Ein Herz für Stiftungen
Ein Herz für Stiftungen

04.02.2017

Ein Streifzug durch das Stiftungswesen in Deutschland Im Reich des Guten

Sie helfen Opfern von Straftaten, unterstützen den Pferdesport, engagieren sich in der Hospizarbeit und erhalten Baudenkmäler. Bunt geht es zu bei deutschen Stiftungen. Aber nicht immer transparent, meinen Kritiker.

Die Reise durch die deutsche Stiftungslandschaft beginnt abseits der großen Metropolen. Plittersdorf, ein Ortsteil von Bonn.

Der Turm der katholischen Sankt-Evergislus-Kirche ist schon von weitem am Rheinufer zu sehen. Hier, im Schatten des Gotteshauses, entstand vor über zehn Jahren die Idee zur Bürgerstiftung Rheinviertel. "Wir wollten den Sparkonzepten in der Jugendarbeit und der Altenpflege etwas entgegensetzen", erinnert sich Pfarrer Wolfgang Picken. Heute stellt er fest: "Die Rechnung ist aufgegangen."

Rund 1.200 ehrenamtliche Mitarbeiter engagieren sich

So stellte die Stiftung unter anderem einen ambulanten Palliativdienst auf die Beine, gab den Anstoß zur Gründung eines Kindergarten-Netzwerks. Inzwischen ist sie laut Picken zu einem "von Bürgern getragenen Sozialunternehmen" herangewachsen. Ein Teil ihrer Tätigkeiten wird aus den Erträgen des Stiftungsvermögens finanziert, aktuell rund acht Millionen Euro. Hinzu kommen Spenden und Schenkungen. Aber: "Es geht nicht nur um das Geld", betont Picken. "Wir möchten die Menschen anstiften, selbst aktiv zu werden." Rund 1.200 ehrenamtliche Mitarbeiter engagieren sich in der Initiative.

Am Stadtrand von Gütersloh residiert in einem lichtdurchfluteten Bau die Bertelsmann Stiftung. Sie gehört mit einem Vermögen von 1,1 Milliarden Euro zu den zehn größten Stiftungen in Deutschland. Wenn die Experten aus Gütersloh ihre Studien über Rückenleiden oder Kinderarmut veröffentlichen, dann ist Aufmerksamkeit quer durch die Republik garantiert: von den Fernsehnachrichten bis zur Tageszeitung.

Vermögen wird nicht angetastet

Zwischen Plittersdorf und Gütersloh, Kirchturm und gläsernem Bürokomplex hat sich eine bunte Stiftungslandschaft etabliert. Allein die Zahl der "rechtsfähigen Stiftungen bürgerlichen Rechts" beziffert der Bundesverband Deutscher Stiftungen auf 21.000. Hinzu kommen mindestens ebenso viele nicht rechtsfähige Treuhandstiftungen und die kirchlichen Stiftungen, deren Gesamtzahl auf rund 100.000 geschätzt wird.

Die Stiftungen tasten in der Regel ihr Vermögen nicht an, sondern setzen lediglich die aus dem Kapital erwirtschafteten Erträge für gemeinnützige Ziele ein. Viele Stiftungen, besonders im kirchlichen Bereich, sind bedeutende Sozialunternehmen, die ihre Arbeit aus ihrer Tätigkeit heraus finanzieren müssen.

Gemeinnützig, mildtätig oder kirchlich anerkannt

Nahezu alle dieser Stiftungen sind als gemeinnützig, mildtätig oder kirchlich anerkannt. Das bedeutet: Sie sind steuerbegünstigt. Im Gegenzug verzichten die Stifter auf einen Zugriff auf das von ihnen eingebrachte Vermögen. Warum? "Weil sie ihr zivilgesellschaftliches Engagement langfristig auf stabile Füße stellen wollen", heißt es beim Bundesverband Deutscher Stiftungen.

Gutes tun - davon lebt die Idee der Stiftung: Fast die Hälfte engagiert sich im sozialen Bereich, es folgen Bildung und Erziehung sowie Kunst und Kultur. Trotzdem gibt es Kritik. "Die Vorstellung, dass wir aus einem Volk der Dichter und Denker zu einem Volk der Stifter und Schenker werden könnten, bereitet mir erhebliche Bauchschmerzen", sagt etwa Politikwissenschaftler Christoph Butterwegge, Bundespräsidentschaftskandidat der Linken. "Ich persönlich möchte nicht, dass reiche Menschen durch den Einsatz ihrer finanziellen Mittel entscheiden, wohin sich die Gesellschaft als Ganzes entwickelt."

Begriff Stiftung nicht definiert

Gegen Butterwegges These spricht, dass fast zwei Drittel der Stiftungen ein Vermögen von unter einer Million Euro aufweisen, der "reiche Stifter" also eher die Ausnahme als die Regel ist. Und warum soll die Gesellschaft auf das Geld Vermögender verzichten? "Pharisäerhaft" findet Pfarrer Picken solche Debatten. "Wollen wir uns nur um die kümmern, die wir als bedürftig definieren, und denen, die Geld haben und sich sozial engagieren, sagen: 'Du darfst hier nicht mitmachen'?"

Natürlich sei es besser, wenn sich ein Wohlhabender mit seinem Vermögen für die Gesellschaft engagiere, "als wenn er gar nichts tut", räumt Butterwegge ein. Aber warum müsse dies dann steuerlich begünstigt werden? Ein weiterer Einwand des Wissenschaftlers: mangelnde Transparenz. Gesetzlich ist der Begriff Stiftung nicht definiert, ein zentrales Register gibt es nicht. "Jeder Betreiber einer Würstelbude muss mehr offenlegen als eine Stiftung", heißt es in einem soeben veröffentlichten Papier des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung WZB.

Beitrag zur demokratischen Debatte?

"In der Tat sind Stiftungen - ebenso wie Vereine - gesetzlich nicht verpflichtet, der Öffentlichkeit irgendwelche Auskünfte zu erteilen", sagt Rupert Graf Strachwitz, Direktor des Maecenata Instituts für Philanthropie und Zivilgesellschaft, einer außeruniversitären Forschungseinrichtung in Berlin. Freiwillige Selbstverpflichtungen hätten nichts gebracht, gesetzliche Regelungen seien notwendig.

Umstritten ist schließlich, welchen Einfluss große Stiftungen haben. "Natürlich sind sie auch als politische Akteure aktiv", sagt Christina Deckwirth von der Organisation LobbyControl und verweist auf die TTIP-Studien der Bertelsmann Stiftung. Sie stützten letzten Endes die Linie des Bertelsmann-Konzerns, der von dem umstrittenen Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA profitieren würde. Die Stiftung sehe ihre Arbeiten "als einen Beitrag zur demokratischen Debatte", entgegnet Stiftungssprecherin Katrin Wißen. "Dabei handelt es sich um Reformvorschläge und Impulse für Veränderung."

Dessen ungeachtet wird die Nachfrage ansteigen - und die Politik die Errichtung von Stiftungen weiter erleichtern, meint Berthold Theuffel-Werhahn, in Kassel ansässiger Leiter der Stiftungsberatung bei PricewaterhouseCoopers (PwC). Ein Grund: "Die öffentlichen Haushalte werden durch die Initiative Privater entlastet; so können diese ihre dringenderen Aufgaben für das Gemeinwohl besser erfüllen."

Fehlende Transparenz

Die Kritik an "großen" Stiftungen und fehlender Transparenz teilt Theuffel-Werhahn in dieser Form nicht: "Stiftungen werden in regelmäßigen Abständen von der Finanzverwaltung daraufhin überprüft, ob sie ihre steuerbegünstigten, satzungsgemäßen Zwecke tatsächlich erfüllen. Auch die Stiftungsaufsicht wacht unabhängig darüber."

Aus den Negativbeispielen vergangener Jahre habe man im Stiftungssektor viel gelernt, sowohl im Hinblick auf die eigene Governance, aber auch im Sinne einer deutlich größeren Transparenz. Diese sei aber kein Selbstzweck "und sollte es auch nie sein", so Theuffel-Werhahn. "Ebenso wenig gibt es Anlass, Stiftungen oder Stifter dann von Steuerbefreiungen auszuschließen, wenn sie - freiwillig! - mehr spenden, als andere es tun."

Joachim Heinz
(KNA)

Übertragungen in der Karwoche und Osterzeit

Von der Karwoche bis in die Osterzeit: Eine Übersicht unserer Live-Übertragungen.

Mit Schwester Katharina durch die Fastenzeit

Schwester Katharina Hartleib aus Olpe begleitet Sie mit spirituellen Impulsen durch die Fastenzeit.

Das neue Bischofsquartett

Endlich: Die aktualisierte neue Auflage des Bestsellers ist da! Ab sofort ist das neue Bischofsquartett bestellbar.

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Glockenkarte Kölner Dom

Verschicken Sie pünktlich zum Osterfest eine ganz besondere Grußkarte mit dem Geläut des Kölner Doms!

Team der Woche

Sie sind ein tolles Team? Sie tun etwas für andere Menschen? Dann werden Sie unser Team der Woche!

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 21.04.
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

  • Das leere Grab in der Kunst
  • Pessach und Ostern
  • Das leere Grab neutestamentliche Sichtweise
  • Fromme Pflanzen - Auferstehungspflanze
07:20 - 07:20 Uhr

WunderBar

07:50 - 07:55 Uhr

Wort des Bischofs

09:40 - 09:45 Uhr

Kirche2Go

11:00 - 18:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

11:00 - 18:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

12:40 - 12:45 Uhr

WunderBar

16:00 - 17:00 Uhr

DOMRADIO Kopfhörer

17:50 - 17:55 Uhr

Wort des Bischofs

11:00 - 18:00 Uhr

DOMRADIO Der Sonntag

18:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Menschen

19:00 - 20:00 Uhr

DOMRADIO Kopfhörer

20:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Musica

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Weihbischof Schwaderlapp beantwortet Glaubensfragen

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff