In Köln gibt es viele Obdachlose
In Köln gibt es viele Obdachlose

11.12.2014

Verein "Heimatlos in Köln" "Wir brauchen noch LED-Teelichter"

Es gibt viele Menschen, die ohne festen Wohnsitz in Köln leben. Linda Rennings hat deshalb speziell für Frauen den Verein "Heimatlos in Köln", kurz H.i.K., gegründet. An diesem Freitag organisiert H.i.K. eine Weihnachtsfeier für wohnungslose Frauen.

domradio.de: Sie haben selbst eine ganze Zeit auf der Straße gelebt - jetzt wollen Sie Frauen helfen, die hier in Köln auf der Straße leben. Gibt es nicht genügend Einrichtungen, wo betroffenen Frauen sich Hilfe holen können?

Rennings: Theoretisch ja, praktisch ist es anders, weil die Frauen gerne unter sich sind, oft traumatische Ereignisse erlebt haben und dann vielen Dingen nicht mehr so gewachsen sind. Wir haben natürlich sehr gute Wohnungsloseneinrichtungen hier, wo aber in manchen nur Männer sind, wo Frauen sich nicht wohl fühlen. Wir haben nur eine einzige wirklich Anlaufstelle für wohnungslose Frauen, das ist das Café Auszeit vom Sozialdienst katholischer Frauen. Und nur eine einzige Notschlafstelle mit 20 Plätzen. Das ist im Winter natürlich ein Witz.

domradio.de: Das heißt, es gibt Obdachloseneinrichtungen, die dann hauptsächlich für Männer sind, aber da könnten auch Frauen hingehen?

Rennings: Nein, es wird eigentlich schon getrennt, auch in den Notschlafstellen. Es gibt welche, da sind Frauen und Männer, aber das ist für die Frauen oft schwierig, unter anderem aus hygienischen Gründen. Es ist halt so, dass manche Einrichtungen sich auf Männer fokussiert haben, wie zum Beispiel das Eliashaus. Das ist nur für Männer und Frauen können nur zu Besuch kommen. Es gibt verschiedene Programme, die die Einrichtungen anbieten. Für Frauen ist da aber nicht viel dabei.  

domradio.de: Sie haben jetzt Ihren eigenen Verein "Heimatlos in Köln", kurz H.i.K. Was genau wollen Sie den Frauen bieten?

Rennings: Wir hoffen, dass wir mit viel Unterstützung demnächst Räumlichkeiten anbieten können, wo die Frauen sich treffen können. Ich habe eine Qualifikation zur Genesungsbegleitung gemacht, die mich befähigt, mit Menschen, die einen Psychatrie- oder einen Suchthintergrund haben, zu arbeiten. Jetzt will ich versuchen, eine Selbsthilfegruppe aufzubauen. Das soll im Frühjahr stattfinden. Es soll eine Motivationsgruppe sein, in der die Frauen aufgebaut werden. Je länger sie auf der Straße sind, desto größer ist die psychische Belastung, der sie ausgesetzt sind. Viele verlieren dann leider den Mut und die Hoffnung.

domradio.de: Am diesem Freitag (12.12.14) gibt es eine Weihnachtsfeier für Berberinnen in der Alten Feuerwache hier in Köln. Wie wird das ablaufen?

Rennings: Die Alte Feuerwache hat uns freundlicherweise einen Raum zur Verfügung gestellt. 50 Leute können kommen. Ich bin mit anderen auf die Straße gegangen und an Treffpunkte, wo Wohnungslose sind, und zwar nicht in Notschlafstellen, sondern zum Beispiel in der Suppenküche am Appellhofplatz. Dort haben wir konkret Frauen angesprochen und eingeladen. Wir haben auch Einladungen im Café Auszeit verteilt, wo Frauen sich kurz aufwärmen oder einen Kaffee trinken. Wir haben ein kleines Programm bei der Weihnachtsfeier, außerdem Essen und Getränke. Und es gibt für alle Geschenke. Der Schauspieler Martin Armknecht wird mich unterstützen und die Moderation übernehmen. Wir hoffen, das es ein gelungenes Fest wird. 

domradio.de: Du willst also, dass die Wohnungslosen einfach einen schönen Tag haben?

Rennings: Es geht darum, den Wohnungslosen, die einen harten Alltag auf der Straße haben, ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Damit sie für zwei, drei Stunden diesen Alltag vergessen können. Meine Tochter hat Plätzchen gebacken. Wir hoffen natürlich auf weitere Unterstützer. Leute, die etwas spenden möchten, können das im Prinzip am Freitag ab 14 Uhr noch in der Alten Feuerwache vorbeibringen.

Was wir noch brauchen, sind zum Beispiel LED-Teelichter. Die möchten wir den Obdachlosen schenken, denn die können sie abends ohne Feuerzeug anmachen und ohne auf Flammen achten zu müssen. Man muss ja praktisch denken, denn das Leben auf der Straße ist ja ein bisschen anders. Ich möchte den Frauen jetzt zeigen, dass ich auch auf der Straße gelebt habe und den Weg weg von der Straße geschafft habe. Ich möchte die Frauen motivieren, diesen Weg auch zu gehen. Die Weihnachtsfeier ist deshalb mehr eine symbolische Aktion. Wir werden auch weiterhin solche Aktionen auf die Beine stellen, zum Beispiel zu Ostern. Um den Obdachlosen zu zeigen: Wir sind das ganze Jahr für euch da, nicht nur zu Weihnachten.

(DR)

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