Thomas Sternberg
Thomas Sternberg

10.03.2019

ZdK-Präsident Sternberg nach Gesprächen im Vatikan "Kirche braucht Reformen, um wieder Vertrauen zu finden"

Das Zdk-Präsidium erörterte in Gesprächen im Vatikan die Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal. ZdK-Präsident Sternberg mahnt eine gründliche Aufarbeitung und Umkehr an, ohne die die Kirche ihre Glaubwürdigkeit nicht zurückerlangen könne.

KNA (Katholische-Nachrichten-Agentur): Herr Sternberg, hat man im Vatikan begriffen, wie groß der Glaubwürdigkeitsverlust der katholischen Kirche in Deutschland nach dem Missbrauchsskandal ist?

Thomas Sternberg (Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken): Den Eindruck hatten wir. Es gab ein beeindruckendes Gespräch mit Pater Hans Zollner, der die Kinderschutzkonferenz im Vatikan mit vorbereitet hatte. Er hat schonungslos die Problemlagen geschildert, aber auch deutlich gemacht, mit welcher Energie man das Problem angeht. Das wichtigste Ergebnis der Konferenz im Februar war, dass inzwischen alle Bischofskonferenzen einsehen, dass es nicht um ein regionales Problem einiger dekadenter westlicher Demokratien geht.

Bei unseren internen Präsidiumssitzungen in Rom erörterten wir auch, wie wir bei konkreten Schritten der Deutschen Bischofskonferenz mitwirken können. Der Vertrauensverlust wirkt in innerste Kirchenkreise hinein. Alle, denen diese Kirche am Herzen liegt, werden deutlich machen müssen, dass eine Umkehr stattfindet und eine extrem gründliche Aufarbeitung geschieht.

KNA: In Deutschland wurde der Wunsch laut, jetzt müsse auch über Fragen wie Homosexualität, Zölibat und Zulassung zu Ämtern gesprochen werden. Haben Sie im Vatikan Signale vernommen, dass eine solche Debatte gewünscht wird?

Sternberg: Die Fachleute sind sich einig, dass man einfache Linien zwischen Zölibat und Missbrauch nicht ziehen kann, aber mit dem Umgang mit Sexualität sehr wohl; und so stehen die Themen doch im Zusammenhang. Vielleicht werden wir ja schon bald mehr verheiratete Priester haben. Auch in Rom kann man sich nicht der Erkenntnis entziehen, dass es auch systemische Reformen braucht: der Umgang mit Homosexualität als eines der großen reformbedürftigen Probleme, Sexualität und Sexualmoral allgemein. Aber Rom gibt nur Richtlinien vor; die Umsetzung ist Sache der Bischofskonferenzen.

Auch die Deutsche Bischofskonferenz kann sich bestärkt fühlen, wenn sie jetzt wirklich auf Reformen zugeht. Da wird Druck der verärgerten und enttäuschten Laien und überhaupt der Öffentlichkeit helfen. Vertrauen wiederzugewinnen, ist ein langwieriger Prozess. Laien und Bischöfe, denen es darum zu tun ist, werden vorbehaltlos auch solche Reformansätze prüfen, die Überkommenes in Frage stellen.

KNA: Wie könnten solche Änderungen aussehen?

Sternberg: Verwaltungsordnungen beispielsweise, Gewaltenteilung in der Kirche - das ist keineswegs nebensächlich. Was man als Klerikalismus beschreibt, findet seinen Nährboden ja auch in unklaren Verwaltungskonzepten. Insofern wäre schon Aufbau einer kirchlichen Verwaltungsgerichtsbarkeit ein großer Schritt. Zusätzlich brauchen wir eine weitere Stärkung der Stellung von Frauen, auch in Führungspositionen, eine noch bessere Ausbildung von Klerikern und Laien und anderes mehr. Man muss wahrnehmen, dass die Kirche Reformen braucht, um wieder Vertrauen zu finden.

KNA: Haben die Bischöfe für eine offene Reformdebatte die nötige Freiheit und Rückendeckung aus dem Vatikan?

Sternberg: Offenbar ist einiges anders geworden. Auch hier in Rom wird mit einer Offenheit diskutiert, wie wir das noch vor zwei Jahren nicht gekannt haben. Und das betrifft nicht nur die Missbrauchsthematik. Wir hatten ja auch andere Themen hier. Wir haben mit Kardinal Kurt Koch über Impulse beim nächsten Ökumenischen Kirchentag 2021 gesprochen, mit Kardinal Walter Kasper über Ökumene und die Eucharistiefrage; nicht zuletzt auch mit dem Glaubenspräfekten Kardinal Luis Ladaria über die Zukunft einer freien Theologie an den deutschen Fakultäten.

Bei aller Aufgewühltheit wegen des Missbrauchs gibt es dann auch so etwas Bewegendes wie den Besuch bei der Gemeinschaft Sant'Egidio. Wenn man dort das Abendgebet erlebt und die Ehrenamtlichen, die Obdachlose betreuen - dann denkt man: Das ist doch auch unsere Kirche - und für die werden wir weiter arbeiten.

KNA: Im Streit um die Lehrerlaubnis für den Jesuiten Ansgar Wucherpfennig sah es so aus, als ob aus der Glaubenskongregation ein schärferer Wind weht. Was war Ihr Eindruck von Kardinal Ladaria?

Sternberg: Ladaria spricht hervorragend Deutsch und nimmt dadurch auch deutsche Theologie zur Kenntnis - was in Rom nicht mehr selbstverständlich ist. Ich nehme ihm seine Hochschätzung ab. Wir haben ihm die Besorgnis deutscher Theologinnen und Theologen vorgetragen und von ihm die Zusicherung bekommen, dass die Freiheit der Theologie an staatlichen Fakultäten für ihn ein hohes Gut ist.

KNA: Die Kommunionzulassung nichtkatholischer Ehepartner sorgte vergangenes Jahr in Deutschland für Kontroversen. War das hier noch mal ein Thema?

Sternberg: In Rom scheint man den Streit in der Deutschen Bischofskonferenz nicht recht nachvollziehen zu können; aber wohl auch nicht die große Bedeutung, die das Thema für uns hat. Eine Kritik lautet, man sollte nicht beim Kirchenrecht ansetzen. Der kirchenrechtliche Ansatz scheint aus römischer Sicht ein sehr deutscher Zugang. Die gute Praxis des Eucharistieempfangs der konfessionsverschiedenen Ehen in unseren Gemeinden gibt es auch anderswo, und dafür setzen wir uns ein.

Burkhard Jürgens
(KNA)

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