In einem Alten- und Pflegeheim
In einem Alten- und Pflegeheim
Bundesgesundheitsminister Herrmann Gröhe
Bundesgesundheitsminister Herrmann Gröhe

02.06.2016

Mehr als die Hälfte der Pflegeheime mit Mängeln Nahrungsversorgung und Schmerzbehandlung: mangelhaft

Von den 13.000 Pflegeheimen in Deutschland fallen nach Medienberichten 60 Prozent bei den jährlichen Qualitätsprüfungen der Krankenkassen negativ auf. Dabei geht es vor allem um den medizinischen Teil der Pflege.

Der medizinische Teil umschließt etwa die Versorgung mit Nahrung, Schmerzbehandlung oder die Vorsorge für Bettlägerige, wie eine Datenauswertung des Essener Recherchezentrums "Correctiv", des NDR und der Tageszeitung "Die Welt" (Freitagsausgabe) ergab. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz sprach sich in diesem Zusammenhang für Schwerpunkt-Noten für Pflegeheime bis zu einer Reform des Pflege-TÜVs aus.

Mehr als die Hälfte der Pflegeheime versorgt den Recherchen zufolge die Menschen nicht korrekt mit Medikamenten, mehr als 30 Prozent nicht vorschriftsmäßig mit Nahrung und Flüssigkeit. Bei der Personalausstattung ergab die Analyse auch größere Unterschiede zwischen den Bundesländern. In Bremen arbeiten den Angaben zufolge fast 80 Prozent der Pflegekräfte in Teilzeit, im Saarland nur knapp 40 Prozent. Im Saale-Orla-Kreis in Thüringen sind den Angaben zufolge sogar 90 Prozent der Pflegekräfte in Teilzeit beschäftigt.

Daten aller Pflegeheim ausgewertet

Reporter und Programmierer haben laut "Correctiv" in den vergangenen 18 Monaten die Daten aller deutschen Pflegeheime sowie Informationen zu allen Landkreisen und Städten ausgewertet. Zudem lösten die Journalisten aus den "Pflegenoten" der Qualitätsprüfer der Krankenkassen die medizinisch relevanten Teile heraus, hieß es weiter. Dadurch seien die wenig aussagekräftigen Kriterien aussortiert worden.

Der sogenannte Pflege-TÜV steht seit Langem wegen seiner geringen Aussagekraft und zu positiven Noten in der Kritik. Mit der zweiten Stufe der Pflegereform wurde eine Neuregelung beschlossen. Die neuen Pflegenoten werden von einem Pflegequalitätsausschuss entwickelt, in dem Pflegekassen, Einrichtungsträger sowie Vertreter von Pflegebedürftigen und Mitarbeitern vertreten sind. Er soll am kommenden Mittwoch seine Arbeit aufnehmen. 2018 soll es dann ein neues Benotungssysteme für Heime und 2019 auch für ambulante Dienste geben.

Stiftung Patientenschutz für Schwerpunkt-noten

Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, warb für die Erstellung von Schwerpunkt-Noten aus den bisher vorliegenden Daten, "um bis zur Reform ein halbwegs sinnvolles Instrument zur Bewertung einer Einrichtung zu haben". "In der jetzigen Form sind die Ergebnisse wertlos", sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Dortmund. Das Recherchezentrum "Correctiv" habe mit den vorliegenden Analysen aber gezeigt, dass solche Schwerpunktsetzungen möglich seien.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) drang dagegen auf eine komplette Neuregelung. "Nötig ist ein Neustart, keine Behelfslösung", sagte der Minister den Zeitungen der Essener Funke Mediengruppe (Freitagsausgaben). Er pochte auch auf eine Einhaltung des Zeitplans für die Reform. "Wir brauchen endlich einen Pflege-TÜV, der seinen Namen auch verdient. Deshalb machen wir Druck, damit die Pflegeselbstverwaltung den Fahrplan strikt einhält."

Pflegebedürftige und ihre Angehörigen benötigen laut Gröhe gut verständliche und belastbare Informationen, an denen sie die Qualität von Pflege und Betreuung vergleichen könnten. Dafür seien die bislang vorliegenden Daten aus den Pflegeeinrichtungen nicht ausreichend. "Denn es geht darum, dass Qualität nicht nur dokumentiert wird, sondern auch bei den Pflegebedürftigen ankommt", sagte Gröhe.

(epd)

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