Verstärkte Polizeipräsenz vor dem Kölner Hauptbahnhof
Verstärkte Polizeipräsenz vor dem Kölner Hauptbahnhof

07.01.2016

Polizeipfarrerin wirbt um Verständnis für Einsatzkräfte Spielball der Politik

Die Kölner Polizeipfarrerin Monika Weinmann hat nach den Vorfällen an Silvester um Verständnis für die Einsatzkräfte geworben. "Die Polizisten fühlen sich hier wie auch an anderen Stellen als Spielball der Politik.", sagte sie in Köln.

Polizistinnen und Polizisten seien diejenigen, die den Kopf für gesellschaftliche Fehlentwicklungen hinhalten müssten, ergänzte Weinmann gegenüber der Katholischen Nachrichtenagentur weiter. "Das muss politische Konsequenzen haben und betrifft weniger den einzelnen Polizeibeamten auf der Straße."

Integration solle wieder in den Mittelpunkt rücken

Jetzt sollte die Frage nach einer gelingenden Integration in den Mittelpunkt gerückt werden, nicht aber die Polizei, so die evangelische Pfarrerin. Zudem brauche es dringend eine Verständigung über die hier geltenden Werte, Normen und Verhaltensweisen, die es dann konsequent zu schützen gelte.

Polizisten klagten häufig über Personalabbau und Überbelastungen, sagte Weinmann weiter. "Wenn solche Krisensituationen auftreten, gibt es wenig Kapazitäten, die Polizeipräsenz spontan zu verstärken." Bis jetzt habe sich noch kein Polizist an sie als Seelsorgerin gewandt. In der Regel würden solche Ereignisse zunächst intern taktisch nachbereitet.

Ballung bestehender Probleme

Letztlich stellten die Vorfälle eine Ballung bestehender Probleme dar, so die Seelsorgerin. "Respektlosigkeit gegenüber Beamten oder Nicht-Anerkennung des deutschen Rechtsstaats in Gestalt des Polizisten ist kein neues Phänomen der Silvesternacht, sondern das kennen die Polizisten." Das gelte gerade für die Konfrontation mit Männern aus anderen Kulturkreisen. "Vor allem Polizistinnen haben es noch schwerer, Respekt zu bekommen von dieser Klientel", sagte Weinmann. Hier helfe nicht einmal die Uniform, bestehende Geschlechterbilder außer Kraft zu setzen.

Weiter forderte die Seelsorgerin Maßnahmen gegen organisierte Kriminalität und zur Durchsetzung zügiger Abschiebung bei Straftaten und härterer Strafen für Täter. "Genauso wichtig ist eine Integrationspolitik, die Menschen die Möglichkeit gibt, an Bildung teilzuhaben und Heimat zu finden."

Sorge um Sicherheit der Polizisten an den Karnevalstagen

Den Karnevalstagen blickt die Polizeiseelsorgerin nach eigenen Worten besorgt entgegen. "Mein katholischer Kollege Rainer Dürscheid und ich haben die Vermutung, dass Karneval für die Polizei eine ganz schwierige Einsatzlage wird", erklärte die Pfarrerin. Sicher würden alle Einsatzkräfte zusammengezogen, um die Polizeipräsenz deutlich zu erhöhen. Ebenso werde die Videoüberwachung verstärkt. "Die polizeiinterne Vorbereitung wird auf Hochtouren laufen bis Karneval."

(KNA)

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