Symbolbild Missbrauch in der Kirche
Symbolbild Missbrauch

16.05.2021

Sexueller Missbrauch in Kirchen: Ruf nach externer Aufarbeitung "Alles auf den Tisch legen"

Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Kirche pochen auf eine unabhängige und externe Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs. Die Mauer des Schweigens sei zwar gebrochen worden, eine rein innerkirchliche Aufarbeitung reiche jedoch nicht aus.  

Die stellvertretende Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Ulrike Scherf, zeigt sich bestürzt über die neuen Entwicklungen bei der Aufarbeitung von Missbrauch in der evangelischen Kirche. "Dass der erst im September gegründete Betroffenenbeirat vorläufig ausgesetzt wurde, wirft uns zurück", sagte sie am Samstag beim Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt. Scherf begrüßte, dass der Konflikt nun extern untersucht werde, um Betroffene besser einzubinden. Laut Evangelischer Kirche ist es das Ziel, noch in diesem Jahr zu einem Ergebnis zu kommen, um die Perspektive der Betroffenen künftig besser einbeziehen zu können.

"Es ist auch eine staatliche Aufgabe"

Die Kirchen können nach Einschätzung der Präsidentin des Bundesgerichtshofs (BGH), Bettina Limperg, die Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch nicht alleine bewältigen. "Man kann die Kirchen hier nicht alleine lassen, es ist auch eine staatliche Aufgabe", sagte Limperg am Samstag beim Ökumenischen Kirchentag. So müssten die Staatsanwaltschaften wo immer möglich tätig werden.

Limperg, die auch Präsidentin des Ökumenischen Kirchentags ist, bezeichnete Missbrauch und sexualisierte Gewalt als eines der brutalsten Verbrechen, das Menschen anderen antun können. Als Richterin habe sie vielfach erlebt, welche langwirkenden und furchtbaren Folgen Missbrauch für die Betroffenen haben könne. Sie rief die Kirchen auf, "alles auf den Tisch zu legen" und alle Energie in Aufarbeitung und Prävention zu investieren. Das jüngste Aus für den Betroffenenbeirat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) habe zu einer sehr schwierigen Situation geführt.

Externe Aufarbeitung notwendig

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, sprach sich für die Berufung eines unabhängigen Beauftragten für die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der evangelischen Kirche aus. "Es hat extrem viel Mühe bei der Aufarbeitung gegeben und den ehrlichen Versuch, es gut zu machen", sagte das Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). "Jetzt haben wir festgestellt: Es reicht nicht."

Scharfe Kritik an der Missbrauchsaufarbeitung in der katholischen Kirche äußert die Journalistin und Buchautorin Christiane Florin. Spätestens seit 2010 hätten viele Verantwortliche wissen müssen, dass es sich nicht um einzelne Missbrauchsfälle handele, sondern um ein systemisches Versagen, sagte die Redakteurin für Religion und Gesellschaft beim Deutschlandfunk. Kaum ein Bischof oder Verantwortlicher habe in den vergangenen zehn Jahren persönliche Verantwortung für Fehler oder Vertuschen übernommen. Fehler seien, wenn überhaupt, immer nur auf äußeren Druck hin eingestanden worden.

Florin betonte, Gutgläubige trügen vielfach durch Wegsehen dazu bei, das System von Machtmissbrauch und sexualisierter Gewalt zu stabilisieren. Sie seien zu "Komplizen" geworden, weil sie sich nicht gegen ein autoritäres System wehrten, das Gläubige kleinhalte und überkommene Strukturen bewahre. Aus ihrer Sicht kann die Kirche die Aufarbeitung des Missbrauchs nicht selber leisten. Notwendig sei eine exerne Aufarbeitung.

"Die Mauer des Schweigens bricht"

Der Generalvikar des Bistums Limburg, Wolfgang Rösch, unterstrich, dass der Missbrauchsskandal die Kirche in ihren Grundfesten erschüttert und systemische Probleme offengelegt habe. Zugleich wandte er ein, dass ein Veränderungsprozess eingesetzt habe. "Die Mauer des Schweigens bricht", sagte er. Bei der Präventionsarbeit sei vieles vorangebracht worden. Die Perspektive der Opfer stehe im Vordergrund.

(KNA)

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