da sprechen wir als Kirche natürlich gerne mit.

domradio.de: Gibt es denn Punkte, wo die Gesellschaft, das Internet von der Kirche lernen kann?

Büsch: Ich bin davon überzeugt, dass wir eine wesentliche Stimme im Dialog sind und es sein müssen und auch Verabsolutierungen entgegenwirken müssen. Ein Thema, das die Veranstaltung auch sehr stark prägt, ist die Diskussion um die sogenannte "Digital-Charta". Das ist eine Initiative, die unter anderem von der Zeit-Stiftung getragen wird und im Herbst vergangenen Jahres publiziert wurde. Ein Punkt, der darin besonders kritisch diskutiert wird, ist die Frage der Meinungsfreiheit.

Wir erleben Gesetzesinitiativen, die durchaus im Verdacht stehen, auch Meinungsfreiheit zu beschneiden. Jetzt gibt es eben Menschen, die sagen: Meinungsfreiheit müsse absolut stehen. Die Kirche sagt da - ganz auf dem Boden des Grundgesetzes - "Stopp". Es gibt auch so etwas wie die Würde der Person und die begrenzt Meinungsfreiheit im Zweifelsfall eben. Das ist ein komplizierter Aushandlungsprozess, den wir in der Gesellschaft nur diskursiv behandeln können. Da müssen wir uns einmischen.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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