17.03.2017

Warnungen vor wachsendem Fachkräftemangel in der Pflege "Personal, Personal und noch mal Personal"

Kommende Woche trifft sich die gesamte Branche zum Deutschen Pflegetag in Berlin. Das wichtigste Thema: der anhaltende Fachkräftemangel in Heimen und Kliniken - bei gleichzeitig steigenden Zahlen von Pflegebedürftigen.

"Die wichtigsten Herausforderungen der Zukunft heißen: Personal, Personal und noch mal Personal." Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU), sieht die Pflege in Deutschland in einer schwierigen Situation. Auch der Präsident des Deutschen Pflegerates, Andreas Westerfellhaus, schlägt Alarm: "Die Politik hat viel zur Verbesserung für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen getan", sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) mit Blick auf die jüngsten drei Reformen der Pflegeversicherung. "Doch die Pflegenden stehen vor dem Kollaps. Die Politik hat die Leistungsträger vergessen."

Zuspitzende Situation

Dass sich die Situation zuspitzt, zeigt auch eine am Freitag bekanntgewordene Statistik: Die Pflegereformen haben seit Jahresbeginn zu einer massiven Zunahme der Anträge auf Leistungen der Pflegeversicherung geführt. "Wir hatten im Januar 2017 einen Anstieg der Anträge um ein Drittel im Vorjahresvergleich", sagte der Bundesgeschäftsführer des Medizinischen Dienstes der gesetzlichen Krankenkassen (MDK), Peter Pick, der "Augsburger Allgemeinen". Bislang waren Steigerungsraten um fünf Prozent üblich.

Für Laumann ist klar: "Mehr Pflegebedürftige heißt am Ende auch immer: Wir brauchen mehr Personal", sagt er. Die Regierung erwartet, dass durch die Reform "voraussichtlich 500.000 Menschen zusätzlich in den Anspruchsbereich der Pflegeversicherung kommen", so der Patientenbeauftragte. Langfristig wird die Zahl der Pflegebedürftigen noch weiter ansteigen, weil die geburtenstarken Jahrgänge langsam ins Rentenalter kommen.

Fachkräftemangel

Dem steht schon heute ein Fachkräftemangel gegenüber. Allein in der Altenpflege wird die Lücke auf rund 30.000 Kräfte geschätzt. Viele Pflegekräfte klagen über niedrige Bezahlung, schwierige Arbeitsbedingungen und ein schlechtes Image ihres Berufs. Im Jahr 2035 könnten in Pflege- und Gesundheitsberufen rund 270.000 Fachkräfte fehlen, heißt es in einer neuen Analyse des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB).

Ein wichtiger Hebel, um den Personalnotstand zu bekämpfen, sollte die Ausbildungsreform der Pflegeberufe sein. Schon vor einem Jahr hatten Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) und Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) den Gesetzentwurf durchs Kabinett gebracht, der eine Zusammenlegung der Ausbildungen in Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege vorsieht.

Doch das Projekt, das als großer Wurf angekündigt war, stockt. Vor allem innerhalb der Union gibt es Widerstand. Die Gegner argumentieren, dass eine generalistische Ausbildung zu einer Verflachung der Inhalte führen würde. Die Altenpflege gerate gegenüber der besser bezahlten Krankenpflege ins Hintertreffen. Der Druck auf die Altenpflege dürfte steigen, bessere Gehälter zu zahlen, damit Pflegende nicht ins Krankenhaus abwandern.

Politische Hängepartie

Befürworter wie Laumann und Westerfellhaus erhoffen sich von der Zusammenlegung, dass die Pflegeberufe attraktiver und Berufswechsel innerhalb der Branche erleichtert werden. Westerfellhaus ist richtig sauer. Beim Deutschen Pflegetag, dem Branchentreffen ab kommenden Donnerstag in Berlin, will er noch einmal den Druck auf die Politik erhöhen. Dass das Projekt nicht zur Abstimmung komme, sei "desaströs und schreit zum Himmel", schimpft er. Alles liege auf dem Tisch: "Doch die Abgeordneten ducken sich weg und beugen sich dem Druck von Interessengruppen."

Und langsam wird es eng. "Wenn der Gesetzentwurf bis Ende März nicht durchgeht, ist das Projekt für diese Legislaturperiode gescheitert", verweist Westerfellhaus auf ein enger werdendes Zeitfenster bis zur Bundestagswahl. Mit dieser Hängepartie verunsichere die Politik sowohl die Pflegeeinrichtungen als auch alle, die einen Pflegeberuf ergreifen wollten.

Eine Reform der Ausbildung reicht nach den Worten des Pflegerats-Chefs allerdings nicht aus. Notwendig seien auch eine attraktivere Bezahlung, Aufstiegsmöglichkeiten und klare Mindestpersonalgrenzen in Heimen und Krankenhäusern. Um die Attraktivität des Berufs zu steigern, brauchten die Pflegekräfte auch mehr Autonomie und Handlungsmöglichkeiten gegenüber den Ärzten, fordert Westerfellhaus. Auch das wird ein harter Kampf.

Christoph Arens
(KNA)

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