Johannes-Wilhelm Rörig, Missbrauchsbeauftragter der Bundesregierung
Johannes-Wilhelm Rörig, Missbrauchsbeauftragter der Bundesregierung
Die Studie
Die Studie

20.02.2019

Missbrauchsbeauftragter zum Anti-Missbrauchsgipfel "Ein Beschluss auf Papier wäre schön"

Die katholische Welt und auch der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung schielen an diesem Donnerstag nach Rom, wo Experten, Bischöfe und der Papst über Missbrauch in der Kirche sprechen. Er erhofft sich vor allem "handfeste" Ergebnisse.

DOMRADIO.DE: Am vergangenen Montag hat der Chef-Aufklärer im Vatikan, Erzbischof Scicluna, gesagt, mit dem Gipfel werde ein Wendepunkt eingeleitet. Halten Sie das für glaubwürdig?

Johannes-Wilhelm Rörig (Missbrauchsbeauftragter der Bundesregierung): Ich hoffe sehr, dass der Gipfel einen positiven Wendepunkt bringt. Wenn er das nicht tut, glaube ich, könnte der Gipfel sogar ein historisches Fiasko werden. Die katholische Kirche braucht einen Wendepunkt im Kampf gegen Missbrauch. Wir brauchen dringend positive Folgen für Prävention, Intervention, Hilfen und Anerkennung von Unrecht.

DOMRADIO.DE: Vieles wurde bei der Kirche in den vergangenen Jahren unter den Teppich gekehrt, Akten verschwanden. Immer noch gibt es mächtige Seilschaften, die sich gegen eine Aufklärung stemmen. Kann die Kirche Aufarbeitung überhaupt aus eigener Kraft leisten?

Rörig: Ich glaube sicher, dass alle Institutionen und auch die katholische Kirche dringend Unterstützung bei der Aufarbeitung durch Externe und auch von staatlicher Seite benötigen. Die Aufarbeitung in Form von Untersuchungen von Tatsachen, Ursachen und Folgen von Missbrauch, braucht ganz klare Regeln, Standards und Kriterien. Zum Beispiel für die Betroffenenbeteiligung, aber auch für umfassenden Persönlichkeitsschutz und Datenschutz. Betroffene müssen auch vor Retraumatisierungen und vermeidbaren weiteren Belastungen in so einem sehr schwierigen Aufarbeitungprozess geschützt werden. Deswegen sollten verbindliche Standards vereinbart werden. Da kann beispielsweise in Deutschland der Staat helfen. Daran arbeiten wir auch seit der Bekanntgabe der MHG-Studie, dem Report eines Forschungskonsortiums der Universitäten Mannheim, Heidelberg und Gießen, der von der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegeben und im September 2018 in Fulda veröffentlich wurde.

DOMRADIO.DE: Immer wurde in den vergangenen Tagen vor allem im Vatikan betont, es solle um mehr Bewusstsein bei diesem Thema gehen. Reicht hier denn Bewusstsein?

Rörig: Ich hoffe natürlich für die Betroffenen und für alle engagierten Katholiken und Katholikinnen, dass handfeste Ergebnisse herauskommen und es nicht beim intellektuellen Austausch von Kardinälen und Bischöfen bleibt. Ich finde, die Chefetage der katholischen Kirche muss in den kommenden Tagen der Welt wirklich ein glaubwürdiges und authentisches Bekenntnis verkünden, dass die katholische Kirche Schuld auf sich geladen hat und dass diese Schuld ohne Wenn und Aber abgetragen werden muss - egal wie schmerzhaft und schwierig dieser Weg sicherlich sein wird.

DOMRADIO.DE: Unter den 190 Teilnehmern sind nur zehn Frauen. Wäre es wichtig gewesen, mehr Frauen an der Konferenz und der Aufarbeitung zu beteiligen. Hätte das Einfluss auf das Ergebnis?

Rörig: Das kann ich nicht einschätzen. Aber insgesamt muss die Rolle der Frau in der katholischen Kirche sicherlich überdacht werden. Es wäre wichtig, wenn es auch ein Ergebnis des Gipfels wäre, dass innerkirchliche Reformen zügig angegangen werden. Die MHG-Studie hat auch beschrieben, dass der Missbrauch auf innerkirchliche katholische Strukturen zurückgeht und neben dem Klerikalismus und der überkommenen Sexualmoral vielleicht auch die Rolle der Frau neu überdacht werden muss. Das wird dann vielleicht in Zukunft die Strukturen auch ändern.

DOMRADIO.DE: Gibt es Aspekte, die Sie bei der Konferenz vermissen?

Rörig: Ich hätte mir von Anfang an und in der Konzeption der mehrtägigen Tagung eine noch viel stärkere Beteiligung von Betroffenen erhofft. Da ist aber auch einiges in Bewegung und mir wird von viel Dynamik aus Rom berichtet, sodass ich hoffe, dass dieser Krisengipfel wirklich zu einem guten Ergebnis kommt und wir weltweit zu einer umfassenden Aufklärung und Aufarbeitung der sexuellen Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im kirchlichen, im katholischen Kontext kommen.

DOMRADIO.DE: Sie erwähnen gerade schon das gute Ergebnis. Was müsste denn für Sie bei dieser Konferenz herauskommen, dass Sie am Ende den Gipfel als erfolgreich bewerten?

Rörig: Ich würde mich natürlich über einen Beschluss freuen, der seinen Weg auch auf Papier findet. Darin sollte stehen, dass Aufarbeitung unumkehrbar vorangetrieben wird, dass Betroffenen geholfen wird, dass Entschädigungen geleistet werden, dass Betroffenen auch Rechte eingeräumt werden und sie vor allen Dingen in Zukunft nicht mehr als Störer oder Bittsteller behandelt werden. Wichtig würde ich noch finden, dass man beabsichtigt und das auch formuliert, dass Aufarbeitungskommissionen in den Bistümern eingerichtet werden und dass innerkirchlich Strukturen zügig reformiert werden.

Das Interview führte Julia Reck.

(DR)

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