Flüchtlingskind aus Syrien
Flüchtlingskind aus Syrien
Flüchtlingskind aus Syrien
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12.03.2015

Hilfsorganisationen klagen UN-Sicherheitsrat an Versagen in Syrien

Seit vier Jahren sterben Menschen in Syrien - jeden Monat, jede Woche, jeden Tag. Ist die Welt zum Nichtstun verdammt? 21 Hilfsorganisationen führen bittere Klage über die Vereinten Nationen.

Angesichts der desolaten humanitären Lage in Syrien nach vier Jahren Bürgerkrieg haben Hilfsorganisationen dem UN-Sicherheitsrat völliges Versagen vorgeworfen. Keine seiner Resolutionen habe etwas bewirkt. Den Vereinten Nationen sei es nicht gelungen, die Menschen in dem Land zu schützen, heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten Bericht "Failing Syria" (Versagen in Syrien) zum vierten Jahrestag des Beginns des Aufstands gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad am 15. März 2011.

2014 hätten die Syrer das blutigste Jahr des Konflikts erlebt, heißt es in dem Bericht der 21 Organisationen, darunter Oxfam, World Vision, Pax Christi International, Save the Children und Handicap International. Allein im vergangenen Jahr seien 76 000 Menschen getötet worden, mehr als ein Drittel der Toten der vierjährigen Gewalt. Seit 2011 kamen insgesamt 220 000 Menschen ums Leben.

Über vier Millionen Flüchtlinge

Die Zahl der kaum zu erreichenden Hilfebedürftigen habe sich innerhalb eines Jahres trotz einer UN-Resolution auf 4,8 Millionen mehr als verdoppelt. 5,6 Millionen Kinder seien auf Hilfe von außen angewiesen, fast ein Drittel mehr als im Vorjahr. "Die bittere Realität ist, dass der UN-Sicherheitsrat die UN-Resolutionen nicht umgesetzt hat. Das vergangene Jahr war das dunkelste seit Ausbruch dieses fürchterlichen Krieges", sagte Kathrin Wieland von Save the Children.

Derzeit seien 3,7 Millionen Flüchtlinge aus Syrien in den Nachbarländern. Den Prognosen der Helfer zufolge werden es Ende des Jahres 4,3 Millionen sein. "Allein in den Camps entlang der türkisch-syrischen Grenze leben über 250 000 Flüchtlinge, die vollständig auf internationale Unterstützung angewiesen sind", erklärte das Welternährungsprogramm (WFP) dazu.

Den Helfern von UN und anderen Hilfsorganisationen könnte zudem das Geld ausgehen. Schon 2013 waren die UN-Hilfsmaßnahmen nur zu 71 Prozent finanziert, heißt es in dem Bericht. Im vergangenen Jahr seien es dann nur noch 57 Prozent gewesen. "Die Lage in Syrien wird immer dramatischer, noch nie mussten die Vereinten Nationen in einer Krise so viel Hilfe leisten."

Die Hilfsappelle des UN-Kinderhilfswerks Unicef finden kaum noch Resonanz. "Wir schätzen, dass wir in diesem Jahr 297 Millionen US-Dollar (rund 280 Mio. Euro) für unsere Operationen in Syrien brauchen werden, davon sind bisher erst drei Prozent eingegangen", sagte die Leiterin von Unicef in Syrien, Hanaa Singer, der Deutschen Presse-Agentur. Bereits 2014 habe Unicef wegen fehlender Finanzmittel in dem Bürgerkriegsland nicht alle geplanten Hilfsprojekte umsetzen können.

Druck auf die Konfliktparteien erhöhen

Nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) ist das Gesundheitssystem Syriens durch den vierjährigen Konflikt zusammengebrochen. Der Zugang zu lebenswichtigen medizinischen Behandlungen sei kaum noch möglich, weil medizinisches Material und qualifiziertes Personal fehlten und selbst Gesundheitseinrichtungen angegriffen würden.

Die Hilfsorganisationen riefen die UN-Mitgliedsstaaten, insbesondere die Mitglieder des Sicherheitsrates, dazu auf, den Resolutionen endlich durch Taten Geltung zu verschaffen. "Die Regierungen einflussreicher Staaten müssen endlich dafür sorgen, dass der Konflikt nicht weiter angeheizt wird und dass die Nothilfemaßnahmen massiv ausgeweitet werden", sagte Robert Lindner von Oxfam. Sie müssten den Druck auf die Konfliktparteien erhöhen.

(dpa)

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