Ein Herbstblatt liegt neben einem Model des Hildesheimer Dom
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03.04.2019

Unabhängige Experten prüfen Vorwürfe gegen Ex-Bischof Janssen Hildesheim setzt auf schonungslose Aufklärung

Erneut sollen sich Experten der Frage widmen, ob auch ein deutscher Bischof unter den Missbrauchstätern war. Für das angeschlagene Bistum Hildesheim geht es dabei auch um die Wiederherstellung seiner Glaubwürdigkeit.

Die Aufarbeitung geht weiter: Unabhängige Experten sollen die Missbrauchsvorwürfe gegen den früheren Hildesheimer Bischof Heinrich Maria Janssen (1907-1988) untersuchen. Bischof Heiner Wilmer stellte dazu am Mittwoch vor Journalisten in Hildesheim eine unabhängige Expertengruppe vor. Das vierköpfige Gremium will eigenen Angaben zufolge bis 2020 eine umfassende Studie erstellen. Dazu sollten Akten aus dem Bistumsarchiv eingesehen sowie Betroffene und weitere Zeitzeugen interviewt werden. Untersuchungszeitraum sei die Amtszeit Janssens von 1957 bis 1982.

Die Leitung der Gruppe hat die ehemalige niedersächsische Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne). Ihr zur Seite stehen Gerhard Hackenschmied und Peter Mosser vom Münchener Institut für Praxisforschung- und Projektberatung (IPP), die 2017 schon einmal ein Gutachten zu Missbrauchsfällen im Bistum Hildesheim erstellt hatten. Weiterer Mitarbeiter ist der frühere Oberstaatsanwalt und ehemalige Leiter der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltung zur Aufklärung nationalsozialistischer Vergehen in Ludwigsburg, Kurt Schrimm.

Missbrauchstaten durch Lehrer und Geistliche

Bei der nun angestoßenen Aufarbeitung steht viel auf dem Spiel: Janssen, der über 20 Jahre lang an der Spitze des Bistums Hildesheims stand, ist der erste deutsche Bischof, der als Missbrauchstäter beschuldigt wird. Die Vorwürfe stammen aus zwei Quellen. Zum einen hatte sich im vergangenen Jahr ein Mitte 70-jähriger Mann an die Diözese gewandt.

Der frühere Bewohner eines kirchlichen Kinderheims berichtete, dass ihn Janssen Ende der 1950er-Jahre aufgefordert habe, sich nackt vor ihm auszuziehen. Anschließend habe er ihn mit den Worten weggeschickt, er könne ihn nicht gebrauchen. Der Mann schilderte weitere Missbrauchstaten durch Lehrer und Geistliche in den früheren Hildesheimer Kinderheimen Bernwardshof und Johannishof. Zum Bischof gebracht und wieder abgeholt wurde er seinen Angaben zufolge durch den Priester, der den Bernwardshof leitete.

Licht in das Dunkel bringen

Damit steht auch der Vorwurf im Raum, dass es ein Beziehungsgeflecht der mutmaßlichen Täter untereinander gab. Auch das wollen die Experten nun untersuchen. Zum anderen hatte sich bereits 2015 ein ehemaliger Ministrant an das Bistum Hildesheim gewandt und berichtet, Janssen habe ihn zwischen 1958 und 1963 sexuell missbraucht. Dieser Vorwurf wurde bereits in einem 2017 veröffentlichten IPP-Gutachten untersucht. Es konnte ihn weder beweisen noch entkräften. Möglicherweise kann die nun angestoßene Untersuchung Licht in das Dunkel bringen.

Für das Bistum Hildesheim geht es letztlich darum, verlorenes Vertrauen wiederherzustellen. Die Causa Janssen ist längst nicht der einzige mutmaßliche Missbrauchsfall, der auf der Diözese lastet: Ein weiterer Schwerpunkt des früheren IPP-Gutachtens waren die Vorwürfe gegen den Priester Peter R.. Der frühere Jesuitenpater gilt als einer der Haupttäter im Missbrauchsskandal am Berliner Canisiuskolleg und war später bis 2003 unter anderem als Jugendseelsorger im Bistum Hildesheim tätig. In dieser Zeit soll er weitere Jugendliche sexuell missbraucht haben.

"In der DNA der Kirche"

Die Autoren des IPP-Gutachtens bescheinigten dem Bistum Hildesheim seinerzeit schwere Versäumnisse im Umgang mit dem Fall Peter R.. Er lebt heute als Ruheständler in Berlin, wo ihm ein Kirchengericht bereits die Ausübung priesterlicher Tätigkeiten verbot. Aktuell steht die Verkündung eines weiteren Urteils aus. Seit Veröffentlichung des Gutachtens hat sich in der Diözese Hildesheim einiges geändert. Handlungsempfehlungen der Autoren wurden weitgehend aufgegriffen und beispielsweise unabhängige Ansprechpersonen für Missbrauchsopfer benannt.

Bischof Wilmer, der erst seit September 2018 im Amt ist, gilt als schonungsloser Aufklärer und Reformer. Mit seiner Aussage, der Missbrauch von Macht stecke "in der DNA der Kirche", machte sich Wilmer unter den deutschen Bischöfen nicht nur Freunde. Der nun neuerlich angestoßene Aufklärungsprozess ist Ausdruck seines Willens zu Transparenz und Veränderung - und damit ein Schritt mit Signalwirkung.

(KNA)

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