Fairer Handel
Fairer Handel

25.08.2016

Fair gehandelte Produkte weiter im Aufwärtstrend Mehr als Kaffee und Südfrüchte

Am Anfang waren es die "Dritte-Welt-Läden" und Aktionsstände christlicher Hilfswerke wie Misereor oder Brot für die Welt. Inzwischen haben fair gehandelte Produkte auch die Discounter erreicht. Auch die Zahl der Angebote ist vielfältiger geworden.

Die Jute-Tasche aus Bangladesch, der fair gehandelte Kaffee aus Nicaragua: In den 1970er und 80er Jahren waren sie Zeichen für einen bewussteren Konsum und eine faire Bezahlung der Produzenten in Entwicklungsländern. Käufer waren vor allem Studenten und Linksalternative und viele Christen - schließlich wurden die Waren in vielen kirchlich organisierten Läden verkauft. Das hat sich in den vergangenen Jahren rapide geändert. Längst sind fair gehandelte Produkte aus Entwicklungsländern zu einer Wirtschaftsgröße geworden. Und Käufer sind in allen Schichten zu finden.

Auch jetzt meldet das Forum Fairer Handel mit 1,14 Milliarden Euro einen Rekordumsatz. 14 Euro hat jeder deutsche Verbraucher im vergangenen Jahr für diese Produkte ausgegeben und damit nach Angaben des Verbands dazu beigetragen, dass die Produzenten unter menschenwürdigen Bedingungen arbeiten können und Umweltressourcen geschont werden. Zum Vergleich: 2005 lag der Umsatz bei 121 Millionen und statt durchschnittlich 14 Euro waren es 1,2 Euro, die der Bundesbürger dafür jährlich ausgab.

Seit 2010 Umsatz annähernd verdreifacht

Eine Ursache dafür seien neue Käufergruppen, die zu fair gehandelten Produkten griffen, erklärte der Geschäftsführer des Forums Fairer Handel in Deutschland, Manuel Blendin, am Donnerstag in Berlin. Auch gegenüber 2010 habe sich der Umsatz annähernd verdreifacht.

Insgesamt griffen den Angaben zufolge 61 Prozent der Verbraucher zu fairen Produkten; 2013 waren es noch 49 Prozent. Waren dies in der Vergangenheit überwiegend Menschen mit höheren Einkommen und Bildungsabschlüssen, gibt es inzwischen auch deutlich mehr Käufer mit niedrigeren Einkommen und Bildungsabschlüssen. Laut einer Verbraucherbefragung im Auftrag des Forums Fairer Handel geben mittlerweile 54 Prozent (2013: 33 Prozent) der Verbraucher mit Hauptschulabschluss Geld auch für faire Produkte aus und immerhin 42 Prozent der Käufer (2013: 36 Prozent), die unter 1.000 Euro verdienen, greifen zumindest gelegentlich dazu.

Kaffee, Südfrüchte, Blumen und Textilien

"Der Faire Handel ist im Alltag der Deutschen angekommen", so Blendel. Er sei aber auch insgesamt im Aufwind. Lebensmittel machen danach mit 79 Prozent immer noch den größten Anteil der fair gehandelten Produkte aus. Immerhin 80 Prozent davon kommen aus kontrolliert biologischem Anbau. Vor allem bei Kaffee (35 Prozent des Gesamtumsatzes von fair gehandelten Produkten) und Südfrüchten (11 Prozent) griffen die Konsumenten gerne zu. Danach folgten Blumen (10 Prozent) und Textilien (7 Prozent).

Dabei spielt der Umsatz in den Weltläden und an Aktionsständen nur noch eine untergeordnete Rolle. Fair gehandelten Kaffee, Kekse oder Schokolade gibt es inzwischen auch im Discounter nebenan.

"Mensch. Macht. Handel. Fair."

Im europaweiten Vergleich ist Deutschland trotzdem nicht Spitze und hinkt etwa Ländern wie Großbritannien und der Schweiz deutlich hinterher. So gaben die Schweizer 2015 viermal so viel für diese Produkte aus.

Ein großes Manko sieht das Forum Fairer Handel zudem bei der Transparenz der Lieferketten vieler Unternehmen. Da gebe es noch viel zu tun, so Blendin. Mit seiner Kampagne "Mensch. Macht. Handel. Fair." setzt sich der Verband für verbindliche Menschen- und Arbeitsrechte weltweit ein. Der von der Bundesregierung geplante Nationale Aktionsplan für Wirtschaft und Menschenrechte (NAP) dürfe kein zahnloser Tiger werden.

Verbindlichen Forderungen vom Finanzministerium

Beim ersten Entwurf dieses Plans, den das Auswärtige Amt im Juni vorlegte, seien alle verbindlichen Forderungen vom Finanzministerium gestrichen worden, kritisiert Blendin. Dabei habe die Bundesregierung mit einem solchen Aktionsplan die Chance, endlich gesetzliche Regelungen zur menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht im globalen Geschäftsverkehr zu beschließen. Da müsse jetzt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) endlich Farbe bekennen.

 

Birgit Wilke
(KNA)

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