Mit Rosen in der Hand: Schüler gedenken dem Massaker von Erfurt
Mit Rosen in der Hand: Schüler gedenken dem Massaker von Erfurt
Schulmassaker in Erfurt
16 Menschen starben

26.04.2017

Schulseelsorger über den Erfurter Amoklauf und Prävention "Ich war überrascht"

Der Amoklauf von Erfurt schockierte vor 15 Jahren das ganze Land: Schulseelsorger Pater Dr. Jürgen Langer spricht bei domradio.de über die heutige Situation.

Es ist ein Schock für die Bundesrepublik: Heute vor 15 Jahren ermordet der 19-jährige Robert Steinhäuser am Erfurter Gutenberg-Gymnasium Lehrer, Schüler, eine Sekretärin und einen Polizisten. 16 Menschen sterben, dann richtet er sich selbst. Es ist der erste Schul-Amoklauf hierzulande. Seitdem hat sich einiges verändert in Deutschland.

domradio.de: Wenn Sie mal zurückdenken an den 26. April 2002: Was ging da in Ihnen vor?

Pater Dr. Jürgen Langer (Schulseelsorger am Collegium Josephinum in Bonn und Notfallseelsorger): Ehrlich gesagt - ich war überrascht. Wir hatten in den Jahren davor viele Lehrer an Ordensschulen im Bereich schulische Krisenintervention geschult. Da ging es auch um das Thema Amoklauf. Aber wir waren davon überzeugt, dass das ein Thema ist, was in Deutschland so nicht passieren würde - auch weil in Deutschland der Zugang zu Schusswaffen wesentlicher schwerer ist als in den USA.

domradio.de: Seit dem Amoklauf gab es Änderungen beim Jugendschutzgesetz, beim Waffengesetz, beim Thüringer Schulgesetz - um nur einige zu nennen. Was aber hat sich bei den Lehrern geändert?

Pater Langer: In den Monaten unmittelbar nach Schulamokläufen ist es so, dass die Lehrer schon mit Angst und Beklemmung in den Unterricht gehen. Jeder überlegt: Kann das bei uns auch passieren? Ist das bei unserer Schülerschaft oder ehemaligen Schülerschaft möglich? Diese Ängste klingen aber auch wieder ab. Es hat sich aber grundsätzlich viel geändert in den Schulen. Sie sind im Bereich schulische Krisenintervention ganz anders und wesentlich besser aufgestellt und haben da wirklich ihre Hausaufgaben gemacht.

domradio.de: Das heißt, man versucht schon im Vorhinein so etwas zu vermeiden?

Pater Langer: Genau. Das Thema Schulamoklauf hat ja etwas mit Suizid zu tun. Es ist eine Sonderform von Suizid, bei der der Schüler nicht nur sich selbst töten, sondern auch andere in den Tod mit hineinreißen will. Viele Schulen, besonders die kirchlichen Schulen, sind sehr gut aufgestellt, was Beratungsarbeit und Fürsorge für Schüler in Schwierigkeiten angeht. Das ist auch ein wichtiges Element im Bereich Amokprävention.

domradio.de: Sind das dann regelmäßige Gespräche oder wie kann ich mir eine solche Prävention vorstellen?

Pater Langer: Das sind regelmäßige Gespräche. Es gibt grundsätzliche Gesprächsangebote an Schüler, Lehrer und Eltern - wenn sie zum Beispiel etwas Auffälliges beobachtet haben. Und dann gibt es die Möglichkeit regelmäßig Gespräche mit Schülern zu führen, wo man weiß, da sind auch Auffälligkeiten. Wir diskutieren in Fortbildungen auch darüber, wie man Schüler begleitet, die in der Schule erfolglos sind - dass man die besser im Blick hat.

domradio.de: Jetzt ist der Amoklauf 15 Jahre her. Kann man denn sagen, was das mit den Angehörigen macht. Ist das noch ein Thema?

Pater Langer: Natürlich ist das noch ein Thema. Gerade so ein Jahrestag ist für die Hinterbliebenen ein sehr deutlicher Einschnitt. Da gibt es immer noch eine ganze Reihe Leute, die Bedarf an Begleitung und Therapie haben. Und es gibt immer noch Treffpunkte für Opfer und Angehörige von Schulamokläufen. Richtig verarbeiten, geht gar nicht. Es wird immer ein Teil des Lebens bleiben. Aber es ist schon so, dass die allermeisten Leute in der Lage sind, ihrem normalen Leben wieder nachzukommen.

Das Gespräch führte Renardo Schlegelmilch.

(dr)

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