Kardinal George Pell umringt von Medienvertretern
Kardinal George Pell vor dem Gericht in Melbourne

27.02.2019

Fragen und Antworten zum Fall George Pell Es drohen bis zu 50 Jahre Haft

Einer der einst mächtigsten Männer des Vatikan ist in Australien wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt worden. Einige der wichtigsten Fragen und Antworten zum Fall von Kurienkardinal George Pell im Überblick.

Wofür ist Pell schuldig gesprochen worden?

Es waren insgesamt zwei Prozesse mit mehreren Anklagepunkten gegen den früheren Erzbischof von Melbourne angesetzt; sie lauteten auf sexuellen Missbrauch, Nötigung und sexuelle Belästigung. Im nun bekanntgewordenen Urteil von Dezember sah das Gericht es als erwiesen an, dass Pell Mitte der 1990er Jahre einen 13-Jährigen in der Kathedrale von Melbourne zum Oralsex gezwungen und einen weiteren schwer sexuell genötigt habe. Später habe er einen der Jungen weiter belästigt.

Der Kardinal plädierte vor Gericht auf unschuldig und weist weiterhin alle Vorwürfe zurück. Einer der beiden Jungen von damals ist mittlerweile tot, offenbar an einer Überdosis Drogen gestorben. Der andere sagte gegen den Kardinal vor Gericht aus. Pells Verteidiger haben angekündigt, in Berufung zu gehen.

Warum wurde das Urteil erst jetzt bekannt?

Einige australische Bundesstaaten verhängen für wichtige Prozesse extrem strenge Nachrichtensperren, um eine Beeinflussung der Geschworenen zu unterbinden. Daher blieb auch das bereits im Dezember gefallene Pell-Urteil über zwei Monate unveröffentlicht. Zuwiderhandelnden Medien drohten harte Strafen. Erst als nun der zweite Prozess gegen Pell fallengelassen wurde, fiel auch die Nachrichtensperre.

Mit welchen Konsequenzen muss Pell in Australien rechnen?

Ab Mittwoch wird über das Strafmaß verhandelt. Mindestens solange kann Pell gegen Kaution auf freiem Fuß bleiben. Sollte in allen Anklagepunkten die Höchststrafe verhängt werden, drohen dem Kardinal bis zu 50 Jahre Haft. Spätestens Mitte März soll die Strafe verkündet werden.

Was wird innerkirchlich aus Pell?

Der Fall ähnelt dem des früheren Washingtoner Erzbischofs Theodore McCarrick (88), der kürzlich erst aus dem Kardinalsstand und dann auch aus dem Klerikerstand entlassen wurde. Wenn die Vorwürfe gegen Pell auch bei der Römischen Glaubenskongregation zu einer Anzeige führen, wird diese gegebenenfalls ein eigenes Verfahren eröffnen. Die Kirchenrichter können die Ermittlungen der australischen Justiz als Beweismaterial verwenden. Als kirchliche Höchststrafe droht Pell die Entlassung aus dem Klerikerstand. Bereits zuvor kann der Papst Pell zwingen, seinen Kardinalstitel niederzulegen und sich für den Rest seines Lebens in Gebet und Buße zurückzuziehen.

Sofortige Konsequenzen hat Papst Franziskus am Dienstag nicht gezogen. Pell habe ein Recht auf Verteidigung bis zur letzten Instanz, so der Vatikan. Einstweilen sind dem Kardinal die öffentliche Ausübung seines Amtes sowie jeglicher Kontakt mit Minderjährigen verboten. Am Tag nach dem unter Ausschluss der Medienöffentlichkeit verkündeten Urteil hatte Franziskus Pell im Dezember aus seinem Kardinalsrat für die Kirchenreform entlassen.

Seine reguläre fünfjährige Amtszeit als Präfekt des vatikanischen Wirtschaftssekretariates ("Finanzchef des Vatikan") ist ohnehin seit kurzem abgelaufen. Der Papst könnte daher ohne förmliche Entlassung Pells einen Nachfolger ernennen.

Was bedeutet der Fall für Papst Franziskus?

Kaum hat Franziskus seinen mit großen Hoffnungen erwarteten Anti-Missbrauchsgipfel beendet und für die aus Sicht vieler Beobachter wenig konkreten Ergebnisse heftige Kritik geerntet, da kommt mit dem Pell-Urteil der nächste Naheinschlag. Der australische Kurienkardinal ist der bisher höchstrangige weltlich verurteilte Missbrauchstäter in der katholischen Kirche. Wie schon der Fall McCarrick untergraben immer neue bekanntwerdende Fälle auch die Autorität des Kirchenoberhaupts.

Dabei war Franziskus 2013 mit einer völlig anderen Agenda angetreten: Er wirbt seither für eine barmherzige Kirche, die aus der Sakristei herausgeht, sich den Armen zuwendet und im Dienst an ihnen Beulen und Gebrauchsspuren bekommt. Dieses Programm, das sich von Anfang an entschieden auch gegen Macht- und Amtsmissbrauch durch Priester wandte, droht durch die Flutwellen von sexuellen Missbrauchsfällen fortgeschwemmt zu werden. Das Ansehen der katholischen Kirche weltweit hat großen Schaden genommen.

Alexander Brüggemann
(KNA)

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