16.05.2011

Deutsche Bischöfe zufrieden mit neuen Missbrauchs-Richtlinien "Bestätigung für eingeschlagenen Weg"

Die Deutsche Bischofskonferenz sieht sich durch die neuen Leitlinien aus Rom in ihrer bisherigen Arbeit bestätigt. Im Interview mit domradio.de spricht der Missbrauchsbeauftragte, der Trierer Bischof Stefan Ackermann, von einer "Bestätigung für den eingeschlagenen Weg".

domradio.de: Inwieweit hilft Ihnen diese Papier aus Rom und was steht drin?
Ackermann: Zunächst einmal freut mich natürlich, dass das, was in dem Papier steht, wirklich ganz mit dem übereinstimmt, was wir in den Leitlinien festgelegt haben. Dass also dieses Schreiben der Glaubenskongregation auch eine Bestätigung ist für den Weg, den wir eingeschlagen haben. Das Rundschreiben weist - und das glaube ich ist natürlich schon gut - auch nochmal darauf hin, klar den Blick auf die Opfer in den Vordergrund zu stellen, die Präventionsarbeit zu verstärken in den Bistümern und auch in der Ausbildung der Priester und Ordensleute ganz stark auf die menschliche, spirituelle Qualifikation der Kandidaten zu schauen. Dinge, die uns ja auch wichtig sind. Das wird hier noch einmal eigens gesagt. Insofern ist das Rundschreiben eine Hilfe, auch um Leitlinien zu erstellen für Bischofskonferenzen, gegebenenfalls auch noch einmal Leitlinien zu überarbeiten.

domradio.de: Das Papier soll ein koordiniertes und wirksames Vorgehen der katholischen Kirche im Kampf gegen sexuellen Missbrauch ermöglichen heißt es. Der Vatikan verpflichtet die Bischofskonferenzen weltweit zur Ausarbeitung von Richtlinien. Haben wir eigentlich nicht schon genug von solchen Papieren?  
Ackermann: Ich denke, dass an diesem Punkt sehr wichtig ist, dass es wirklich ein gemeinsames Vorgehen gibt, dass man sich abstimmt. Natürlich bleibt die Verantwortung beim einzelnen Diözesanbischof. Aber die Glaubenskongregation macht ganz deutlich: Es ist wichtig, sich abzustimmen. Das hier ist nicht irgendein Papier. Auch wenn die Kongregation das Rundschreiben nicht als Rechtstext im engen Sinne versteht: Sie sagt, es sind Konkretisierungen der Normen. Und sie erbittet auch bis spätestens Mai nächsten Jahres von den einzelnen Bischofskonferenzen Leitlinien, um zu schauen: Wie ist das, was in diesem Papier gesagt worden ist, auch umgesetzt vor Ort?

domradio.de: Ein Thema war im vergangenen Jahr sehr umstritten. Nämlich die Zusammenarbeit zwischen Kirche und Strafverfolgungsbehörden. In dem jetzigen Rundbrief der Glaubenskongregation steht, dass Missbrauchsfälle weltweit der Polizei gemeldet werden sollten. Da steht aber nicht zu welchem Zeitpunkt. Ist das zu viel Ermessensspielraum für die Bischöfe?
Ackermann: Nein. Ich glaube, das ist dem weltkirchlichen Charakter des Rundschreibens geschuldet, dass die Kongregation eindeutig sagt: Es sind die länderspezifischen Vorgaben zu beachten. Das heißt aber, es wird an zwei Stellen darauf hingewiesen: Da, wo es eine Unterrichtungspflicht für den Staat gibt, da muss sie eingehalten werden. Das heißt, Rom legt ganz starken Wert darauf, auch die staatliche Gesetzgebung zu beachten, dass sie nicht in Konkurrenz tritt zur kirchlichen Gesetzgebung. Das war ja der Punkt, der im vergangenen Jahr besonders auch hier von Seiten der Justizministerin kritisiert worden ist, dass es da Unklarheiten gab, bzw. Missverständnisse. Aber da ist Rom auch ganz eindeutig: Die Bischofskonferenzen haben sich an das staatliche Recht zu halten. Das ist an Deutlichkeit nicht zu überbieten. Insofern gibt es da nur den Spielraum, den die Gesetzgebungen in den einzelnen Ländern haben.  

domradio.de: In dem Rundschreiben gibt es detaillierte Hinweise zum Verfahrensablauf, unter anderem auch: Sollten die kirchlichen Autoritäten sich dazu verpflichten den Opfern seelsorgerische und psychologische Hilfe anzubieten. Das steht jetzt in dem Papier aus dem Vatikan. Von Entschädigungszahlungen ist da nicht die Rede. Fehlt das?
Ackermann: Das ist richtig. Das ist sozusagen dann eher inklusiv verstanden. Also, was braucht es an Hilfen für die Opfer? Das ist natürlich auch in den einzelnen Ländern sicher sehr unterschiedlich. Von daher verstehe ich das so, dass man das nicht einfach außen vor gelassen hat. Aber man versucht natürlich dieses Schreiben so zu formulieren, dass es eben adaptionsfähig ist auf die verschiedenen Situationen. Und die sind ja durchaus unterschiedlich. Wenn man etwa schaut: Amerika, Österreich und Deutschland, da kann man das glaube ich gut ermessen.  

domradio.de: In Deutschland ist es rund um das Thema Missbrauch in der katholischen Kirche etwas ruhiger geworden. Führen Sie das auch auf Ihre klaren Richtlinien zurück?
Ackermann: Ich glaube schon, dass deutlich geworden ist, dass wir das Thema systematisch und mit großem Ernst angegangen haben. Dass wir es nicht auf die lange Bank geschoben haben und dass wir wirklich auch Fortschritte in der Aufklärungsarbeit und der ganzen Thematik - auch etwa der Frage der materiellen Anmerkungen - erzielt haben. Auch wenn es natürlich Unzufriedenheiten von bestimmten Personen und Gruppen gibt. Aber ich glaube das ist deutlich geworden und von daher bin ich in dem Sinne froh, dass es sozusagen sachlicher und ruhiger zugeht. Das heißt nicht, dass ich froh darüber bin, dass jetzt einfach Ruhe einkehrt. Aber ich glaube schon, dass die Öffentlichkeit auch gespürt hat, hier sind wirklich Fortschritte erzielt worden. Freilich müssen wir natürlich auch in den nächsten Jahren gucken, dass das, was wir an Ordnungen jetzt erlassen haben, auch konsequent durchgeführt wird. Insofern ist die Arbeit nicht jetzt einfach am Ende.  

domradio.de: Sie haben vor ein paar Monaten auch gesagt: Wir werden die Ursachen von sexuellem Missbrauch auch von Kriminologen und forensischen Psychiatern wissenschaftlich erforschen lassen. Ist da schon was passiert?
Ackermann: Genau das ist das vierte große Projekt, das wir uns vorgenommen haben: Die Untersuchung der forensisch-psychiatrischen Gutachten, die in den letzten zehn Jahren erstellt worden sind, hat schon begonnen. Und dieses Projekt der kriminologischen Aufarbeitung wird im Moment noch präzisiert, sozusagen vertragsfertig gemacht. Ich gehe aber davon aus, dass das auch jetzt bis zum Sommer soweit ist, dass dann dieses Projekt starten kann. So dass wir uns wirklich auch dieses Themas zuwenden, um auch für den Blick nach vorne, das heißt für die Präventionsarbeit, Hilfen zu gewinnen: Wie kam es zu diesen Untaten, zu diesen Verbrechen und was können Mittel sein, um stärker vorher auch zu sehen, wie kann man Situationen vermeiden, die dann Missbrauch begünstigen.  

Das Gespräch führte Uta Vorbrodt.

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