Flüchtlinge im Südsudan
Flüchtlinge im Südsudan
Flüchtlingscamp im Südsudan
Flüchtlingscamp im Südsudan

20.05.2014

World Vision zur dramatischen Lage im Südsudan "Wir erwarten eine große Hungerkrise in diesem Sommer"

Millionen Menschen im Südsudan sind vom Hunger bedroht. Die Vereinten Nationen haben die höchste Notstandsstufe ausgerufen. Ekkehard Forberg, Friedensexperte vom christlichen Kinderhilfswerk World Vision, im domradio.de-Interview.

domradio.de: Wenn man das hört, klingt das sehr, sehr dramatisch. Wie schätzen Sie die aktuelle Lage im Südsudan an?

Forberg: Die aktuelle Lage ist dramatisch, insbesondere weil eine Million Flüchtlinge im Land vertrieben sind, die nicht mehr in den Städten sind. Es sind drei größere Städte im Norden des Südsudan fast vollständig zerstört worden. Diese Menschen sind entweder in anderen Dörfern untergekommen oder in den Busch geflohen und da sehr schwer zugänglich. Insgesamt ist die Lage dramatisch. Viele Menschen haben Traumata erlebt, es hat viele Vergewaltigungen gegeben, es hat erzwungene Abtreibungen gegeben, es hat viele schwere Menschenrechtsverletzungen von beiden Seiten gegeben. Um die Menschen muss man sich jetzt kümmern. Sie müssen in ärztliche Behandlung, sie brauchen Nahrungsmittel, sie brauchen ein Dach über dem Kopf. Diese Hilfe muss dringend die Menschen im Südsudan erreichen.

domradio.de: Ist Hunger das größte Problem im Land? Man hört ja auch immer wieder von Flucht, Vertreibung und sogar von Vergewaltigung vieler Kindern.

Forberg: Das Problem ist, dass die Regenzeit jetzt gerade eingesetzt hat vor wenigen Tagen. Unsere Büros von Wold Vision in Bentiu und Malakal sind geplündert worden vor einigen Monaten, als der Konflikt begann. Wir haben zwar nach Malakal, das ist eine größere Stadt im Norden, jetzt Hilfsgüter hineingebracht, aber wir kommen nur ganz schwer auf das Land hinaus. In diesen Dörfern sind die Flugpisten jetzt nicht mehr erreichbar. Sie sind verschlammt durch den beginnenden Regen. Die Nahrungsmittellage wird sich dramatisch zuspitzen in etwa zwei bis drei Monaten, weil es jetzt nicht zu einer Aussaat gekommen ist vor der Regenzeit, und zwar wegen der Sicherheitslage, weil gekämpft wurde. Deswegen erwarten wir eine große Hungerkrise im Sommer dieses Jahres im Südsudan.

domradio.de: In Oslo in Nordwegen findet heute eine internationale Geberkonferenz für den Südsudan statt. Was erhoffen Sie sich davon?

Forberg: Die Vereinten Nationen haben nach 1,8 Milliarden US-Dollar nachgefragt, das ist der Bedarf, der in den nächsten zehn Monaten bereitgestellt werden müsste durch die internationale Gemeinschaft. Wir erhoffen uns natürlich, dass diese Gelder auch wirklich versprochen und dann auch ausgezahlt werden. Oftmals werden bei solchen Geberkonferenzen zwar Mittel verspochen, die aber nie zur Auszahlung kommen. Das ist das eine. Es ist ein sehr großer, finanzieller Bedarf da. Aber es gibt noch eine zweite Sache. Selbst wenn jetzt dieses Geld von der internationalen Gemeinschaft zur Verfügung gestellt würde - es gibt zwar viele NGOs im Land, viele Hilfsorganisationen, aber der Zugang zu vielen Dörfern, zu den Kriegsgebieten ist nicht gewährleistet. Das heißt, es muss auch politischer Druck aufgebaut werden, damit wirklich in alle Gebiete Hilfe hineinkommen kann. Das ist derzeit nicht der Fall.

domradio.de: Das heißt, wenn ich Sie richtig verstehe, Friedensverhandlungen und vor allen Dingen ein Frieden zwischen den rivalisierenden Gruppen im Südsudan wäre der Schlüssel dazu, dass sich die Situation entspannen kann?

Forberg: Das ganz sicher. Man hat sich ja auch auf einen vorübergehenden Waffenstillstand geeinigt. Einen Monat lang soll nicht gekämpft werden, aber dieser Waffenstillstand ist auch schon wieder brüchig. Ich denke, dass es ganz wichtig ist, dass die Vereinten Nationen diesen Waffenstillstand überwachen, auch mit Patrouillen, und das es weiteren Druck gibt, dass wirklich beide Kriegsparteien sich auf eine politische Lösung einigen. Beide Parteien müssten wahrscheinlich in eine Regierung und dann wieder miteinander arbeiten. Wie auch immer diese politische Lösung aussehen wird, es muss zu einem Ende der Kämpfe, zu einem anhaltenden Ende der Kämpfe kommen, damit die Menschen versorgt werden können und wieder selbst ihre Nahrungsmittel anbauen können. Die Lage ist dramatisch und die Menschen brauchen auch psychosoziale Unterstützung, nachdem, was sie erlebt haben. Dafür braucht man einfach Zugang und der Konflikt muss unbedingt beendet werden.

Das Gespräch führte Matthias Friebe.

(DR)

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