Paketshop der katholischen Liebfrauengemeinde in Kiel
Paketshop der katholischen Liebfrauengemeinde in Kiel

05.04.2017

Kieler Kirchengemeinde geht mit eigenem Versandshop neue Wege Pakete mit Gottes Segen

Eine katholische Kirchengemeinde in Kiel geht neue Wege in der Pastoral: Unterm Kirchturm eröffnete sie einen Paketshop. Nur eines von vielen Angeboten, mit denen sich die Gemeinde für den Stadtteil öffnet.

Sie liegt an einer vielbefahrenen Bundesstraße, die rote Ziegelsteinfassade des modernen Baus fügt sich nahtlos in die Umgebung ein: Die katholische Liebfrauen-Kirche im Kieler Stadtteil Hassee ist eher unscheinbar. Nur ein kleines Schild auf dem Bürgersteig weist darauf hin, dass es dort etwas Besonderes gibt: "DHL Paketshop und Cafe unterm Kirchturm" ist auf Post-gelbem Hintergrund zu lesen. Und: "Seien Sie herzlich willkommen". 

"Das können wir."

Eine Gruppe von Ehrenamtlern hat in den Räumen der Kirche am Dienstag neben einem Gemeindecafe auch eine Annahmestelle für Briefe und Pakete eröffnet. Man wolle Begegnungsmöglichkeiten schaffen und zugleich für die Menschen im Stadtteil da sein, sagt Schwester Maria Magdalena von den dort ansässigen Mauritzer Franziskanerinnen, die die Idee maßgeblich vorangetrieben hatte.

Zusammen mit dem Ortsbeirat des Stadtteils habe man im vergangenen Jahr die Anwohner nach ihren Bedürfnissen befragt, so Schwester Maria Magdalena. Weil die Post im Stadtteil schon vor vielen Jahren geschlossen habe und Bäckereien und Gastronomie auch zunehmend verschwinden würden, sei immer wieder der Wunsch nach einem Cafe und einem Paketshop geäußert worden. "Da haben wir als Kirchengemeinde gesagt: Das können wir." Auch im benachbarten geistlichen Zentrum "Haus Damiano" mache man bereits "niederschwellige Angebote" wie Segensgottesdienste oder einfache Meditationen.

Kleine Startschwierigkeiten

Hinter dem Tresen im Paketshop wird derweil der Betrieb aufgenommen. Noch gibt es Startschwierigkeiten mit dem Scanner, aber die ersten Pakete sind bereits abgeliefert und erfasst. Die pensionierte Lehrerin Brigitta Schneider (76) ist eine von den insgesamt knapp 30 Ehrenamtlern, die künftig regelmäßig Kaffee ausschenken oder Versandstücke annehmen werden. An drei Nachmittagen in der Woche ist zunächst geöffnet. "Ich finde es super, dass die Kirche ihren Blick weitet", sagt sie. Früher in den 60er-Jahren sei alles noch so engstirnig gewesen, das könne sich heute niemand mehr erlauben.

Freunde und Helfer

So zögerte die langjährige Chorsängerin und Kommunionhelferin nicht lange, als Mitarbeiter für das neue Angebot gesucht wurden. "Es ist unsere Aufgabe als Kirche, den Menschen Gutes zu tun." Besonders überrascht ist Schneider, dass sich auch viele Helfer meldeten, die der Gemeinde bislang nicht nahestanden. Zum Beispiel Norbert Blunck (65), ebenfalls pensionierter Lehrer. Über seine Frau lernte der Protestant das "Haus Damiano" und die Angebote der Kirchengemeinde kennen. Das Konzept des Paketshops habe ihn überzeugt: "Ich finde die Annahmestelle in der Gemeinde sehr viel persönlicher als die Post-Filiale im großen Edeka-Markt."

Genau darum geht es auch Schwester Maria Magdalena, die in der Gemeinde nur unter dem Namen "Schwester M. M." und als besonders umtriebig bekannt ist. "Ich würde mich freuen, wenn die Menschen die katholische Kirche als freundliche Nachbarin wahrnehmen, die ein offenes Ohr für sie hat", sagt die Initiatorin. Das Konzept, den Menschen lebenspraktische Hilfestellungen zu geben, empfehle sie durchaus auch anderen Gemeinden. "Jeder sollte genau in seinen Stadtteil hineingucken. Manchmal braucht es eine Bibliothek, an anderen Orten fehlt vielleicht eine Kinderbetreuung."

Kann nicht schaden

Lob für die unkonventionelle Idee gibt es auch vom zuständigen Erzbistum Hamburg, das sich derzeit in einem "Erneuerungsprozess" befindet: "Das Projekt zeigt, dass die Schwestern sensibel sind für die Zeichen der Zeit", sagt Sprecher Manfred Nielen. Solche Sensibilität sei notwendig, um neue Wege und Ideen auszuprobieren.

Nach Angaben der Deutschen Post ist die Annahmestelle bislang die einzige in Norddeutschland, die unter dem Dach einer Kirchengemeinde betrieben wird. An dem Standort habe man großes Interesse gehabt, um die Menschen "wohnortnah zu versorgen", so Sprecher Martin Grundler. "Und wenn es um das Versenden von Paketen geht, kann Gottes Segen ja nicht schaden."

Michael Althaus
(KNA)

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