Hertha-Profi Ibisevic: "Fußball bringt Leute zusammen"
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Diese Fans beziehen klar Stellung zur Diskussion um Boateng
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07.06.2016

Fußball als Integrationshelfer bei Profis und Amateuren Hauptsache, der Pass kommt an

Boateng, Özil und Co. vertreten Deutschland bei der EM, Millionen weitere Fußballer mit internationalen Wurzeln spielen in deutschen Vereinen. Die Sprache "Fußball" hat eine immense Integrationskraft.

"Auf dem Platz zählt nicht der Pass, sondern ob der Pass ankommt", so bringt es der Präsident des Bonner SC, Dirk Mazurkiewiczs, auf den Punkt. Der Fußball rollt rund um den Globus, und Deutschland liebt den Sport. Beste Voraussetzung für eine große Integrationskraft - ob auf dem Ascheplatz oder im Bundesligastadion.

Auch die deutsche Nationalmannschaft ist ein gutes Beispiel für die Eingliederung von Spielern mit internationalem Hintergrund. Vor dem Testspiel gegen Serbien zeigte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) erstmals seinen neuen Integrationsspot: "Wir sind Vielfalt" heißt der 30-sekündige Clip, in dem Porträts der Nationalspieler in fließenden Übergang gezeigt werden. Da wird aus Emre Can Julian Draxler und Thomas Müller "morpht" zu Shkodran Mustafi. Ein Zeichen zum passenden Zeitpunkt, wo zweifelhafte Aussagen über Jerome Boateng und Mesut Özil sowie Kritik an Kinderbildern von Ilkay Gündogan auf Schokoladen-Verpackungen ins verbale Abseits führen.

"Fußball überwindet Sprachbarrieren"

Seit Jahren engagiert sich der DFB für Toleranz und Offenheit. So haben Fans noch den Spot über die Grillparty der Familien der Euro-2008-Spieler vor Augen: Gerald Asamoahs Mutter, das Ehepaar Mertesacker und auch Mama Metzelder treffen sich zum sommerlichen EM-Gucken. Das Leder verbindet.

Der Fußball sei eine "Sprache", die jede Sprachbarriere leicht überwinde, sagt Wolfgang Watzke, Geschäftsführer der DFB-Stiftung Egidius Braun, die 2015 die Flüchtlingsinitiative "1:0 für ein Willkommen" startete. Hierbei werden Vereine mit einer Starthilfe von 500 Euro bedacht, wenn sie sich um die Eingliederung Schutzbedürftiger kümmern.

"Motivierende Momente nach harten Zeiten"

2.214 Mal bewilligte die Stiftung bislang eigenen Angaben zufolge Hilfen. Der 2.000. Verein ist der Bonner SC. Präsident Mazurkiewiczs erklärte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), es gehe nicht nur darum, dass Flüchtlinge mitkicken. "Wir laden Schutzsuchende als Zuschauer ein und versuchen über unsere Partner Spenden zu besorgen." Für einen leistungsbezogenen Klub wie die Bonner Löwen sei es zudem kaum möglich, viele Leute mitspielen zu lassen; eine Flüchtlingsteam könne man nicht einfach aufmachen. Aber vier Geflüchtete spielten bereits in der zweiten Mannschaft.

"Es ist sehr schön zu beobachten, wie die Spieler nach harten Zeiten, die sie durchgemacht haben, wieder motivierende Momente erleben", so Mazurkiewiczs: Tore und Meisterfeiern für die Integration. Doch auch neben dem Platz knüpfen sie Kontakte durch das Team. 

DFB als Integrationshelfer

Fußball sei immer sein Weg, "um Leute kennenzulernen und mich in die Gesellschaft zu integrieren", sagt auch Vedad Ibisevic. Im Interview mit Spiegel Online erklärt der Profi von Hertha BSC Berlin, ein großer Vorteil des Fußballs sei, dass man ihn nicht allein spielen könne - der Sport bringe Leute zusammen. "Und vielleicht hilft es den Flüchtlingen, so die Hoffnung nicht zu verlieren. Im Leben ist es wie im Fußball: Auf schlechte Zeiten folgen gute Zeiten."

Der DFB ist einem Sprecher zufolge mit seinen knapp 6,9 Millionen Mitgliedern schon lange ein Integrationshelfer: Der Verband habe überproportional viele Spieler mit ausländischen Wurzeln. Außerdem verleihe er den höchstdotierten Integrationspreis in Deutschland. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) weiß um den Sport als Integrationsmotor. "Er baut Berührungsängste ab und bringt Menschen zusammen", sagte sie beim Jubiläum des Deutschen Olympischen Sportbundes im Mai.

Neue Perspektiven für einheimische Kinder

Für viele junge Kicker hierzulande ist es selbstverständlich, Stollenschuhe zu schnüren und ein Trikot überzustreifen. Zum ersten Training kommen Flüchtlinge oft aber in Straßenschuhen und T-Shirt. "Wir haben die Eltern im Verein um alte Fußballschuhe und Sportkleidung gebeten", sagt Alexander Decker, Jugendtrainer beim 1. FAV Bad Münstereifel. Allein in seiner Mannschaft seien vier Schutzsuchende dabei - aus Syrien und Afghanistan.

Die neuen Jungs haben laut Decker schnell Freunde gefunden. Zudem sei aber auch wichtig: "Die einheimischen Kinder haben durch die persönlichen Erzählungen der Flüchtlingsgeschichten eine ganz neue, fremdenfreundliche Sichtweise entdeckt und gehen anders durch den Alltag." Jetzt freue man sich auf die EM - mit der kompletten "Vereinsfamilie".

Rainer Nolte
(KNA)

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