Dalia Grybauskaite mit Martin Schulz
Dalia Grybauskaite mit Martin Schulz

09.05.2013

Litauische Präsidentin mit Karlspreis geehrt Gegen Leitwährung Hoffnungslosigkeit

Karlspreisträgerin Dalia Grybauskaite ruft zum Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit in Europa auf. Hoffnungslosigkeit dürfe nicht die Leitwährung sein. Auch Laudator Martin Schulz unterstreicht: Die Jugend ist genauso systemrelevant wie Banken.

Die litauische Präsidentin Dalia Grybauskaite ist für ihre Verdienste um die europäische Integration mit dem Internationalen Karlspreis zu Aachen geehrt worden. Der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz (SPD), würdigte Grybauskaite am Donnerstag in seiner Laudatio als "außergewöhnliche Europäerin und herausragende Politikerin".

Perspektiven für Europas Jugend

Grybauskaite rief in ihrer Dankesrede zu einem gemeinsamen Engagement gegen Jugendarbeitslosigkeit in Europa auf. Die Politik müsse den jungen Menschen Chancen einräumen, denn sie seien die Zukunft, sagte die Präsidentin Litauens. Hoffnungslosigkeit dürfe nicht die Leitwährung Europas werden. Grybauskaite unterstrich, dass die europäische Einigung kein Geschenk sei. In Litauen, einer ehemaligen Sowjetrepublik, hätten die Menschen erfahren, dass man dafür habe kämpfen müssen.

Bei einem Gottesdienst vor der Preisverleihung im Aachener Dom hatte Ortsbischof Heinrich Mussinghoff betont, dass Grybauskaite sich für "eine vertiefte Integration der EU" eingesetzt und für die Bewältigung der aktuellen Krise gekämpft habe. Er kritisierte ein "ökonomistisches Denken und Handeln" und einen "ungezügelten Kapitalismus" in der EU. Der kommenden Generation müsse "eine bewohnbare Welt und nicht einen Berg von Schulden hinterlassen" werden. Auch sei die Familie als Kern- und Lebenszelle der Gesellschaft stärker zu fördern. "Die Familie ist für mich die wichtigste Zukunftsinstitution und verdient daher Zukunftsinvestition", so Mussinghoff.

Systemrelevante Jugend

Schulz nannte es die erste Aufgabe der Politik, dafür zu sorgen, dass die Jugend in Europa eine Perspektive habe. Europa sei einer der reichsten Kontinente, erklärte der Präsident des Europäischen Parlaments. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit sei eine Schande. "Diese Generation ebenso systemrelevant zu halten wie Banken - das bedeutet heute Solidarität", unterstrich Schulz.

Auch Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU), der Grybauskaite die Karlsmedaille überreichte, rief zu einer Bündelung der Kräfte für die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit auf. Alle jungen Menschen bräuchten eine Chance auf Ausbildung und Arbeit.

Philipp würdigt Grybauskaite als Politikerin, die der europäischen Politik ein Gesicht und eine Orientierung gebe.

Jugendarbeitslosigkeit bei 23,6 Prozent

Die Jugendarbeitslosigkeit in Europa liegt derzeit bei 23,6 Prozent - mehr als doppelt so hoch wie die Arbeitslosigkeit in der Gesamtbevölkerung. Besonders betroffen sind Griechenland und Spanien, wo mehr als die Hälfte der jungen Menschen keinen Job hat.

Grybauskaite wurde im Mai 2009 als erste Frau in das Amt des litauischen Staatspräsidenten gewählt. Zuvor war sie als Kommissarin für Finanzplanung und Haushalt der EU zuständig.

Der Karlspreis gilt als eine der bedeutendsten europäischen Auszeichnungen. Er wird seit 1950 verliehen und besteht aus einer Urkunde und einer Medaille. Über die Verleihung entscheidet ein unabhängiges Gremium Aachener Bürger. Vergeben wird der Preis traditionell an Christi Himmelfahrt im Krönungssaal des Aachener Rathauses. Preisträger im vergangenen Jahr war Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU).

(epd, KNA, DR)

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