Sörensen: "Es ist wichtig, darüber zu reden."
Symbolbild Missbrauch, Schatten eines Kreuzes

07.07.2020

Wie eine Betroffene für die Missbrauchsaufarbeitung kämpft Katarina Sörensen will eine Bewusstsein für die Taten schaffen

Fast zehn Jahre lang ist Katarina Sörensen als Kind von ihrem Pastor missbraucht worden. Nun kämpft sie für die Aufarbeitung ihres und weiterer Fälle in der evangelischen Kirche - auf Landes- und Bundesebene.

Über 20 Jahre ist es her, dass Katarina Sörensen vom Pastor ihrer Kirchengemeinde sexuell belästigt und missbraucht wurde. Jetzt geht die Betroffene, die anonym bleiben möchte und daher unter diesem Pseudonym auftritt, an die Öffentlichkeit. Gemeinsam mit der evangelischen Landeskirche Hannovers hat sie am 6. Juli auf einer Pressekonferenz im niedersächsischen Seevetal von ihrem Fall berichtet. Ganz in der Nähe, in einer Kirchengemeinde in Nenndorf im Landkreis Harburg, soll sie ein früherer Pastor zwischen 1988 und 1997 missbraucht haben. Sörensen war zu Beginn der Übergriffe 15 Jahre alt; der Geistliche, der inzwischen verstorben ist, war Mitte 40.

Engagiert in der Jugendarbeit

"Der Pastor ist sehr bekannt gewesen für seine engagierte Jugendarbeit", berichtet Sörensen. Im Rahmen von Ausflügen und Freizeiten habe er den sexuellen Missbrauch begangen. Sie sei dabei nicht sein einziges Opfer gewesen: "Es gibt in unserer Kirchengemeinde noch eine weitere Betroffene und es gibt noch weitere, bei denen er es zumindest versucht hat."

Geplanter Missbrauch

Der Geistliche habe sich zunächst vorsichtig den Mädchen angenähert - etwa durch Umarmungen oder Massagen - und dann Grenzen überschritten. Sörensen fand das nicht angenehm, wollte aber von dem Pastor "geliebt und gesehen" werden. "Ich wusste: Wenn ich etwas gegen ihn sage, dann kann er mich ganz schnell aus der Gruppe ausgrenzen." Inzwischen sei sie sich sicher, dass er von Anfang an geplant habe, sexuelle Übergriffe an jungen Mädchen zu begehen.

Schwierige Aufarbeitung

Die Aufarbeitung des Falls läuft schon länger. 2015 wandte sich Sörensen erstmals an die Landeskirche, nachdem sie lange nach einem passenden Ansprechpartner gesucht hatte. Die Kirche zahlte ihr ein Jahr später eine Entschädigungsleistung von 35.000 Euro. Doch Sörensen machte sich auch danach für eine weitere Aufarbeitung ihrer Geschichte und anderer Missbrauchsfälle stark.

Auch wenn die Betroffene heute gemeinsam mit der Kirche auftritt, bewertet sie die Zusammenarbeit durchaus kritisch: "Für mich war der Weg der Aufarbeitung in der Kirche eher steinig." Ohne Unterstützung von anderen Stellen, hätte sie den Prozess nicht durchgestanden, sagt sie. Erst in den vergangenen zwei Jahren sei es innerhalb der Kirche deutlich einfacher geworden, über das Thema zu sprechen.

Mut zur Öffentlichkeit

Sörensen wandte sich auch an die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs, vor der sie 2018 über ihren Fall berichtete. 2019 schilderte sie ihre Geschichte in einem Gastbeitrag in der "Zeit" - ohne die betreffende Kirchengemeinde und den Pastor zu nennen. Dass sie den Fall nun komplett öffentlich macht, sei eine bewusste Entscheidung gewesen und habe viel Mut gebraucht. "Ich möchte, dass es ein Bewusstsein dafür gibt, dass es passiert ist."

Mitarbeit bei Missbrauchsaufarbeitung

Inzwischen berät Sörensen auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) bei der Aufarbeitung von Missbrauch. Dort wirkte sie unter anderem beim Aufbau einer unabhängigen Anlaufstelle für Missbrauchsbetroffene mit. Eigenen Angaben nach hat sie sich für die Mitarbeit im Betroffenenbeirat der EKD beworben, der noch in diesem Sommer seine Arbeit aufnehmen soll. "Ich hoffe, dass dieses Gremium ein vernünftiges Mandat bekommt."
Die Kirche, fordert sie, müsse insbesondere die Strukturen verbessern, die es Betroffenen ermöglichen, sich zu melden. Ansprechpartner müssten klar benannt und richtig ausgebildet werden. Schließlich gebe es viele weitere Betroffene, die noch nicht den Mut gefunden hätten, über ihre Fälle zu reden.

In Nenndorf hat Sörensens Engagement bereits dazu geführt, dass vor einiger Zeit eine weitere Betroffene Kontakt mit der Landeskirche aufgenommen hat. Zwei weitere mutmaßliche Opfer des Pastors haben sich nach Ankündigung der Pressekonferenz gemeldet. Oberlandeskirchenrat Rainer Mainusch dankte Sörensen für ihren Mut, den Fall öffentlich zu machen, und rief weitere Betroffene auf, sich zu melden. Nach Kirchenangaben liegen Hinweise vor, dass der Geistliche auch während seines von 1972 bis 1986 dauernden Einsatzes in Wolfsburg Frauen zumindest belästigt habe.

Von Michael Althaus
(KNA)

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