Hungerndes Kind in der Zentralafrikanischen Republik
Hungerndes Kind in der Zentralafrikanischen Republik
Bundesentwicklungsminister Gerd Müller
Bundesentwicklungsminister Gerd Müller

18.11.2014

Vor der Welternährungskonferenz in Rom Der stille Hunger

800 Millionen Menschen haben nicht genug zu essen. Aber auch volle Teller können krank machen. Eine UN-Konferenz soll neue Weichen stellen. Papst Franziskus spricht am Donnerstag zu den Delegierten aus 170 Ländern.

Ob in den Konfliktgebieten des Kongo, in den Slums von Bangladesch oder in den Trockengebieten Chinas: In vielen Hütten und Häusern rund um den Globus ist täglich der Hunger zu Hause. Trotz aller Fortschritte haben heute immer noch mehr als 800 Millionen Menschen weltweit nicht genug zu essen. Für Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) ist das "ein ungeheuerlicher Skandal".

Die Welternährungskonferenz, die vom 19. bis 21. November in Rom stattfindet, soll neue Impulse für die Überwindung des Hungers bringen. Erstmals laden die UN-Ernährungsorganisation (FAO) und die Weltgesundheitsorganisation gemeinsam dazu ein. Papst Franziskus wird am Donnerstag zu den Ministern und Delegierten aus rund 170 Ländern sprechen.

Den Hunger bis 2030 abschaffen

Das Ziel ist, sich auf Eckpunkte für die Sicherung einer nachhaltigen, ausgewogenen und gesunden Ernährung zu einigen. Denn die Vereinten Nationen wollen bis 2030 den Hunger von der Erde verbannen und dies nächstes Jahr in den sogenannten Nachhaltigkeitszielen festschreiben.

Auch Überfluss und Fehlernährung machen krank: Eine halbe Milliarde Erwachsene hat bedenkliches Übergewicht. Und insgesamt zwei Milliarden Menschen leiden an Mangelernährung, weil ihnen Vitamine, Eisen, Jod, Zink oder andere wichtige Elemente in der Nahrung fehlen.

"Satt ist nicht genug"

Auch dieser Mangel tötet, bremst Kinder in ihrem Wachstum, beeinträchtigt ihre geistige Entwicklung und macht sie anfälliger für Krankheiten. Die Rede ist von einem stillen Hunger. "Man spürt ihn vielleicht nicht im Bauch, doch er trifft den Kern unserer Gesundheit und Vitalität", sagt der nepalesische UN-Diplomat Kul C. Gautam, auch ehemals stellvertretender Unicef-Direktor.

Das evangelische Hilfswerk "Brot für die Welt" erklärt dazu "Satt ist nicht genug" und hat die Bekämpfung der Mangelernährung zu seinem Schwerpunkt für die nächsten drei Jahre bestimmt. Frauen leiden häufiger darunter als Männer. Sie verdienen weniger, haben kleinere Felder, bekommen seltener Kredite, sparen sich das Essen für die Kinder vom Munde ab - und essen in der Familie oft als letzte.

Ein verletztes Menschenrecht

Oft ist Hunger ein Verteilungsproblem. Südafrika zum Beispiel erzeugt genug Nahrungsmittel, um seine 53 Millionen Einwohner zu ernähren. Die Nation am Kap gilt nicht als Hungerland. Und doch muss ein Viertel der Südafrikaner immer wieder hungrig zu Bett gehen, und jeder zweite lebt in so prekären Verhältnissen, dass Hunger eine ständige Bedrohung ist, wie eine Studie des Hilfswerks Oxfam herausfand.

Auf der Konferenz in Rom wird Deutschland durch Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) vertreten. "Das Menschenrecht auf Nahrung ist nach wie vor das am meisten verletzte Menschenrecht", sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Wir müssen für eine nachhaltige Stärkung der landwirtschaftlichen Strukturen vor allem mit Blick auf die kleinen Familienbetriebe sorgen", betont er zur Situation in den Entwicklungsländern hinzu.

Zu wenig Verbindlichkeit

Das Entwicklungsministerium hatte sich ebenfalls dafür eingesetzt, dass von der Konferenz ein klares, starkes Signal für das Recht auf Nahrung ausgeht. Umso enttäuschter ist man jetzt, dass sich in der geplanten "Erklärung von Rom" und im Aktionsplan wenig konkrete Rechenschaftspflichten und Zeitziele für die Regierungen im Kampf gegen Hunger und Mangelernährung finden.

Andrea Sonntag von der Deutschen Welthungerhilfe fährt mit gemischten Gefühlen nach Rom. "Es wurde kein verbindlicher Mechanismus vereinbart, die Zusagen zu überprüfen", kritisiert die Ernährungsexpertin. Sie befürchtet, dass die Konferenz nur leere Lippenbekenntnisse bringen wird, die das Los von Millionen Kleinbauern und Slumbewohnern nicht verbessern.

Billigeinfuhren tragen zum Hunger bei

Offenbar weigerten sich vor allem die USA, Kontrollsystemen zuzustimmen. Im Streben nach mehr Ernährungssicherheit treten schnell Konflikte auf, wenn etwa Handelsinteressen berührt werden. "Wenige Großkonzerne dominieren heute die Märkte", kritisiert "Brot für die Welt." So paradox es klingt: Wenn in ein Land viele Billigeinfuhren von Getreide oder Fleisch kommen, kann dies einheimische Bauern ruinieren und so zum Hunger beitragen.

(epd)

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