Dunkle Wolke über einer Jesus-Figur am Kreuz
Dunkle Wolke über einer Jesus-Figur am Kreuz
Papst Franziskus mit Vertretern der argentinischen Bischofskonferenz
Papst Franziskus mit Vertretern der argentinischen Bischofskonferenz

05.06.2019

Dutzendfacher Missbrauchsverdacht in Argentinien? Dunkler Schatten im Papst-Heimatland

Offenbar gab es in den vergangenen Jahrzehnten Dutzende Anschuldigungen wegen Missbrauchsfällen im Heimatland von Papst Franziskus. Das wird medial nun verbreitet. Die Aufarbeitung steht aber erst am Anfang.

Stimmen die Zahlen, die die argentinische Tageszeitung "La Nacion" recherchiert hat, dann gab es im Heimatland von Papst Franziskus in den vergangenen 20 Jahren mindestens 63 Anschuldigungen gegen katholische Geistliche wegen sexuellen Missbrauchs. Das jüngste Opfer soll drei Jahre alt gewesen sein, betroffen gewesen seien neben Pfarreien auch Kinderheime, Schulen und Priesterseminare.

Nach Erkenntnissen von "La Nacion" führten 17 Anschuldigungen zu juristischen Verurteilungen, 22 Fälle sind Teil laufender Verfahren, 20 wurden juristisch nicht geahndet. Der große Unterschied zu anderen Missbrauchsskandalen wie zum Beispiel in Deutschland, Chile oder den USA: In Argentinien gab es laut der Zeitung nie eine umfassende offizielle Untersuchung - weder vonseiten der Justiz noch vonseiten der Kirche.

Kirche tritt Flucht nach vorne an

Die argentinische Kirche tritt angesichts der Berichterstattung die Flucht nach vorne an. Bischof Sergio Buenanueva aus der Diözese San Francisco (Cordoba) räumte in einer Stellungnahme ein, es habe ein "krankes System in der Kirche gegeben, dass die Missbrauchsfälle vertuscht habe". Heute sei Prävention die größte Aufgabe der Kirche.

Das Thema sexueller Missbrauch nimmt in der argentinischen Öffentlichkeit langsam einen größeren Raum ein. Erst vor wenigen Wochen hatten Opfer sexuellen Missbrauchs durch Kirchenvertreter in Argentinien Papst Franziskus aufgefordert, sie in den Vatikan einzuladen. Wenn der Papst nicht nach Argentinien komme, müsse er die Opfer im Vatikan empfangen, forderte Peter Isley, Gründer des internationalen Netzwerks "Ending Clergy Abuse".

Die Leidtragenden aus Argentinien und anderen Ländern fordern Gerechtigkeit, wie Isley sagt. Der Papst sei aus irgendeinem Grund nicht in der Lage, mit den Betroffenen in seinem Heimatland eine Beziehung aufzubauen. Dabei spitzt sich die Lage immer weiter zu: Kürzlich hatten sich zahlreiche Aktivisten zu Protesten vor dem kirchlichen Institut Provolo in Mendoza eingefunden, das wegen eines Missbrauchsskandals Ziel von Ermittlungen ist. Mehrere Organisationen kündigten ähnliche Aktionen an.

Papst verschärft Kampf gegen Missbrauch

Franziskus selbst hatte die Kirchenrechtsnormen im Kampf gegen sexuellen Missbrauch durch Geistliche kürzlich verschärft. Das im Mai veröffentlichte neue Gesetz sieht neue Verfahrensweisen für die Strafanzeige vor und führt eine weltweite Anzeigepflicht ein.

Erstmals regelt es die Untersuchung gegen Bischöfe, die Ermittlungen vertuscht oder verschleppt haben. Es verpflichtet die kirchlichen Stellen, die staatlichen Strafermittler bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Zudem müssen alle Diözesen bis spätestens Juni 2020 ein leicht zugängliches Meldesystem für Anzeigen einrichten.

Zu den wichtigsten Neuerungen gehört ein Verfahren, um mögliche Unterlassungen von Verantwortlichen aufzuspüren. Für entsprechende Voruntersuchungen gegen Bischöfe erhalten die Metropolitan-Erzbischöfe eine besondere Rolle.

Um Verfahren zu beschleunigen, muss der Vatikan binnen 30 Tagen über den Stand der Voruntersuchungen informiert werden. Zudem werden alle Kleriker und Angehörigen von Ordensgemeinschaften auch rechtlich verpflichtet, Informationen über möglichen Missbrauch oder eventuelle Unterlassungen beim Kirchenoberen zu melden. Dies gilt künftig nicht mehr nur im Fall minderjähriger und schutzbefohlener Opfer, sondern auch, wenn Ordensfrauen sowie abhängige volljährige Seminaristen oder Ordensnovizen betroffen sind sowie im Fall von Kinderpornografie.

Die neuen Normen, die der Papst erließ, wurden vom Vatikan als weiteres Ergebnis des Anti-Missbrauchgipfels Ende Februar im Vatikan vorgestellt. Das sogenannte Motu Proprio trägt den Titel "Vos estis lux mundi" (Ihr seid das Licht der Welt). Die neuen Normen gelten zunächst für drei Jahre und traten am 1. Juni in Kraft. Die Auswirkungen werden auch in Argentinien spürbar sein.

Tobias Käufer
(KNA)

Gottesdienste auch auf Facebook und Youtube

DOMRADIO.DE überträgt live gestreamte Gottesdienste wie wochentägliche Frühmessen sowie die Sonntags- und Feiertagsmessen ab sofort auch auf Facebook und Youtube.

DURCH-ATMEN - Der neue Podcast

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Weihbischof Puff: täglicher Impuls und Fürbitten

Messenger-Gemeinde

Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Jeden Morgen von Montag bis Freitag on Air und Online: Schwester Katharina Hartleib aus Olpe begleitet Sie mit spirituellen Impulsen in den Tag.

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

 30.03.2020
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO - Der Morgen

  • Bonner Stadtdechant Picken über Corona
  • Gewinner in der Krise
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Was passiert, wenn Corona Syrien erreicht?
  • Wie gehen katholischen Bildungswerke mit Krise um?
  • Palmbrezeln für Palmsonntag backen
  • Wie Gemeinden im Rhein-Neuss-Kreis mit der Krise umgehen
  • Eric Clapton wird 75
  • Kölner Priesterseminar öffnet seine Türen für Wohnungslose
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Was passiert, wenn Corona Syrien erreicht?
  • Wie gehen katholischen Bildungswerke mit Krise um?
  • Palmbrezeln für Palmsonntag backen
  • Wie Gemeinden im Rhein-Neuss-Kreis mit der Krise umgehen
  • Eric Clapton wird 75
  • Kölner Priesterseminar öffnet seine Türen für Wohnungslose
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

18:30 - 19:30 Uhr

Gottesdienst

19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

  • Was geschieht, wenn Corona Syrien erreicht?
  • Warum die Schweden bei Corona anders handeln
  • Corona - Auswirkungen auf die Kirchensteuer
22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Passionsspiele 2020

Berichte, Bilder, Interviews und Videos aus Oberammergau.

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…