"Die kölsche Linda"
"Die kölsche Linda"
Mitglieder der "youngcaritas"
Mitglieder der "youngcaritas"

28.04.2015

"Die kölsche Linda" zeigt Jugendlichen das Leben von Obdachlosen Auf die Platte! Fertig! Los!

Lange lebte "Die kölsche Linda", die eigentlich Linda Rennings heißt, auf der Straße. Sie hat den Weg aus der Obdachlosigkeit geschafft. Nun hat sie im Rahmen der "youngcaritas" Jugendlichen gezeigt, was das Leben auf der Staße mit sich bringt.

Zu ihr gehört die Schirmmütze genauso wie ihr ständiger Begleiter: "Der Rumäne". Hund Clayd ist immer dabei, wenn "die kölsche Linda" in der Domstadt eine Gruppe auf eine alternative Stadtführung mitnimmt. Als ehemalige Obdachlose kennt sie die Anlaufstellen für Menschen ohne Wohnung, aber auch die Orte, wo sie gerne vertrieben werden. Erstmals hat Linda eine besondere Gruppe um sich geschart: Etwa 15 Jugendliche der "youngcaritas" in Köln wollen von ihr wissen, was das Leben auf der Straße bedeutet.

Armuts-Aktion der "youngcaritas"

"Auf die Platte! Fertig! Los!" lautet das Motto der Armuts-Aktion der "youngcaritas". Und auf "Auf die Platte! Fertig! Los!" ist auch ein passender Titel für den Rundgang am Montagabend mit Linda Rennings, wie sie richtig heißt. Die erste Station findet sich im schmalen Durchgang zwischen Dom und Römisch-Germanischem Museum. Dort befinden sich einige Steinsarkophage aus alter Zeit - jeder einzelne mit einer Metallplatte verschlossen. Linda berichtet von - leider - vergangenen Zeiten, als die Abdeckungen noch fehlten und die Behälter unter einem Vordach einen einigermaßen trockenen und warmen Schlafplatz boten.

"Es ist schwierig, hier im Umfeld Platte zu machen", erklärt die 51-Jährige den Jugendlichen. Der Dom, die Domplatte und der benachbarte Bahnhof mit seinem Vorplatz - hier stranden viele Obdachlose, hier gibt es aber auch kaum Bänke, wo sie sich aufhalten können. "Wo sollen wir denn noch hin?", versucht Linda bei den jungen Menschen Verständnis für die Lage der Wohnungslosen zu wecken. Nach fünf Jahren auf der Straße fühlt sie sich ihnen noch ganz zugehörig, obwohl sie selbst längst in einer kleinen Wohnung lebt.

Übernachtungsplätze mit Hund sind selten

Die Jugendlichen nutzen die Gelegenheit, um Fragen an die Expertin loszuwerden. "Warum gibt es denn keine Einrichtungen, die Leuten Schlafplätze anbieten", will der 15-jährige Alexander wissen. Linda zählt einige Angebote vom Sozialdienst SKM bis "comeback" auf und zeigt der Gruppe das Andreaskloster unweit vom Dom, wo die Dominikaner eine Notschlafstelle unterhalten. Aber ein Übernachtungsplatz für einen Obdachlosen mit Hund - das gebe es selten. Und dann wisse man auch nicht, mit wem man da die Nacht verbringe. "Bevor ich Stress bekomme, bleibe ich lieber draußen", gibt sie wieder, was dem einen oder der anderen Obdachlosen durch den Kopf geht.

"Warum entscheidet man sich, auf der Straße zu leben?", lautet eine andere Frage. Linda berichtet von ihrem Leben mit Mann und Tochter, wie dann die Beziehung scheitert und alles zusammenkommt, der Verlust ihres Jobs, die Räumungsklage. Fortan hielt sie sich auf dem Friedhof auf, wo es neben einer Bank immerhin auch Trinkwasser gab.

Kontakt zu Obdachlosen ist ihr wichtig

Für sie ist das alles vorbei. Aber nach wie vor kommt Linda, die den Verein "Heimatlos in Köln" gegründet hat, gerne abends an eine Ecke des Appellhofplatzes. "Ein zentraler Treffpunkt" für die Obdachlosen, wie sie erläutert. Sie führt die Gruppe nicht ganz nah heran an die Stelle, "die flippen sonst aus". Dort aber geben Leute der Initiative "Emmaus" eine Suppe aus - übrigens oft von Jugendlichen gekocht.

Passanten geben eher Geld für den Hund

Dennis (23) will wissen, wo denn Clayd herkommt. "Und ist der nicht zu teuer?", hakt Daniela (24) nach. Bevor Linda auf die Fragen eingeht, unterstreicht sie, wie wichtig ein Hund für Obdachlose ist, die doch Familie und Freunde verloren haben. Und dann sei da ja auch noch die Gewalt auf der Straße. "Der hält einiges ab", sagt sie, während sie ihrem Clayd aus dem Tierheim den Rücken streichelt. Und benennt damit einen weiteren Grund für das Betteln. Denn auch die Vierbeiner lebten von den Spenden der Passanten, und zwar bevorzugt.

"An erster Stelle kommt immer der Hund", versichert "die kölsche Linda". Je länger die Tour, desto mehr purzeln die Fragen - etwa, was man gegen die Kälte tun kann? Linda hat mehrere Antworten: "Der Körper gewöhnt sich dran." Und sie sagt etwas vom Zwiebelsystem. Am Ende danken ihr die Jugendlichen für den Ausflug in eine für sie fremde Welt mit Applaus. Auch wenn Linda längst eigene vier Wände hat, man glaubt es ihr, wenn sie sagt: "Ich bin im Herzen immer Berberin."

 

Andreas Otto
(KNA)

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