Maikundgebung in Essen
Maikundgebung in Essen

01.05.2015

Kirche und Caritas zum Tag der Arbeit Den Menschen in den Mittelpunkt rücken

Zum 1. Mai hat der Freiburger Erzbischof Stephan Burger den Leistungsdruck in der Arbeitswelt kritisiert. Die Caritas im Erzbistum Köln fordert mehr politischen Einsatz für langzeitarbeitslose Menschen.

"Wer nicht mehr die entsprechende Leistung bringt, wer physisch oder psychisch angeschlagen ist, steht in Gefahr, hinausgedrängt zu werden", schreibt Bischof Burger in einem Gastbeitrag für die Wochenzeitung "Konradsblatt" (Sonntag). Er bedauere die Erfahrung vieler Arbeitnehmer, "dass es in den Unternehmen nicht um sie als Mensch, sondern allein um ihre Arbeitskraft geht".

Wirtschaft müsse es vor allem ermöglichen, "dass Menschen ihr Leben durch eigene Arbeit in Freiheit und Würde gestalten können", so der Erzbischof weiter. Dafür stehe die katholische Soziallehre. Der 1. Mai könne in Erinnerung rufen, dass in einer arbeitsteiligen Gesellschaft "jeder auch für den anderen tätig ist, dass wir von wechselseitiger Unterstützung und gegenseitiger Ergänzung leben".

Dass es bei der Kirche kein Streikrecht gibt, hat nach den Worten Burgers "eben genau damit zu tun, dass der kirchliche Dienst unter dem Leitbild der Dienstgemeinschaft steht". Diese Gemeinschaft sei "so sehr durch das Miteinander im Dienst Gottes und seines Auftrags an die Kirche geprägt, dass die Gemeinsamkeit des Ziels und der Aufgabe es ausschließen, durch offenen Druck gegeneinander die Änderung der Arbeitsbedingungen erstreben zu wollen".
Die katholische Kirche feiert am 1. Mai den heiligen Josef, den Arbeiter. Das ist nach Überzeugung des Freiburger Erzbischofs "eine gute Gelegenheit, über die besondere Bedeutung der Arbeit für den Menschen nachzudenken".

Caritas fordert mehr Einsatz für schwer vermittelbare Arbeitslose

Zum Tag der Arbeit hat die Caritas im Erzbistum Köln mehr politischen Einsatz für langzeitarbeitslose Menschen gefördert. Hunderttausende Menschen hätten trotz der guten Konjunktur praktisch keine Chance auf dem Arbeitsmarkt, beklagte Caritas-Diözesandirektor Frank Hensel am Donnerstag in Köln. "Die politischen Entscheidungen müssen endlich zugunsten auch derjenigen fallen, die nicht so leicht vermittelbar sind."

Seit Jahren konzentriere sich die Politik auf die schnelle Vermittlung von gut geeigneten Arbeitslosen, kritisierte Hensel. "Menschen mit brüchigen Berufsbiografien und sozialen Schwierigkeiten bleiben draußen." Wenn überhaupt, fänden Langzeitarbeitslose meist nur kurzfristig eine oft prekäre Beschäftigung, etwa in der Zeitarbeit oder als Minijob.

Hensel kritisierte insbesondere die Kürzungen bei den Eingliederungsleistungen für Arbeitslose. Während 2010 noch jeder siebte Hartz-IV-Empfägnger mit einer arbeitsmarktpolitischen Maßnahme gefördert worden sei, sei es heute nur noch jeder elfte. Nötig seien mehr berufliche Qualifizierungsangebote und psychosoziale Begleitung für Menschen, die schon länger als ein Jahr ohne Job sind, betonte der Direktor des katholischen Wohlfahrtsverbandes. Zudem forderte er, dass soziale Betriebe, die langzeitarbeitslose Menschen beschäftigen, vom Staat mit einem langfristigen Lohnkostenzuschuss unterstützt werden müssten.

Die internationale Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung feiert seit 125 Jahren den Tag der Arbeit. Im Mai 1886 gab es am Rand einer Streik-Kundgebung am Haymarket in Chicago Krawalle mit Toten und Verletzten. 1889 rief ein Internationaler Arbeiterkongress in Paris dazu auf, jährlich einen "Kampftag der Arbeiterklasse" zu feiern. Am 1. Mai 1890 gab es auch in Deutschland erstmals Massendemonstrationen. Damals wurde der Acht-Stunden-Tag gefordert. 2015 stellte der Deutsche Gewerkschaftsbund die Kundgebungen unter das Motto: "Die Arbeit der Zukunft gestalten wir!". In vielen Ländern ist der 1. Mai heute gesetzlicher Feiertag.

(KNA, dpa)

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