Aufbau einer Flüchtlingsunterkunft
Aufbau einer Flüchtlingsunterkunft
Flüchtlinge in einer Turnhalle
Flüchtlinge in einer Turnhalle

14.07.2015

Flüchtlingsrat und Caritas fordern «menschenwürdige Unterbringung» von Flüchtlingen "Mehr Planung statt Krisenmanagement"

Zelte, Container, Turnhallen - Flüchtlinge, die einen Antrag auf Asyl stellen wollen und in NRW untergebracht werden, landen in Sammelunterkünften. Doch diese sind völlig überfüllt. Und die Kommunen überfordert.

Die Zahl der Flüchtlinge, die nach Nordrhein-Westfalen kommen, steigt deutlich. Waren es 2014 schon über 40.000, waren es im ersten Quartal 2015 bereits knapp 22.000. Der Streit über die Art der Unterbringung der Menschen wird lauter.

Menschenunwürdige Zustände

Dicht an dicht gestellte Klappbetten in großen Turnhallen sind nicht schön und machen zudem den Sportunterricht bis auf weiteres unmöglich, aber sie bieten den immer zahlreicher werdenden Menschen ein Dach über den Kopf und sind vielleicht das geringere Übel nach der Flucht - das sagen die einen. Die anderen - dies sind etwa die Caritas Essen und der Flüchtlingsrat NRW - sprechen von menschenunwürdigen Zuständen.

Eine Unterbringung der Asylsuchenden in Zelten, Turnhallen oder Containern sei "äußerst unangemessen und unwürdig" und dürfe "nur in absoluten Notfällen Anwendung" finden, erklärt der Flüchtlingsrat. Auch eine Unterbringung in Containern direkt auf einem Friedhofsgelände wie in Bochum geplant, dürfe "nicht gewählt werden", sagt die Sprecherin des Flüchtlingsrates NRW, Birgit Naujoks, dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Kirche statt Containerdorf

Das Bochumer Vorhaben, ein Containerdorf für Flüchtlinge auf einer Friedhofswiese zu errichten, geht vielen Aktiven in der Flüchtlingsarbeit in NRW zu weit. "Das ist makaber und eigentlich nicht hinnehmbar für Menschen, die aus Todesangst aus ihrer Heimat geflohen sind", sagt Alexander Wirsel aus Köln. Eine ehrenamtliche Flüchtlingsberaterin aus Düsseldorf schlägt vor, "leerstehende und nicht mehr für Gottesdienste genutzte Kirchen" als Flüchtlingsunterkünfte herzurichten.

Die Sprecherin des Flüchtlingsrats kritisiert, dass es im bevölkerungsreichsten Bundesland auf Landes- wie auf kommunaler Ebene "erhebliche Probleme" bei der Unterbringung von Flüchtlingen gebe. Alle diese Notbehelfe stellten nur den verwaltungsmäßigen Ablauf, die Vermeidung von Obdachlosigkeit in den Vordergrund und berücksichtigten nicht die Bedarfslagen der schutzsuchenden Flüchtlinge.

Langfristige Planung nötig

Die Expertin wirft der rot-grünen Landesregierung vor, trotz zweier "Flüchtlings-Gipfel" seit Jahren sich nur um akutes Krisenmanagement zu kümmern. Das reiche bei weitem nicht aus. Auch Naujoks spricht sich zwar für kurzfristige Lösungen aus. "Daneben muss aber auch eine mittel- und langfristige Planung zur strukturellen Verbesserung erfolgen."

Der Ausbruch von Windpocken in mehreren Einrichtungen und die mehrfache Verhängung eines Aufnahmestopps der Dortmunder Erstaufnahmeeinrichtung wegen Überfüllung verschärfen die ohnehin angespannte Situation.

Caritas: Kirchen können mehr tun

Auch der Caritasverband im Ruhrbistum Essen mahnte eine "menschenwürdige Unterbringung" von Flüchtlingen im Ruhrgebiet an. Angesichts der Möglichkeiten, die es eigentlich gebe, seien Container, Klassenräume, Hallen oder Zelte "keine guten Alternativen für die Menschen, die hier ankommen", erklärte Diözesan-Caritasdirektor Andreas Meiwes. Er plädiert für die Nutzung freier öffentlicher und privater Wohnungen für Flüchtlingsfamilien. Dann würden schneller Plätze in den Gemeinschaftsunterkünften frei. "Privatleute, öffentliche Hand aber auch Kirchen können hier noch mehr tun."

Der Flüchtlingsrat NRW kritisiert die Kommunen, weil die hygienischen Bedingungen in nicht wenigen der Notaufnahmestellen für Flüchtlinge "unerträglich" seien. Auch die Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe hatte jüngst betont, dass man in den Unterkünften "noch weit entfernt" sei von guten Standards bei Unterbringung und Versorgung. Ehrenamtliche Helfer in einem Flüchtlingsheim, einer ehemaligen Schule, in Düsseldorf berichten von einem "miserablen Zustand" im Toiletten- und Küchenbereich.

Krankenhäuser, Klöster, Kasernen

Unterdessen wurden in NRW in Linnich im Kreis Düren zum ersten Mal Flüchtlinge in Zelten des Katastrophenschutzes untergebracht. Ein ähnliches Vorhaben unter der Leitung des Deutschen Roten Kreuzes war in Duisburg im vergangenen Jahr nach Protest von Flüchtlingsorganisationen abgebrochen worden; die erwarteten Flüchtlinge konnten stattdessen in einem leerstehenden Krankenhaus untergebracht werden.

Sobald nun in Linnich die Auflagen des Brandschutzes erfüllt sind, sollen die Flüchtlinge aus der Zeltstadt in einer ehemaligen Polizeischule einquartiert werden. In anderen Städten und Gemeinden von NRW, die zur Unterbringung der Flüchtlinge verpflichtet sind, haben die Asylsuchenden Platz in ehemaligen Finanzämtern (Düsseldorf, Brilon, Solingen), Krankenhäusern (Duisburg, Neuss), Polizeidienststellen, ehemaligen Jugendherbergen, Klöstern (Köln, Brilon), früheren Kasernen der Rheinarmee (Mönchengladbach), ehemaligen Mannschaftsquartieren der britischen Soldaten am Flughafen Weeze und Unterkünften auf einem ehemaligen KZ-Außenlager (Schwerte) gefunden.

In Duisburg herrscht nach wie vor großer Mangel an geeigneten Unterkünften. Stadtdirektor und Sozialdezernent Reinhold Spaniel sagte kürzlich, dass angesichts des anhaltenden Zustroms von Flüchtlingen in die Reviermetropole in den nächsten Monaten weitere Standorte für Flüchtlingsunterkünfte "ohne Tabus" geprüft werden müssten.

Andreas Rehnolt
(epd)

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