Symbolbild Missbrauch
Symbolbild Missbrauch im Internet
 Johannes-Wilhelm Rörig, Missbrauchsbeauftragter der Bundesregierung
Johannes-Wilhelm Rörig

06.06.2019

Experten bemängeln weiter zu hohe Zahlen bei Kindesmissbrauch "Wer wegschaut, trägt eine Mitverantwortung"

Die Zahl der Kinder, die Gewalt erfahren, bleibt erschreckend hoch. Die angezeigten Fälle von missbrauchten Mädchen und Jungen steigt. Experten verlangen von der Politik konsequenteres Handeln – auch im Internet.

Steigende Fallzahlen beim Kindesmissbrauch, Anstieg auch bei Kinder- und Jugendpornografie: Für den Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, ist klar, es muss dringend mehr geschehen.

Wie der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Holger Münch, fordert er Reformen bei der Vorratsspeicherung. Ansonsten könnten vielen Fällen nicht weiter verfolgt werden.

Während die Zahlen über angezeigte Fälle nicht-sexualisierter Gewalt gegen Kinder leicht zurückging, stieg sie laut Polizeilicher Kriminalstatistik beim Missbrauch von Kindern: Insgesamt seien 14.606 Kinder von sexueller Gewalt betroffen, so Münch am Donnerstag in Berlin.

Im Jahr 2017 waren es danach 13.539. Die in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfassten Fallzahlen zur Herstellung, zum Besitz und zur Verbreitung sogenannten kinderpornografischen Materials sind demnach von 6.512 auf 7.449 Fälle gestiegen.

Strafverfolgung wegen fehlender IP-Adressen nicht möglich

Münch führte aus, vielen Hinweisen aus der USA könne die Kriminalpolizei in Deutschland nicht nachgehen, weil etwa IP-Adressen nicht mehr gespeichert gewesen seien. Da die meisten Taten im direkten Umfeld der Kinder begangen würden, rief er dazu auf, wachsam zu sein. "Wer wegschaut, trägt eine Mitverantwortung", so Münch.

Rörig appellierte an die Bundesregierung, mehr Maßnahmen zur Bekämpfung von Missbrauchsabbildungen im Internet zu ergreifen. Das Risiko sei gestiegen, dass Kinder etwa beim Chatten oder bei Online-Spielen Opfer sexueller Gewalt würden, sagte Rörig.

Die jüngsten Fälle in Lüdge und Staufen, die bundesweit für Entsetzen gesorgt hatten, zeigten "erschreckend deutlich: Sexueller Kindesmissbrauch findet überall statt, auch unter den Augen eines ganzen Dorfes, über Jahre, vielleicht auch über Jahrzehnte".

In beiden Orten waren über Jahre hinweg Kinder missbraucht worden. Die beiden Beispiele zeigten auf, wie sich strukturelle Defizite im Kinderschutz und bei polizeilichen Entwicklungen auf die konkrete Arbeit an Fällen auswirkten.

Forderungskatalog für Kinderschutz

Rörig verlangte deshalb auch von den Ländern, mehr für den Schutz von Kindern zu tun. Einen konkreten Forderungskatalog brachte er gleich mit: So müsse es in jedem Bundesland einen Missbrauchsbeauftragten geben, so Rörig. Ziel müssten verbindliche und konkrete Maßnahmen zu Prävention und Intervention bei Missbrauch sein.

Laut Kriminalstatistik wurden - umgerechnet auf die Zahl der Einwohner - besonders viele Fälle von Missbrauch in Mecklenburg-Vorpommern (24 Fälle pro 100.000 Einwohner), Berlin (22 Fälle pro 100.000) erfasst; es folgen Brandenburg und Thüringen (21 Fälle pro 100.000).

Rörig fordert interdisziplinäre Zusammenarbeit

Vor Ort müsse die interdisziplinäre Zusammenarbeit aller Akteure verbessert werden, die sich mit Kinderschutz befassen, so Rörig weiter. Die Jugendämter müssten mehr Mitarbeiter erhalten, die dann auch besser bezahlt werden sollten.

Richter sollten weitergebildet werden - vor allem für die Bereiche, in denen Kinder und Jugendliche als Opfer angehört würden. Es müsse zudem Kompetenzzentren für Jugendschutzverfahren geben.

Rörig bekräftigte zudem seine Forderungen nach einem gesetzlich fundierten ergänzendem Hilfesystem, weil Missbrauchsbetroffene oft durch alle Raster fielen und keine finanzielle Unterstützung erhielten. Auch die derzeit stattfindende Reform des Opferentschädigungsgesetzes sehe keine Hilfen vor.

Er plädierte zudem dafür, eine flächendeckende Versorgung mit Traumaambulanzen sicherzustellen. Auch die Forschung zum Thema Missbrauch müsse ausgebaut werden. "Kinderschutz muss in jedem Bundesland Chefsache sein", so sein Appell.

Birgit Wilke
(KNA)

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