Kanzlerin Merkel eröffnet Neubau für Demenzforschung
Kanzlerin Merkel eröffnet Neubau für Demenzforschung

15.03.2017

Kanzlerin Merkel eröffnet Zentrum für Demenzforschung in Bonn An vorderster Front

Demenz gilt als neue Geißel der Menschheit. Viel menschliches Leid und enorme Kosten sind die Folge. Immer mehr Staaten verstärken deshalb ihre Forschung. In Bonn entstand ein bundesweites Leuchtturmprojekt.

Nicht kleckern, sondern klotzen: Demenzerkrankungen werden weltweit zu einem riesigen Problem, deswegen fließen neuerdings Millionen in ihre Erforschung. Bereits heute ist Demenz die fünfthäufigste Todesursache in den Industrieländern. Enormes menschliches Leid, aber auch riesige gesellschaftliche und wirtschaftliche Kosten sind die Folge. Die Therapie ist kostenintensiv, weil die Patienten über Jahre hinweg eine teure Versorgung benötigen.

Entsprechend wachsen die Investitionen, die Bund und Länder derzeit in die Erforschung von Alzheimer und Co sowie in die Versorgung der Patienten und ihrer Angehörigen stecken. Am Mittwoch hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Bonn "ein Leuchtturmprojekt" und "eine der modernsten Forschungseinrichtungen Europas" eröffnet: den Neubau des "Deutschen Zentrums für die Erforschung Neurodegenerativer Erkrankungen" (DZNE).

Fächerübergreifende Forschung

127 Millionen Euro haben sich Bund und Land NRW den aus drei organisch geformten Einzelkörpern bestehenden Neubau in der Nachbarschaft der Uni-Klinik kosten lassen. Auf einer Fläche von rund fünf Fußballfeldern sollen rund 500 Mediziner, Biologen, Genforscher und Pflegeexperten auf dem Venusberg hoch über der Bundesstadt fächerübergreifend forschen.

Bonn ist zugleich die Schaltzentrale eines Netzes von bundesweit neun DZNE-Standorten und 1.000 Mitarbeitern, die der Volkskrankheit das Handwerk legen wollen: durch Grundlagenforschung, klinische Forschung und die Suche nach neuen Medikamenten, Therapien und Behandlungsformen. Damit stellt Deutschland laut 2009 gegründetem DZNE die weltweit größte Forschungseinrichtung zur Erforschung der Demenz.

"Beispielhafte Verzahnung"

Die Physikerin Merkel, die mehrfach an ihre eigene Vergangenheit in der Grundlagenforschung erinnerte, lobte die fächerübergreifende Zusammenarbeit und die enge Verzahnung von Grundlagenforschung und Anwendungsforschung etwa für medizinische Behandlung und Pflege als beispielhaft.

Auch NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze betonte, die Bevölkerung werde von dieser Art der Wissenschaft schnell profitieren. "Es geht nicht nur darum, dass Menschen länger leben, sondern dass sie gut länger leben", fasste sie das Ziel des DZNE zusammen. So verweisen die Verantwortlichen auch darauf, dass in der Bundesstadt auch ein Informationszentrum entstehen soll, das bundesweit als Ansprechpartner für pflegende Angehörige neurodegenerativ erkrankter Patienten dient.

Merkel: Regierung will Engagement ausweiten 

Die Kanzlerin kündigte an, die Bundesregierung wolle ihr Engagement im Bereich der Gesundheitsforschung stark ausweiten. Deshalb solle für die Kinder- und Jugendmedizin ein ähnlicher Forschungsschwerpunkt aufgebaut werden. Auch in der Krebsforschung und beim Kampf gegen multiresistente Keime sollten die Mittel erhöht werden.

In der Bundesrepublik leben gegenwärtig fast 1,6 Millionen Demenzkranke, Tendenz steigend. Laut Prognosen erhöht sich die Zahl der Betroffenen bis 2050 infolge der Alterung der Bevölkerung auf rund 3 Millionen. Weltweit gibt es geschätzte 47 Millionen Erkrankte. Nicht zuletzt deshalb haben in den vergangenen Jahren immer mehr Staaten der Krankheit gezielt den Kampf angesagt - und sich dabei teilweise das deutsche Modell als Vorbild genommen: Frankreich war 2008 das erste Land mit einem nationalen Aktionsplan gegen Alzheimer.

Großbritannien verdoppelte seine Ausgaben für die Demenzforschung in den Jahren 2010 bis 2015 auf rund 77 Millionen Euro. Größter Geldgeber aber sind die USA: Das Jahresbudget der Gesundheitsbehörde NIH für Forschung an Alzheimer und Co wuchs 2015 auf etwa eine Milliarde US-Dollar.

Zusammenarbeit mit Partnern in der Region

Das DZNE in Bonn kann, darauf wies Schulze hin, mit zahlreichen Partnern in der gesamten Region zusammenarbeiten. In unmittelbarer Nähe des neuen Forschungsstandorts befinden sich die Universitätskliniken für Neurologie und Psychiatrie, die sich im Bereich neurodegenerativer Erkrankungen bereits heute durch eine exzellente Forschung und Patientenversorgung auszeichnen.

In Köln etwa ergänzen die Parkinson-Forschung und das Max-Planck-Institut für Biologe des Alterns das Wissen. Das Forschungszentrum Jülich hat neue Möglichkeiten der Bildgebung entwickelt, um Gehirnerkrankungen feststellen zu können.

Christoph Arens
(KNA)

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