Zerstörung in Kathmandu
Zerstörung in Kathmandu

06.05.2015

Bislang mehr als 27 Millionen Euro für Nepal Emotionale Fernsehbilder, viele Spenden

Zerstörung, soweit das Auge reicht. Weinende Menschen trauern um Angehörige und graben in Gesteinsbrocken nach Habseligkeiten. Erschütternde Bilder aus dem Erdbebengebiet in Nepal lösen Anteilnahme aus - und viele Menschen in Deutschland spenden.

Es ist eine Welle der Solidarität mit den Ärmsten: Das Erdbeben in Nepal hat eine große Spendenbereitschaft in Deutschland ausgelöst. Bei acht großen Hilfswerken und Aktions-Bündnissen gingen anderthalb Wochen nach der Katastrophe vom 25. April insgesamt über 27 Millionen Euro ein, wie eine epd-Umfrage am Mittwoch ergab. Alle Organisationen meldeten eine täglich steigende Tendenz, auch dank der bewegenden Fernsehbilder aus einem Land, das viele Deutschen als Urlaubsland schätzen oder gerne einmal bereisen würden.

"Die Bundesbürger nehmen großen Anteil am Schicksal der Menschen in Nepal", sagte Svenja Koch vom evangelischen Hilfswerk Diakonie Katastrophenhilfe, das zwei Millionen Euro für die Erdbebenhilfe erhielt. Die katholische Caritas international freut sich über 3,3 Millionen Euro, wovon eine Million das Erzbistum Freiburg beisteuerte. "Angesichts der schwierigen Lage im Katastrophengebiet sind wir dringend auf weitere Unterstützung angewiesen", betonte Sprecher Holger Vieth.

Viele Kinder und Arme brauchen Hilfe

Die "Aktion Deutschland Hilft" verbuchte 9,9 Millionen Euro Nepal-Spenden, die auf 24 Mitgliedsorganisationen aufgeteilt werden, darunter World Vision, Care, Johanniter Unfallhilfe, Malteser Hilfsdienst und der Bundesverband Rettungshunde. Auch Unicef Deutschland ist sehr angetan von der großen Hilfsbereitschaft, die sich durch 3,5 Millionen Euro Nepal-Spenden ausdrückt. Unternehmen und ehrenamtliche Unicef-Mitarbeiter beteiligten sich rege, sagte Sprecherin Ninja Charbonneau. "Aber der Bedarf ist auch enorm: 1,7 Millionen Kinder im Erdbebengebiet brauchen Hilfe."

Marc Groß von der Deutschen Welthungerhilfe führt die Solidarität auch darauf zurück, dass das Erdbeben die Ärmsten der Armen vor allem auf dem Land getroffen hat. Unter den 800 000 Euro Spenden seien viele online gekommen. "Ärzte ohne Grenzen" erhielt 2,3 Millionen Euro Spenden, von denen 800 000 Euro mit dem Stichwort Nepal versehen waren. Die Nothilfeorganisation rät aber von zweckgebundenen Spenden für ein bestimmtes Land oder eine Katastrophe generell ab. Die Organisation möchte helfen, wo die Not am größten ist, auch wenn dort keine Fernsehkameras sind. "Unsere geplante Nothilfe in Nepal ist finanziert", sagte Sprecher Stefan Dold und verwies auf das vorläufige Budget des internationalen Netzwerks von "Ärzte ohne Grenzen" in Höhe von 6,7 Millionen Euro.

Katastrophe in Nepal ist für Spender greifbar

"Die Hilfsbereitschaft ist sehr groß, wie oft bei Naturkatastrophen", sagte Dieter Schütz, Pressesprecher des Deutschen Roten Kreuzes, das drei Millionen Euro Nepal-Spenden erhielt. Zudem gebe es seit dem ersten Tag dramatische emotionale Fernsehbilder aus dem Erdbebengebiet. Dagegen seien die Spenden für Hilfen in den Ebola-Gebieten in Westafrika und im syrischen Bürgerkrieg sehr verhalten, bedauerte Schütz. Ein unsichtbares Virus wie Ebola sei vielen Menschen unheimlich und abschreckend. Da seien in mehreren Monaten nur 1,5 Millionen Euro gespendet worden. Und in Bürgerkriegen wisse man nicht, wer die Guten und wer die Bösen seien.

Der Spenden-Experte Burkhard Wilke befürchtet, dass die Hilfsbereitschaft für Nepal mit nachlassendem Medieninteresse schnell wieder abflauen könnte. Spendern rät er, auf kompetente, seriöse und transparente Organisationen zu setzen, die bereits Erfahrung in Nepal haben und Augenmaß und Ehrlichkeit erkennen lassen: "Und nicht nur dem Scheinwerferlicht hinterherjagen", sagte Wilke, der das Deutsche Institut für soziale Fragen leitet. Ein Kriterium seien das von seinem Institut vergebene DZI-Spendensiegel oder Jahresberichte im Internet. Spendenempfehlungen in sozialen Netzwerken sollte man nicht ungeprüft folgen.

(epd)

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