Christoph Strässer
Christoph Strässer, SPD
Roma-Familie in Südosteuropa
Roma-Familie in Südosteuropa

08.04.2014

Am 8. April ist Internationaler Roma-Tag Bulgarische Roma weisen "Sozialtourismus"-Vorwurf zurück

Roma aus Bulgarien kommen nach Deutschland, um Sozialleistungen zu beantragen. So das Vorurteil. Dagegen haben sich bulgarische Roma-Vertreter jetzt in einem offenen Brief an die Bundesregierung gewehrt.
 

In einem offenen Brief an die Bundesregierung haben bulgarische Roma-Vertreter ihre Irritation über die deutsche "Sozialtourismus"-Debatte zum Ausdruck gebracht. Übermittelt hat das Schreiben aus Anlass des Internationalen Roma-Tages (8. April) der Bochumer Stadtsoziologe Sebastian Kurtenbach, der über die größte Roma-Siedlung Stolipinovo in Bulgarien forscht. Die Roma-Vertreter seien "ein wenig verblüfft" gewesen, dass man ihrer Minderheit unterstelle, wegen Sozialleistungen nach Deutschland zu kommen, sagte Kurtenbach am Dienstag im Deutschlandradio Kultur. "Dem ist schlichtweg nicht so." Vielmehr wollten die Menschen arbeiten.

"Die soziale Benachteiligung ist umfassend"

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Strässer (SPD), bezeichnete die Lage der Sinti und Roma in vielen europäischen Ländern als besorgniserregend. Die Folgen gesellschaftlicher und sozialer Ausgrenzung, Diskriminierung und Stigmatisierung seien dramatisch, erklärte Strässer. "Die soziale Benachteiligung ist umfassend und führt zu verminderten Chancen auf einen gleichberechtigten Zugang zu Bildung, Arbeit, medizinischer Versorgung und Wohnraum." Er forderte der systematischen Ausgrenzung der Roma in vielen Gesellschaften entschlossen entgegenzutreten.

Dem Soziologen Kurtenbach zufolge leben beispielsweise im bulgarischen Stolipinovo etwa 50.000 Menschen auf eineinhalb Quadratkilometern. Die Arbeitslosenquote dort betrage nach Angaben der Roma-Selbsthilfeorganisation mehr als 90 Prozent. "Und Armut in Bulgarien unter diesen Bedingungen, ohne die wohlfahrtsstaatlichen Leistungen, die wir in Nord- und Mitteleuropa kennen, hat nochmal schlichtweg eine andere Dimension."

Amnesty beklagt Untätigkeit der Polizei

Es gebe Probleme mit der Verfügbarkeit von Waren, die Schulen seien "katastrophal" und eine Gesundheitsversorgung "kaum vorhanden", so Kurtenbach. Das Geld, das die Arbeitsmigranten aus Westeuropa schickten, sei insofern sehr wichtig. Es halte den Stadtteil zur Zeit "sehr stark am Leben."

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hatte in einem am Montag veröffentlichten Bericht die Untätigkeit der Polizei bei gewalttätigen Angriffen auf Roma und bei den Ermittlungen dokumentiert. An manchen Orten in Europa müssten Roma in ständiger Angst vor gewalttätigen Ausschreitungen oder Anschlägen leben, hieß es. Der Mericht untersucht die Lage in Griechenland, Tschechien und Frankreich.

(epd)

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