Trauer in Stockholm
Trauer in Stockholm

08.04.2017

Kirchenvertreter bestürzt nach Anschlag in Stockholm Trauer und Anteilnahme

Mit Bestürzung hat die Nordische Bischofskonferenz auf den tödlichen Vorfall in Stockholm reagiert. Auch der Vorsitzende des im skandinavischen Raum tätigen Bonifatiuswerkes, Georg Austen, zeigte sich gegenüber domradio.de schockiert.

"Unsere Anteilnahme und unser Mitgefühl gelten in diesen Stunden der Trauer und Unsicherheit den Angehörigen der Toten und Verletzten sowie der ganzen Bevölkerung", sagte der Vorsitzende Czeslaw Kozon, Bischof von Kopenhagen. "Wir fühlen uns unseren schwedischen Schwestern und Brüdern in dieser schweren Situation zutiefst verbunden und begleiten sie mit unserem Gebet."

Auch der katholische Bischof von Stockholm, Anders Arborelius, hat sich bestürzt gezeigt. In einer am Samstag verbreiteten Stellungnahme verurteilte er den "schrecklichen Akt des Terrorismus" als eine Form sinnloser Gewalt. "Wir müssen mehr und mehr einsehen, dass wir in einer verwundeten Welt leben und wie verletzlich wir Menschen sind", so der Bischof. Die Katholiken beteten für alle Opfer und Angehörigen.

Erzbischof Heße: Zeichen der Solidarität setzen

Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße hat dem Stockholmer Bischof Anders Arborelius sein Mitgefühl mit den Opfern des gestrigen Anschlags in Stockholm ausgedrückt. "Ich bete für die Toten und Verletzten und für ihre Angehörigen. Ich bin in Gedanken bei ihnen", schrieb Heße. Dies solle auch ein Zeichen der Solidarität mit allen Menschen sein, die unter Gewalt und Terror leiden, so der Erzbischof weiter.

Die Nordische Bischofskonferenz, zu der die katholischen Bischöfe von Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland und Island gehören, hatten in den vergangenen Tagen in Hamburg ihre Frühjahrsvollversammlung abgehalten.

"Der Angriff betrifft uns alle"

Schwedens Erzbischöfin Antje Jackelén äußerte sich wie folgt: "Nachrichten über Terroranschläge haben uns in den letzten Jahren allzu oft erreicht. Wir erhielten diese aus vielen Teilen der Welt, und wir befürchteten, dass dies auch in unserem Land geschehen kann. Jetzt ist es passiert", heißt es in einer am Samstag auf der Webseite der Schwedischen Kirche veröffentlichten Stellungnahme.

"Unsere unmittelbaren Gedanken sind bei den Opfern, denjenigen, die ihre Angehörigen verloren haben, den Verletzten, und denen, die helfen", erklärte Jackelén. Die Gedanken würden außerdem jenen Entscheidungsträgern und Helfern gelten, die in extremen Situationen handeln müssten. "Der Angriff betrifft uns alle, es ist ein Angriff auf ein Leben in Freiheit und grundlegende Werte und Rechte." Darauf dürfe man nicht mit einer Kultur des Hasses oder der Polarisierung antworten.

"Gott des Lebens, wir beten für unsere Mitmenschen, die von Terror, von Gewalt betroffen sind", heißt es in dem abschließenden Gebetstext der aus Deutschland stammenden Erzbischöfin. Man schließe all diejenigen ein, die versuchten, Trost zu spenden, wo es scheinbar keinen Trost gebe: "Wir beten für alle, die Licht in der Dunkelheit schaffen. Helfen Sie uns, für eine von Mitgefühl, Respekt und Liebe geprägte Gesellschaft zu kämpfen und zu arbeiten."

Bonifatiuswerk sieht Kirche gefordert

Der Generalsekretär des katholischen Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen, zeigte sich von dem Anschlag in Stockholm ebenfalls erschüttert. Er richtete seinen Blick im Gespräch mit domradio.de jedoch auch nach vorne: "Wir dürfen uns jetzt nicht in ein Zwangskorsett der Angst stecken lassen", sagte er. Die Gesellschaft und die Politik seien insgesamt gefordert, Rahmenbedingungen für Sicherheit zu schaffen.

Austen machte aber auch deutlich, dass die Kirche gefordert sei. "Wir müssen sehr deutlich machen, dass Terror, Hass und Gewalt keine Lösungsansätze sein können. Terror wird sich niemals vor unserem Glauben durchsetzen. Der Glaube darf auch niemals missbraucht werden, miteinander und gegeneinander anzutreten."

Einen Lösungsansatz sieht der Vorsitzende des Bonifatiuswerkes im gegenseitigen Miteinander der Religionen und besserer Kenntnis der jeweils anderen Glaubensrichtung. "Das ist auch eine Frage der Bildung und Glaubensbildung. Je mehr man übereinander weiß, desto besser ist es. So können Wege der Versöhnung gesucht werden. Wir leben nicht mehr isoliert auf einer kleinen Insel, sondern stehen in Kontakt mit anderen Religionen in der Welt."

Austen warnte davor, weiter Hassparolen zu schüren, denn diese würden nur "ein Klima der Angst und des Gegeneinanders nach vorne treiben."

Mann nach Lkw-Anschlag unter Verdacht

Nach dem Lkw-Anschlag in Stockholm mit vier Toten steht ein festgenommener Mann unter Terror- und Mordverdacht. Bis Dienstagmittag haben die Ermittler nun Zeit, ihn zu verhören, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft der Deutschen Presse-Agentur sagte. Dann muss die Anklage spätestens entscheiden, ob er einem Richter vorgeführt werden soll. Dieser entscheidet, ob der Verdächtige in Haft kommen soll.

Ein gekaperter Lastwagen war am Freitagnachmittag in einer großen Einkaufsstraße in der Stockholmer Innenstadt zunächst in eine Menschenmenge und dann in ein Kaufhaus gerast. Dabei wurden vier Menschen getötet und 15 verletzt, neun von ihnen schwer. Augenzeugen berichteten von "Unmengen an Blut" und Leichen auf dem Asphalt. "Es hat in der Fahrerkabine des Lastwagens gebrannt und die Leute haben geschrien, dass wir weglaufen sollen", sagte eine Schwedin dem Fernsehsender SVT. "Ich bin geschockt."

Acht Erwachsene und ein Kind waren am Samstagmorgen nach Behördenangaben noch in verschiedenen Krankenhäusern in Stockholm. Über ihren Zustand wurde zunächst nichts bekannt.

Lastwagen wird untersucht

Den verdächtigen Mann hatte die Polizei am Freitagabend festgenommen. Sie sprach zunächst von einer Person, die Verbindungen zu dem Fall haben könne. Der Mann stimme mit Beschreibungen einer Person überein, die sich in der Nähe des Tatorts aufgehalten haben soll. Er wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft "terroristischer Verbrechen durch Mord" verdächtigt. Er soll jetzt einen Verteidiger zur Seite gestellt bekommen. Medienberichte über eine zweite Festnahme bestätigte die Stockholmer Polizei auf dpa-Anfrage nicht. "Das ist ein Gerücht, sagte eine Sprecherin. Auch nähere Angaben zu dem Verdächtigen wollte sie nicht machen.

Der Lastwagen war in der Nacht zu Samstag abgeschleppt worden und soll nun kriminaltechnisch untersucht werden. Der Tatort und die Umgebung blieben bis auf weiteres abgesperrt. Nachdem der U-Bahn- und Zugverkehr in Stockholm stundenlang stillgestanden hatte, rollten am frühen Morgen wieder Züge aus den Bahnhöfen. Wegen des Anschlags seien aber viele Bahnen verspätet, warnten die Verkehrsbetriebe.

Regierungschef: "Ihr könnt nicht gewinnen"

Am Freitagabend hatten Tausende zu Fuß nach Hause gehen müssen. Viele Stockholmer boten den Menschen, die außerhalb der Stadt wohnten, eine Unterkunft an. Auf diese Solidarität könne Schweden stolz sein, sagte Regierungschef Stefan Löfven am späten Abend. An den oder die mutmaßlichen Täter gerichtet hatte der Sozialdemokrat zuvor gesagt: "Ihr könnt nicht über unser Leben bestimmen. Ihr werdet niemals gewinnen."

Die schwedischen Behörden sind in Alarmbereitschaft. Zehn Tage lang sollen alle Ausreisenden an den Grenzen kontrolliert werden, sagte Ministerpräsident Stefan Löfven am Freitagabend. Innenminister Anders Ygeman sagte dem schwedischen Rundfunk, die Kontrollen könnten um weitere 20 Tage verlängert werden. "Das ist natürlich wichtig, um einen Täter oder eventuelle Helfer daran zu hindern, das Land zu verlassen und sich einer Festnahme der Polizei zu entziehen."

Bundesregierung sichert Solidarität zu

Die Einkaufsstraße Drottninggatan war bereits im Dezember 2010 Ort eines Anschlags gewesen. Damals explodierte dort ein Auto, während sich fast zur gleichen Zeit an einer anderen Straße im Zentrum Stockholms ein 28-jähriger Schwede irakischer Abstammung in die Luft sprengte. Zwei Passanten wurden leicht verletzt. Auch der Mord an dem damaligen schwedischen Regierungschef Olof Palme 1986 hatte sich ganz in der Nähe abgespielt.

Weltweit reagierten Politiker mit Bestürzung auf den Angriff. Die Bundesregierung versicherte der schwedischen Bevölkerung ihre Solidarität. "Wir stehen zusammen gegen den Terror", erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert. In Paris lag der Eiffelturm in der Nacht zum Samstag zur Erinnerung an die Opfer im Dunkeln.

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