Obdachlose in Berlin
Obdachlose in Berlin
Obdachlosen-Schlafplatz im Freien
Obdachlosen-Schlafplatz in Hamburg

13.01.2017

Kölner Verein versorgt Obdachlose mit Schlafsäcken und heißen Getränken Wärmende Hilfe bei eisiger Kälte

In den nächsten Tagen sollen die Temperaturen in Köln unter null Grad fallen. Für Obdachlose wird es dann gefährlich. Der Verein "Helping Hands Cologne" bringt ihnen jeden Freitagabend Schlafsäcke und heiße Getränke. Ein domradio.de-Interview.

Der Verein "Helping Hands Cologne" veranstaltet sogenannte Kältegänge. Auch Nicole Freyaldenhoven und Charlotte Merz sind dabei. Wir haben kurz vor dem Kältegang an diesem Freitagabend mit ihnen gesprochen.

domradio.de: Was haben Sie bei Ihren Kältegängen dabei?

Charlotte Merz ("Helping Hands Cologne"): Wir sind mit vier Bollerwagen unterwegs, haben heiße Suppe dabei. Außerdem hat Nicole heute Nudeln mit Fleisch zubereitet. Und wir haben literweise heißes Wasser für Heißgetränke dabei. Außerdem Schlafsäcke und Isomatten - und unsere Motivation.

domradio.de: Wie sprechen Sie die Obdachlosen an?

Merz: Mittlerweile kennen uns die Obdachlosen. Die, die uns nicht kennen, die sprechen wir an, fragen, ob wir ihnen was anbieten können. Wer möchte, der nimmt unser Angebot wahr. Und die die uns kennen, warten jetzt gleich schon auf uns am Breslauer Platz. 

domradio.de: Fragen die Obdachlosen auch selbst nach bestimmten Sachen?

Merz: Ja, das kommt schonmal vor. Einige haben auch meine Telefonnummer und wenn jemand Neues dabei ist, dann bekomme ich auch mal eine Nachricht: 'Hier ist jemand neu, wir brauchen einen Schlafsack. Kannst du den am Freitag mitbringen?'

domradio.de: Gibt es auch Menschen, die die Hilfe nicht annehmen?

Nicole Freyaldenhoven ("Helping Hands Cologne"): Das ist häufig bei Frauen so. Die sind, wenn wir abends um 10 oder 11 Uhr bei ihnen vorbeikommen, häufig auch sehr unwirsch. Ich glaube aber, dass das auch zum Schutz ist - um Leute auf Abstand zu halten. Nicht jeder meint es gut, wenn er vorbeikommt und einen schönen Abend wünscht und etwas zu essen anbietet. Ich denke, dass die Frauen da schon entsprechende Erfahrungen gemacht haben und deshalb von vornherein abblocken, um sich gar nicht in eine gefährliche Situation zu bringen.

domradio.de: Es gibt Notunterkünfte. Warum nehmen dieses Angebot offenbar viele nicht wahr?

Merz: Wir haben in Köln knapp 6.000 Obdachlose und die Notunterkünfte reichen nicht. So viele Betten kann Köln gar nicht anbieten. Auch wenn auf Hotels ausgewichen wird und die Winterhilfe erweitert wird: Es ist im Endeffekt nur ein Tropfen auf den heißen Stein. 

Freyaldenhoven: Wir sprechen im Moment von vielleicht 250 Betten.

domradio.de: Wo sind denn die 6.000 Obdachlosen?

Merz: Obdachlos ist man ja nicht nur, wenn man auf der Straße lebt. Obdachlos ist man auch, wenn man Couchhopping bei Bekannten macht oder wenn man keinen festen gemeldeten Wohnsitz hat. In Köln schlafen aber mit Sicherheit 400 oder 500 Menschen auf der Straße.

domradio.de: Wie kann man Sie konkret unterstützen, wenn man sagt: Ich trau mich vielleicht nicht, mitzugehen, aber ich möchte die Arbeit unterstützen?

Merz: Wir brauchen immer Sachspenden: Schlafsäcke und Isomatten zum Beispiel. Wir brauchen aber auch Suppenschalen und Einwegbesteck. Wer mag, kann aber gerne auch einen Kältegang begleiten. Denn es ist gar nicht so schlimm, auf einen Obdachlosen zuzugehen, wie man vielleicht meint. Über unsere Facebook-Seite kann man sich gerne bei uns melden.

Freyaldenhoven: Es gibt auch immer neue Ideen, von denjenigen, die das erste Mal dabei sind. Wir sind oft schon ein bisschen betriebsblind.

Das Interview führte Silvia Ochlast.

(DR)

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