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Roma-Armut in Duisburg
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05.06.2014

Papst und deutsche Bischöfe kritisieren Bedingungen für Roma und Sinti "Moderne Sklaverei"

Papst Franziskus beklagt die schlechten Lebensverhältnisse vieler Roma und Sinti. Sie lebten oft am Rande der Gesellschaft. Die Bischöfe in Deutschland warnen vor Diskriminierung. Sie werben für eine sachliche Debatte.

Franziskus kritisierte die Diskriminierung von Roma und Sinti auf dem Arbeitsmarkt, die oft in Ausbeutung und moderner Sklaverei gipfele. Auch im Bildungs- und Gesundheitssystem seien Sinti und Roma benachteiligt. Der Papst forderte international größere Anstrengungen, um sie besser in ihre Staaten zu integrieren. Angehörige dieser Minderheiten seien allzu oft vom politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben ausgeschlossen. Sie würden vielfach ausgebeutet und zum Betteln gezwungen. Oft würden Sinti und Roma würden mit Feindseligkeit betrachtet.

Papst über erlebte Feindseligkeit im Bus

"Ich erinnere mich daran, dass, wenn Zigeuner hier in Rom in den Bus einstiegen, der Fahrer häufig sagte: Passt auf die Geldbeutel auf", sagte Franziskus abweichend vom Redemanuskript. "Das ist Verachtung", fügte er hinzu. Der Papst äußerte sich am Donnerstag vor Teilnehmern eines kirchlichen Kongresses über die Seelsorge für Roma und Sinti im Vatikan.

Allerdings seien Roma und Sinti aber auch selbst gefordert, ihre Lage zu verbessern, sagte Franziskus zu den Seelsorgern. Die Realität sei "komplex"; aber sicher seien "auch sie selbst aufgerufen, zum Gemeinwohl beizutragen". Das sei möglich, "wenn sie Verantwortung übernehmen, wenn die Pflichten genauso beachtet werden wie die Rechte jedes einzelnen".

Der Papst nahm auch die Kirche in die Pflicht, sich besonders der Roma und Sinti annehmen, so wie auch Jesus stets zu den Menschen am Rande gegangen sei. Gerade den Schwächsten und Ausgegrenzten gelte es, fröhlich das Evangelium zu verkünden. "Seid das einladende Gesicht der Kirche", trug er den Zuhörern auf. - Das am Freitag endende internationale Treffen der Beauftragten für Sinti-und-Roma-Seelsorge im Vatikan erfolgte auf Einladung des päpstlichen Migrantenrats.

Bischofskonferenz: Alarmismus ist fehl am Platz

Die katholischen Bischöfe werben für eine Versachlichung der Debatte über den Zuzug von Roma-Gruppen aus Südosteuropa. "Alarmismus ist ebenso fehl am Platz wie Beschwichtigung", heißt es in einem Positionspapier der Deutschen Bischofskonferenz, das am Donnerstag veröffentlicht wurde. Mit dem von der Migrationskommission vorbereiteten Papier reagieren die Bischöfe auf die öffentliche Diskussion über die steigende Zuwanderung. Damit verbundene Probleme müssten ebenso ernstgenommen werden wie die Nöte der Zuwanderer, sagte der Vorsitzende der Migrationskommission, der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle.

Neben sachverständigen Beiträgen gebe es in der Debatte über Roma auch unseriöse Lösungsvorschläge wie die Beschränkung der Freizügigkeit oder gar Ausweisungen von EU-Bürgern aus wirtschaftlichen Gründen sowie verdeckten oder offenen Rassismus, wird in dem Papier kritisiert. Anders als einige Diskussionsbeiträge auch hochrangiger Politiker nahelegten, gebe es durchaus Erkenntnisse, "dass auch Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien zu den deutschen Sozialsystemen positiv beitragen", heißt es. Der weit überwiegende Teil der Zuwanderer aus Südosteuropa nehme keine Sozialleistungen in Deutschland in Anspruch, sondern entlaste die Sozialkassen.

Um akute Probleme in sozialen Brennpunkten und eine Eskalation der Konflikte zu vermeiden, befürworten die Bischöfe konkrete Konzepte in den Kommunen. Einige Städte hätten bereits soziale und pädagogische Konzepte für Stadtteile, Kindertagesstätten und Schulen entwickelt.

Viele Kommunen prüften auch, wie sich Ausbeutung der Zuwanderer durch Vermieter verhindern lasse. Von zentraler Bedeutung sei zudem der Schutz der Roma vor Diskriminierung, Ausbeutung am Arbeitsmarkt oder Zwangsprostitution. Mit Blick auf organisierte Bettelei und Eigentumsdelikte heißt es: "Der Schutz der Roma ebenso wie der einheimischen Bevölkerung vor Kriminalität ist ein wichtiger Beitrag zur Wahrung des sozialen Friedens."

Langfristige Strategien gefordert

Die Kommunen dürften mit den negativen Begleiterscheinungen der politisch gewollten Freizügigkeit für EU-Bürger nicht allein gelassen werden, unterstreichen die Bischöfe. Vielmehr sei ein Ausgleich nötig zwischen denen, die von der Freizügigkeit profitierten, und denen, die mit den Schwierigkeiten konfrontiert seien. Vor allem Städte seien deshalb auf finanzielle Unterstützung durch den Bund und die Länder angewiesen. In dem Papier wird zudem eine langfristige Strategie zur Integration der Rom und zum Abbau von Antiziganismus gefordert. Auch die Kirche sei gefragt, zur Verbesserung der Lebenssituation der Roma beizutragen.

Bei einem Treffen mit Seelsorgern und einer Gruppe von Sinti und Roma kritisierte der Papst, Angehörige dieser Minderheiten würden vielfach ausgebeutet und zum Betteln gezwungen. Oft lebten Sinti und Roma an den Rändern der Gesellschaft und würden mit Feindseligkeit betrachtet.

(KNA, epd, DR)

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