Symbolbild Missbrauch: Teddybär in einer Kirchenbank
Symbolbild Missbrauch: Teddybär in einer Kirchenbank

12.07.2019

Ohne Präventionsschulungen geht in der Kirche nichts mehr Wie Mitarbeiter handlungssicher gemacht werden

Der Skandal über den sexuellen Missbrauch hat die katholische Kirche erschüttert. Doch sie tut etwas dagegen: Weit über 220.000 Menschen wurden allein in NRW bereits zu dem Thema geschult und so sensibilisiert.

Die dreißigjährige Angestellte spricht mit dem zwölfjährigen Mädchen. Beide wirken fröhlich, lachen. Aber dann beginnt die Frau, mit dem Haar des Mädchens zu spielen, was diesem unangenehm ist. Die 12-Jährige wird still und starr, die Frau aber lächelt versonnen. War das schon eine Form von sexueller Gewalt, von Grenzüberschreitung?

Der Fall ist ein Beispiel, wie es in Präventionsschulungen der katholischen Kirche herangezogen wird, um Mitarbeiter zu sensibilisieren. Spätestens mit der MHG-Missbrauchsstudie der Bischofskonferenz aus dem vergangenen September wurde das Ausmaß des sexueller Gewalt in der Kirche deutlich: 1.670 Kleriker wurden beschuldigt, im Zeitraum von 1946 bis 2015 rund 3.677 Kinder und Jugendliche auf unterschiedliche Weise sexuell missbraucht zu haben.

Kirche ist das Problem angegangen

Die Kirche ist das Problem angegangen, auch vor Veröffentlichung der Studie. In allen Bistümern finden seit einigen Jahren Schulungen statt, die sich an Kleriker, aber auch an Kindergärtner, Lehrer oder Büroangestellte richten. Dabei geht es um sexuelle Gewalt und grenzüberschreitendes Verhalten, wie etwa ungewollte Berührungen.

Das sei häufig der Anfang, sagt die Familientherapeutin Ruth Habeland, die im Erzbistum Köln Schulungen gibt. "Wir wollen über die Präventions-Schulungen die Menschen sensibilisieren", sagt die Präventionsbeauftragte im Erzbistum Köln, Manuela Röttgen.

Die NRW-Bistümer Aachen, Essen, Köln, Münster und Paderborn haben ihre Schulungsmaßnahmen abgestimmt. Dies erfolgte auf Grundlage der Präventionsordnungen, die in den NRW-Diözesen identisch sind. Dort ist die Entwicklung eines einheitlichen, verbindlichen Schutzstandards verankert.

So verlangen die Bistümer die Vorlage eines erweiterten Führungszeugnisses sowie die Teilnahme an Präventionsschulungen im Fünf-Jahres-Rhythmus. Abhängig davon, wie stark die zu Schulenden in Kontakt zu Kindern stehen, werden sie über Stunden oder Tage hinweg unterrichtet.

Bereits früher zur Basisschulung verpflichtet

Bereits vor über fünf Jahren waren alle Angestellten verpflichtet zur Basisschulung. Damals fühlten sich viele unter Generalverdacht gestellt. Als die Vertiefungsschulungen anstanden, äußerte in den Bistümern niemand mehr Bedenken, da fragten viele Mitarbeiter nach bestimmten Themen, mit denen sie im Alltag besonders häufig konfrontiert sind.

"Wie kann ich erkennen, ob ein Kind von sexueller Gewalt betroffen ist?", sei eine der am häufigsten gestellten Fragen, erläutert Habeland. Eine eindeutige Antwort auf diese Frage hat sie nicht, aber es gibt Anzeichen: Sprech- oder Kontaktstörungen, Depressionen, geringes Selbstwertgefühl und manches mehr. Ein Informationsheft zur Prävention im Erzbistum Köln gibt darüber Aufschluss.

Auch das Heft hat keine Allzweck-Lösung parat, aber immerhin Hinweise und Ratschläge. Eine altersangemessene und wertschätzende Sprache solle gewählt werden, Körperkontakt müsse einvernehmlich, angemessen und altersgerecht sein. Und vor allem: zuhören und aufmerksam sein.

Ein missbrauchtes Kind müsse sich durchschnittlich an sieben Personen wenden, bis es auf einen Menschen treffe, der ihm zuhört, glaubt oder hilft. Einige geben auf, bevor sie ein offenes Ohr finden.

Opfer-Initiative zollt Anerkennung

Anerkennung für die Schulungen kommt vom Sprecher der Opfer-Initiative "Eckiger Tisch", Matthias Katsch. Die Anstrengungen der Mitarbeiter in Einrichtungen der katholischen Kirche zur Verringerung der Risiken für sexuelle Gewalt an Kindern seien "enorm und beispielgebend", sagt Katsch.

"Es gibt jedoch zumindest Anzeichen, dass dies nicht im gleichen Ausmaß für die Gruppe der Kleriker gilt, jedenfalls nicht in allen Bistümern." Er kritisiert die schleppende Aufarbeitung. Ohne diese drohe die Prävention "auf der rein formalen Ebene stecken zu bleiben".

Die Schulungsteilnehmer haben die Bedeutung begriffen. "Viele Menschen sind handlungssicherer geworden", resümiert Habeland nach einer der Veranstaltungen. Auch die Aachener Präventionsbeauftragte Almuth Grüner berichtet, viele Teilnehmer seien letztlich überrascht, wie viel sie mitnähmen.

Nadine Vogelsberg
(KNA)

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