Konsterniert: Kardinal Marx und Bischof Ackermann
Konsterniert: Kardinal Marx und Bischof Ackermann

22.02.2019

Marx hofft bei Vatikangipfel auf Selbstverpflichtung der Bischöfe "Das wäre ein starkes Zeichen"

In einem Fernsehinterview erklärte Kardinal Marx als Vorsitzender der Deutschen Bischöfe, dass er sich von dem Kinderschutzgipfel im Vatikan erhoffe, dass sich alle Bischöfe gemeinsam für Konsequenzen verpflichteten.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Rainhard Marx, wünscht sich als ein Ergebnis des Anti-Missbrauchsgipfels eine Selbstverpflichtung der Amtsträger. "Ich hoffe, dass wir am Ende (...) eine Art Commitment der Bischöfe machen, dass wir gemeinsam uns bewusst sind, was hier passiert ist, dass wir das gesehen haben, und dass wir daraus Konsequenzen ziehen, dass wir lernen wollen daraus", sagte er am Donnerstagabend im Interview der ARD-"Tagesthemen". "Das wäre ein starkes Zeichen, ein Impuls auch in die Gesellschaft." Der Kindesmissbrauch sei ein "globales Problem" und "eine schreckliche Herausforderung für die ganze Welt", sagte Marx.

Der Münchner Erzbischof wird am Samstag bei der viertägigen internationalen Vatikan-Konferenz sprechen. Eine Abschlusserklärung ist für den Gipfel mit 190 Teilnehmern nicht geplant. Papst Franziskus, der zu dem Treffen unter anderen alle Konferenz-Vorsitzenden einberufen hatte, will am Sonntag die Ergebnisse in einer Grundsatzrede zusammenfassen.

Marx ist davon überzeugt, dass es ein Ergebnis geben werde

Marx zeigte sich überzeugt, der Gipfel werde "nicht ohne Ergebnis sein, das spüre ich jetzt schon". Die Kirche werde "mit konkreten Perspektiven weitergehen", wie es der Papst schon mit seinen 21 Denkanstößen zum Auftakt der Konferenz am Donnerstag getan habe. "Ich verstehe diese Konferenz als eine Station auf einem Weg, der weitergehen muss", sagte Marx. Es sei sehr wichtig, dass die Bischöfe weltweit "klar" seien, dass das Übel des Missbrauchs überwunden werden müsse. "Dazu brauchen wir einen neuen und starken Impuls. Wir sind schon einen Weg gegangen, aber es muss intensiver weitergearbeitet werden."

Eine Abschaffung des Zölibats als Präventionsmaßnahme wies Marx zurück. "Man wird über die Lebensform der Priester sprechen, aber ich glaube nicht, dass das der einzige Punkt ist, an dem der Missbrauch überwunden wird", so der Erzbischof. "Dann gäbe es ja Missbrauch bei Verheirateten nicht." Dennoch müsse sich die Kirche verändern: authentischer, demütiger und achtsamer werden, forderte Marx.

Schuldbekenntnis gegenüber Missbrauchsopfern

Der Kardinal hob die Bedeutung eines Schuldbekenntnisses gegenüber Missbrauchsopfern hervor. Dies werde wohl am Samstag in der Bußliturgie im Vatikan erfolgen. Die deutsche Kirche habe das bereits vor einigen Jahren getan. "Es ist auch notwendig, das immer wieder zu tun."

Zum Umgang mit Missbrauchsvorwürfen unterstrich Marx, diese müssten gemäß den Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz von 2010 zunächst in einem zivilen Prozess geklärt werden. Erst dann folge ein kirchliches Verfahren. Fest stehe: "Einer, der eine Gefährdung ist, der Missbrauchstäter ist, kann nicht in der weiteren Arbeit der Seelsorge der Kirche tätig sein", betonte der Kardinal.

(KNA)

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