Angehörige trauern lautstark nach dem Todesurteil
Angehörige trauern lautstark nach dem Todesurteil
Verboten: Jugendbewegung  6. April
Verboten: Jugendbewegung 6. April

28.04.2014

Todesstrafe für Hunderte in Ägypten Verstörendes Urteil

Einige Frauen brechen auf der Straße schluchzend zusammen, als das Urteil im größten Massenprozess in der Geschichte Ägyptens fällt: die Todesstrafe für 683 Muslimbrüder. Noch ist der Richterspruch nicht rechtskräftig. "Ägypten ist gegenwärtig kein Rechtsstaat", so kommentiert Stephan Roll

Einen Monat vor der Präsidentenwahl demonstriert Ägyptens Führung ihre Macht über die Opposition. Das Todesurteil gegen Hunderte Islamisten sorgt für Zündstoff. Es ist bereits das zweite seiner Art.

"Ägypten ist gegenwärtig kein Rechtsstaat", so kommentiert Stephan Roll das Todesurteil gegen 683 Muslimbrüder im domradio.de-Interview. Roll forscht an der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) unter anderem zu den jüngsten Umbrüchen in arabischen Ländern mit Schwerpunkt Ägypten. Die Stiftung berät Bundestag und Bundesregierung in Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik.

Verbot auch für junge Demokratiebewegung "6. April"

Die Anhänger der Muslimbrüder würden sich nach dem Urteil weiter radikalisieren, warnt Roll. Er gibt außerdem zu bedenken, dass sich die Situation für das liberale Lager in Ägypten verschärft habt. Auch die Demokratiebewegung "6. April" ist nun in Ägypten verboten. Die Anführer der Gruppe hatten viele junge Leute im Januar 2011 für die Proteste gegen den damaligen Staatschef Husni Mubarak mobilisiert. 

Ein Mann im traditionellen Gewand und mit weißem Turban auf dem Kopf wischt sich Tränen aus den Augen. "Die Regierung verurteilt die Armen in diesem Land", ruft einer der Angehörigen aus der Menge, die sich vor dem von Sicherheitskräften abgeriegelten Gerichtsgebäude in der oberägyptischen Stadt Minia versammelt hat.

Bereits das zweite Massentodesurteil

Zum zweiten Mal fällt in Minia ein verstörender Richterspruch. Die 683 Islamisten waren wegen der Teilnahme an gewalttätigen Protesten und dem Mord an einem Polizisten angeklagt. Vor einem Monat hatte Richter Said Jussif 529 Islamisten mit derselben Anklage zum Tode verurteilt. Nun wurden 37 der Todesurteile bestätigt und die übrigen in lebenslange Haft umgewandelt.

Rechtskräftig ist noch keiner der Richtersprüche, doch die Angehörigen sind in großer Sorge. "Ich habe sechs Kinder. Sie sollen mich hinrichten, nicht den Versorger meiner Kinder", sagt eine verschleierte Frau.

Die Entscheidung nach nur zwei Verhandlungstagen sorgt in Ägypten für Empörung. Auf Grundlage schlechter Ermittlungen würden unschuldige Menschen bestraft, sagen viele. Einer der Rechtsanwälte spricht von einem politischen Urteil. "Ein Richterspruch wird auf Basis von Beweisen gefällt. Wo ist die Gerechtigkeit aber, wenn der Richter nach seiner persönlichen Überzeugung handelt?" fragt Mohammed Salah.

Harter Kurs gegen Islamisten seit Mursis Entmachtung

Seit der Entmachtung des aus der Muslimbruderschaft stammenden Präsidenten Mohammed Mursi durch das Militär im Sommer 2013 geht die ägyptische Führung hart gegen Islamisten vor. Als im ganzen Land Mursi-Anhänger gegen die Absetzung des gewählten Staatschefs auf die Straßen gingen, schlugen die Sicherheitskräfte die Proteste blutig nieder. Bei der Auflösung von Sitzstreiks in Kairo und Alexandria gab es mehr als 1000 Tote.

Inzwischen ist die Muslimbruderschaft in Ägypten verboten und das Militär de facto an der Macht. In einem Monat sind Präsidentenwahlen, die Ex-Armeechef Abdul Fattah al-Sisi mit großer Wahrscheinlichkeit gewinnen wird.

Das Oberhaupt der Muslimbrüder, Mohammed Badie, ist unter den in Minia zum Tode verurteilten Islamisten. Die Regierung macht die Bewegung auch für Terroranschläge in den vergangenen Monaten verantwortlich. Die Islamisten weisen dies aber entschieden zurück. Gegen Mursi laufen wegen Spionage- und Terrorismusvorwürfen mehrere Verfahren. Ihm droht ebenfalls die Todesstrafe. 

Doch nicht nur Islamisten sind derzeit juristischer Verfolgung ausgesetzt. Auch Demokratie-Aktivisten sitzen in ägyptischen Gefängnissen. Wenige Stunden nach dem Urteil in Minia wurde in der Hauptstadt Kairo ein Richterspruch gegen die oppositionelle Jugendbewegung bekannt. Alle Aktivitäten der Organisation 6. April werden verboten. Die Gruppe hatte bei den Massenprotesten 2011, die zum Sturz von Präsident Husni Mubarak führten, eine maßgebliche Rolle gespielt. Gegen sie lautet der Vorwurf nun: Spionage und Verleumdung des ägyptischen Staates.

Pol O Gradaigh und Mey Dudin
(dpa)

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Mit Willibert in die Heilige Stadt

Im November 2019 ist es soweit: Erkunden Sie das ehrwürdige Rom auf dieser Pilgereise mit dem Rom-Kenner Willibert Pauels, Karnevalsfreunden und DOMRADIO.DE Besuchern auch bekannt als "ne Bergische Jung"!

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 21.11.
06:00 - 06:30 Uhr

DOMRADIO Morgenimpuls

06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Morgen

  • Konfliktvermeidung: Wie hängen Kommunikation und Friede zusammen?
  • Feiertag Buß- und Bettag
  • Todesfurcht und Aberglaube um den Tod, wenn er eingetroffen ist
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • In Visbek ist der Ministrantendienst reine Männersache
  • Methode zur ökologischen Bestattung gefunden?
  • Kommt Asia Bibi nach Deutschland?
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • In Visbek ist der Ministrantendienst reine Männersache
  • Methode zur ökologischen Bestattung gefunden?
  • Kommt Asia Bibi nach Deutschland?
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Blick in die Zukunft: „Asia 2030 – was der globalen Wirtschaft blüht“
  • Die Mäntel in den Bäumen am Kölner Rheinufer und was dahinter steckt
  • "Gestatten Sie, dass ich liegen bleibe" - Ungewöhnliche Grabsteine
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Blick in die Zukunft: „Asia 2030 – was der globalen Wirtschaft blüht“
  • Die Mäntel in den Bäumen am Kölner Rheinufer und was dahinter steckt
  • "Gestatten Sie, dass ich liegen bleibe" - Ungewöhnliche Grabsteine
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

  • "Im Zeichen der Versöhnung" – Buß- und Bettag 2018
  • Bistum Linz: Laien dürfen Taufe spenden
  • Aufnahme bewilligt – Durchbruch im Fall Asia Bibi
22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Programmtipps

  • Lukasevangelium
    22.11.2018 07:50
    Evangelium

    Lk 19,41–44

  • Liegefigur der Heiligen Cäcilia von Stefano Maderno
    22.11.2018 09:20
    Anno Domini

    Heilige Cäcilia von Rom

  • Lukasevangelium
    23.11.2018 07:50
    Evangelium

    Lk 19,45–48

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Empfangsanleitung zum Ausdrucken

Gemeinsam für das Mehr im Menschen

Berufungspastoral im Erzbistum Köln: Dein Platz in Kirche und Welt.

Das ganze Leben

Hilfsangebote der Kirche im Erzbistum Köln.

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff

Weihbischof Schwaderlapp beantwortet Glaubensfragen