Pfarrer Ellinghaus
Pfarrer Ellinghaus

28.09.2018

Oktoberfestgottesdienst mitten unter weißen Karussellpferden Schaustellerpfarrer singt die Bayernhymne

Immer am ersten Donnerstag der Wiesnzeit findet traditionell ein Gottesdienst für die Schausteller, Kaufleute und Wirte statt. Im Bierzelt erklingen dann Kirchenlieder, und mittendrin: Pfarrer Sascha Ellinghaus.

Und dann ist es wieder soweit: "Gott mit Dir, Du Land der Bayern" singen die Gottesdienstbesucher im gut gefüllten "Marstall-Festzelt" auf dem Oktoberfest. Weil die Messe vorbei ist, fangen auch die weißen Karusellpferde über den Köpfen der Geistlichen und Ministranten sich zu drehen an.

Auf der einem erhöhten Ringelspiel gleichenden Bühne, wo sonst die Band "Münchner Zwietracht" für Stimmung sorgt, hatte an diesem Donnerstag für eine gute Stunde Pfarrer Sascha Ellinghaus seinen Altar aufgebaut.

Leiter der Circus- und Schaustellerseelsorge

An die Bayernhymne musste sich der gebürtige Braunschweiger über die Jahre erst gewöhnen. Aber Messen an solchen Orten zu feiern, das ist der Job des Leiters der Circus- und Schaustellerseelsorge in Deutschland. Seit 2014 hat er die Aufgabe inne, die er zuvor schon einige Jahre als Priester des Erzbistums Paderborn ehrenamtlich für eine ihm zugeteilte Region machte.

Der nie um einen flotten Spruch verlegene Geistliche hat einfach Freude daran, für diese Menschen, die anderen für wenige Stunden auf Volksfesten und im Zirkusrund mit ihren Attraktionen eine schöne Zeit bescheren, da zu sein.

Dafür nimmt es der 46-jährige Seelsorger in Kauf, 24 Stunden am Tag über Handy erreichbar zu sein und Termine, je nach Lage, immer wieder umzuwerfen. In der Woche vor dem Beginn des Oktoberfestes war er schon nach München gereist, um einiges zu besprechen. Dann musste er wegen eines Todesfalls in einer Zirkusfamilie noch mal in die andere Richtung für die Beerdigung, um kurz darauf wieder gen Süden zu düsen. Unterwegs ist er per Bahn und bisweilen mit dem Flugzeug, dazu kommen bis zu 60.000 Kilometer pro Jahr, die er mit dem Auto fährt.

Kirchliche Atmosphäre aus dem Kleinbus

Mit seinem Kleinbus, einem Ford Transit, transportiert er alles, was man braucht, um in Zelten, auf großen Plätzen, Autoscooter-Flächen oder anderswo eine gediegene, kirchliche Atmosphäre zu schaffen.

Altartisch, Schmuckdecken, Leuchter, Messgewänder, Weihwasser, Kelch, Hostien, Schalen, Kollektenkörbchen, sogar ein Sakral-Keyboard und vieles mehr gehören zu seiner Rund-Um-Ausstattung. Natürlich darf auch eine Osterkerze, die etwa bei Taufen brennt, nicht fehlen.

"In diesem Sommer hat ihr aber die Hitze zugesetzt", erzählt Ellinghaus. Bei 37 oder 38 Grad Celsius in den Zelten habe sich die Kerze trotz ihres Durchmessers von acht Zentimetern einfach gekrümmt. Aber mit ein wenig, gefühlvollem Zurückbiegen sei alles wieder in Ordnung gekommen.

Ob Artisten, Schausteller oder Marktkaufleute, Ellinghaus hat hohe Achtung vor ihrer Kunst. Auch er will natürlich eine gute Predigt halten, aber lustiger als im Zirkus der Clown sein zu wollen, kommt ihm nicht in den Sinn. So ein paar Highlights hält diese Seelsorge natürlich auch für ihn bereit.

So darf er schon mal einen jungen Löwen im Arm halten. Bei Karussells oder überhaupt Fahrgeschäften hält er sich zurück. "Auch die Krinoline ist gar nicht ohne", weiß er und fügt zu dem dienstältesten Fahrgeschäft auf dem Oktoberfest hinzu: "Gar nicht so magenfreundlich".

Seelsorge für Menschen unterwegs

Realist ist er auch, was seine viel beschäftigte Gemeinde betrifft. Die Schausteller und Artisten seien "sehr traditionell" orientierte Leute und bedürften in erster Linie einer Sakramentenseelsorge. Dazu gehörten Taufen, Erstkommunion, Trauungen oder Beerdigungen. Die Vorbereitungen gelte es zu organisieren. Digital ließe sich da einiges machen. Doch bisher werde darin von der Kirche nicht wirklich investiert, bedauert er.

Auf dem Oktoberfest ist die Michael-Haydn-Messe zu hören, begleitet vom Bläserquartett "Kirchheimer Blech". Die weiß-blaue Fahne der Münchner Schausteller ist in Altarnähe platziert. An den Biertischen haben sich die Gläubigen niedergelassen. Einige Münchner Bürger, zumeist Rentner, sind unter ihnen, für die es Ehrensache ist, mit dabei zu sein.

Die Liedzettel liegen aus und auch der Pfarrbrief der "Seelsorge für Menschen unterwegs" zum Mitnehmen. Pfeffer und Salz sowie das in Servietten gewickelte Besteck ist in Griffweite. Ab 17.30 Uhr sitzen hier, wie die Reservierung zeigt, Mitarbeiter eines Unternehmens, und werden dann die Maßkrüge heben.

Barbara Just
(KNA)

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