Kardinal George Pell (m.)
Kardinal George Pell (m.)

27.04.2020

Ergebnisse zu Kardinal Pells Umgang mit Missbrauch freigegeben Vorwurf der Vertuschung noch ungeklärt

Der Abschlussbericht der staatlichen Missbrauchskommission zu Kardinal George Pell wird freigegeben. Auf gut 60 Seiten wird Pells Umgang mit Beschwerden über sexuellen Missbrauch geschildert. Dem Kardinal wird weiterhin Vertuschung vorgeworfen.   

Die Justizministerin des australischen Bundesstaates Victoria hat Grünes Licht für die Veröffentlichung von Ergebnissen der staatlichen Missbrauchskommission zum Umgang von Kardinal George Pell mit Beschwerden über sexuellen Missbrauch gegeben. Wegen des Missbrauchsprozesses gegen Pell waren die Kapitel des 2017 veröffentlichten Abschlussberichts der Kommission unter Verschluss gehalten worden.

Sie habe ihrem Amtskollegen in der Zentralregierung in Canberra, Christian Porter, mitgeteilt, dass nach dem Freispruch des Kardinals keine Einwände mehr gegen eine Veröffentlichung der geschwärzten 60 Seiten bestünden, sagte Jill Hennessy (Montag) australischen Medien.

Verdacht der Vertuschung steht noch im Raum

Justizminister Porter hatte nach Pells Freispruch erklärt, die betreffenden Seiten erst zu veröffentlichen, wenn dadurch mögliche künftige Ermittlungen oder Anklagen gegen Pell nicht gefährdet würden. Laut australischen Medien liegt es nun bei Porter, den Termin zur Veröffentlichung zu bestimmen.

Der Abschlussbericht der Kommission enthält Dutzende Seiten über Pells Umgang mit Vorwürfen sexuellen Missbrauchs von Kindern. Es geht darin ausdrücklich nicht um Missbrauchsvorwürfe gegen Pell, sondern um sein Wissen über Beschwerden gegen pädophile Priester in seiner Zeit als Priester im Bistum Ballarat und später als Erzbischof von Melbourne.

Pell steht im Verdacht, an der Vertuschung von Missbrauchsvorwürfen gegen Priester beteiligt gewesen zu sein. Bei den öffentlichen Sitzungen der Missbrauchskommission räumte Pell ein, er habe "damals" den Unschuldsbeteuerungen beschuldigter Priester geglaubt. Australische Missbrauchsexperten vermuten, die Veröffentlichung der Pell-Kapitel könnten zu neuen Klagen gegen den Kardinal wegen Behinderung der Justiz führen.

Priesterkollege Gerald Ridsdale zu 34 Jahren Haft verurteilt

Im Zentrum des bislang unveröffentlichten Teils des Kommissionsberichts steht dem Vernehmen nach Pells Verhältnis zu seinem Priesterkollegen Gerald Ridsdale, der am Montag vor einem Bezirksgericht in Victoria den Missbrauch von vier weiteren Jungen gestand. Der 84-Jährige ist seit 1993 in mehreren Prozessen wegen des Missbrauchs von 65 Jungen zu insgesamt 34 Jahren Haft verurteilt worden.

Ridsdale war Priester im Bistum Ballarat und teilte sich mit Pell eine Priesterwohnung. Pell hat wiederholt, zuletzt nach seinem Freispruch in diesem Monat, jedes Wissen um Ridsdales Pädophilie dementiert. 1993 begleitete ihn Pell, damals bereits Weihbischof in Melbourne, zu dessen erstem Missbrauchsprozess.

(KNA)

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