Broschüre zur Fortbildung für Missbrauchs- und Präventionsbeauftragte
Broschüre zur Fortbildung für Missbrauchs- und Präventionsbeauftragte

29.05.2019

Institut für den Kampf gegen sexuellen Missbrauch gegründet "Es gibt nichts Vergleichbares momentan"

Im September wird das neue Institut für Prävention und Aufarbeitung der Deutschen Bischofskonferenz seine Arbeit aufnehmen. Leiter wird der Präventionsbeauftragte im Erzbistum Köln, Oliver Vogt. Was erwartet ihn? 

DOMRADIO.DE: Werden Sie in Ihrem neuen Amt die Arbeit im Erzbistum Köln auf Bundesebene fortführen?

Oliver Vogt (Präventionsbeauftragter im Erzbistum Köln): Nein. Das neue Institut hat nicht die Aufgabe Einzelfälle zu verfolgen, sondern Grundsatzarbeit zu leisten. Es geht um eine Vernetzung zwischen Wissenschaft, Politik und Kirche. Wir wollen Standards entwickeln für den Umgang mit dem Thema Missbrauch und für dessen Aufarbeitung.

DOMRADIO.DE: Da ist einiges zu tun, oder?

Vogt: Davon gehe ich aus. Es gibt nichts Vergleichbares momentan. Deswegen ist zu erwarten, dass eine Menge Arbeit kommt. Wir müssen uns gut strukturieren. Wir werden uns aber dieser Herausforderung gerne stellen.

DOMRADIO.DE: Welche Punkte stehen ganz oben auf der Liste?

Vogt: Es gibt zwei große Themen, die wir zunächst angehen müssen: Den Bereich der Prävention – da ist die katholische Kirche im Vergleich zu anderen gesellschaftlichen Gruppierungen schon seit vielen Jahren sehr gut aufgestellt. Hier werden wir ermitteln, wie wirksam die Prävention ist. Da werden wir uns mit Wissenschaftlern vernetzen, die Ideen haben, wie man eine wirksame Forschung entwickeln kann.

Der andere Teil ist die notwendige Aufarbeitung von Fällen. Auch hier gibt es kaum Standards. Was heißt Aufarbeitung? Wie beteiligt man Betroffene an einer Aufarbeitung? Wie geht man mit Beschuldigten um? Wie geht man mit Systemen um, in denen Missbrauch passiert ist? Diese Fragen unter wissenschaftlicher Begleitung mit Unterstützung der Politik zu klären, werden die Aufgaben sein, die am Anfang stehen.

DOMRADIO.DE: Als Präventionsbeauftragter im Erzbistum Köln haben Sie einen Betroffenenbeirat eingeführt. Welche Rolle spielen die Betroffenen in Ihrer künftigen Arbeit?

Vogt: Meine Erfahrung, die ich hier in Köln als Interventionsbeauftragter gemacht habe, ist, dass man sich immer an den Interessen und Bedürfnissen der Betroffenen orientieren muss. Es ist überhaupt nicht zu vermitteln, wenn wir etwas machen und dabei nicht auf deren Interessen achten und diese berücksichtigen.

Hier in Köln hat der Betroffenenbeirat bereits mehrfach getagt. Auf Wunsch der Betroffenen sind noch keine Informationen an die Öffentlichkeit gegangen. Das ist eine Entscheidung der Betroffenen. Das muss im Institut, in jeder Diözese und in der katholischen Kirche insgesamt für die Zukunft die Handlungsleitlinie sein. Wir müssen uns an dem orientieren, was die Betroffenen zu sagen haben.

DOMRADIO.DE: Das heißt, Sie wollen auch Betroffene im Institut integrieren?

Vogt: Die Überlegung ist im Moment, dass wir einen Beirat für dieses Institut installieren. Dort können dann selbstverständlich auch Betroffene mitwirken, um auch ganz direkt Einfluss auf die zukünftige Arbeit nehmen zu können.

DOMRADIO.DE: Die Koordination der verschiedenen Bistümer dürfte nicht immer einfach sein. 

Vogt: Zunächst ist das Institut ein Angebot. Es wird gegründet unter der Federführung von Bischof Ackermann aus dem Bistum Trier heraus. Es bietet den Diözesen, den Gruppierungen, den Orden in Deutschland Unterstützung an. Das hat erstmal keine Durchgriffsrechte und das ist auch gut so.

Wir machen Angebote, wir entwickeln Ideen, wir vernetzen. Wir bringen Akteure zusammen, die bewusst nicht nur aus der Kirche kommen. Wie gesagt, Wissenschaftler sollen da mitwirken. Und wenn eine Diözese eine Unterstützungsleistung durch das Institut erwünscht, kann sie diese gerne abrufen. Aber das ist keine Verpflichtung.

DOMRADIO.DE: Diese fehlende Verpflichtung wird oft krtisiert und eine offizielle Meldepflicht gefordert. Wie stehen Sie dazu?

Vogt: Das ist ein sehr kritisches Thema. Zum einen ist es richtig, dass in dem Fall, wo eine Straftat im Raum steht, die Strafverfolgungsbehörden in Deutschland die einzige Institutionen sind, die diesem Vorwurf nachgehen können. Nur sie können entsprechende Maßnahmen einleiten. Eine Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungsbehörden ist also zwingend notwendig.

Pauschal zu sagen: "Es muss alles an die Staatsanwaltschaft gemeldet werden" ist aber kritisch, weil es um Persönlichkeitsrechte von Betroffenen geht. Das ist auch bei uns in den Leitlinien so festgelegt. Wenn diese Betroffenen keine Meldung möchten und sie das auch schriftlich begründen, sind wir zunächst daran gebunden. Und deswegen muss man sehr vorsichtig mit der Forderung nach einer pauschalen Meldung sein. Das hat Grenzen. Aber richtig ist natürlich, dass bei jedem Vorfall geprüft werden muss, ob die Staatsanwaltschaft einzuschalten ist. Keine Frage. Wir tun das im Erzbistum Köln sehr konsequent – außer in den von mir eben genannten Fällen.

DOMRADIO.DE: Der Projektleiter der im Herbst 2018 vorgelegten Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz, der Mannheimer Psychiater Prof. Harald Dreßing, hat die Kirche aufgefordert, die Verantwortung für den sexuellen Missbrauch an Kindern durch Kleriker zu übernehmen. Er meint damit Rücktritte. Was sagen Sie da als Leiter des zukünftigen Instituts, das ja als Folge dieser Studie entstanden ist?

Vogt: Ich kann den Eindruck nicht teilen, dass sich zu wenig tut. Den Eindruck, dass es nicht schnell genug geht und dass Schritte sehr lange brauchen, habe ich auch. Das liegt leider an dem System Kirche. Was die Rücktritte angeht: Auch das ist eine Forderung, die man pauschal so nicht in den Raum stellen kann. Natürlich müssen sich Verantwortliche, die dazu beigetragen haben, dass Missbrauch vertuscht und verdeckt wurde, Ihrer persönlichen Verantwortung stellen. Das kann ich nicht auf eine Institution abschieben. Dann kann es sein, dass eine solche Verantwortung mit einem Rücktritt endet.

Das Gespräch führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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