Counter der Flughafenseelsorge am Flughafen Düsseldorf
Counter der Flughafenseelsorge am Flughafen Düsseldorf
Flughafenseelsorger Johannes Westerdick und Ute Clevers
Flughafenseelsorger Johannes Westerdick und Ute Clevers

13.07.2018

Flughafenseelsorger schätzt die Menschen und ihre Geschichten Informieren, beruhigen und zuhören

Zum Ferienbeginn sind die Flughäfen höchst frequentiert. Lange Schlangen an den Terminals und beim Sicherheitscheck sorgen oft für erhitzte Gemüter. Flughafenseelsorger Johannes Westerdick berichtet von seiner Arbeit.

DOMRADIO.DE: Im letzten Jahr gab es im Spätsommer teils chaotische Zustände am Düsseldorfer Flughafen. Der Grund: Es gab zu wenig Sicherheitspersonal. Flüge wurden gestrichen, hatten Verspätung und viele Reisende saßen zunächst fest. Sie haben dann Gummibärchen verteilt, oder?

Johannes Westerdick (Pastoralreferent und Flughafenseelsorger am Düsseldorfer Flughafen): Ja, das war so eine Aktion, um zu signalisieren: Wir nehmen das Thema wahr. Wir können natürlich in der Situation nicht alles retten, aber wir können ein bisschen über die Abläufe informieren und vielleicht ein bisschen beruhigend einwirken, damit es nicht eskaliert. Die Nerven liegen dann natürlich überall blank. Wenn man in den Urlaub will, sich darauf freut und es dann nicht klappt, dann ist das nicht so prickelnd.

DOMRADIO.DE: Vor den Sommerferien wird vielleicht das Sicherheitspersonal noch aufgestockt, aber wie bereiten Sie sich darauf vor?

Westerdick: Einmal gucken wir, dass wir im Team gut besetzt sind. Unser Team besteht aus zwei Hauptamtlichen, meiner evangelischen Kollegin Frau Clevers und mir. Zusätzlich haben wir inzwischen vierzig Ehrenamtliche. Das heißt, zu den Stoßzeiten – ob jetzt vor den Sommerferien, aber auch in den Pfingst- oder Osterferien, wenn dann bis zu 100.000 Passagiere am Tag von Düsseldorf losfliegen – sind wir mit Manpower vor Ort.

Wir sind präsent mit vier, fünf Leuten, die dann den Counter betreuen, im Terminal oder im Sicherheitsbereich unterwegs sind. Die verteilen Gummibärchen, hören einfach zu oder erklären die Abläufe. Sie werben manchmal für Verständnis bei Dingen, die schwierig sind und auch schwer zu verstehen sind und erklären, warum etwas nicht so funktioniert, wie man das gerne hätte.

DOMRADIO.DE: Haben Sie Standardsätze? Sie müssen ja auch psychologisch klug eingreifen, wenn die Menschen wirklich mit blanken Nerven herumstehen, oder?

Westerdick: Genau, da muss man natürlich schauen, dass man ihre Situation ernst nimmt. Das Thema Verständnis spielt natürlich eine große Rolle. Also sage ich: "Ja, ich kann mir vorstellen, dass Sie sehr aufgeregt sind". Aber wenn man Standardsätze verwendet, wirkt das meist nicht authentisch und nicht passend.

Man denkt manchmal vielleicht: Wie wäre es mal mit einer Runde Nervennahrung? Dann ist es lockerer, wenn man mit den Gummibärchen unterwegs ist. Es ist ein kleiner Türöffner, mit dem man dann in Kontakt treten kann.

DOMRADIO.DE: Jetzt haben sie seit letzten Sommer einen eigenen Schalter am Terminal A des Düsseldorfer Flughafens. Darüber steht keine Fluglinie in Leuchtschrift, sondern "die Seelsorge am Düsseldorfer Flughafen", auch auf Englisch. Am Lufthansa-Schalter fragen die Leute: "Wie viel Gepäck darf ich mitnehmen, wo ist jetzt meine Bordkarte?" Was fragen sie am Seelsorger-Schalter?

Westerdick: Alles. Wir Sind im Endeffekt wie eine zweite, dritte, vierte oder fünfte Informationsstelle. Ganz ehrlich, wir haben im Mai ein bisschen Statistik gemacht. Da kamen 2.500 Kurzkontakte heraus. Das sind Kontakte mit Fragen wie: "Wo ist der Weg zur Toilette? Wie kann ich einchecken?"

Aber darüber hinaus gibt es auch andere Fragen. Angefangen von einem Mitarbeiter, der die Nachricht bekommen hat, dass seine Frau krebskrank ist und der sagt: "Ich muss gleich nach Hause. Wie soll ich mit der reden?"

Bis hin zu einer Person, die ihren Flug verpasst hat und aufgeregter ist als für die Situation normal wäre. Und dann stellt sich heraus, dass sie schnellstens zu ihrem im Sterben liegenden Sohn nach Spanien wollte, die Fluglinien die Flüge verschoben hatten und sie dadurch keine Chance mehr hatte, nach Spanien zu kommen. Großes Drama! Wie geht man damit um? Wie fängt man so etwas auf?

DOMRADIO.DE: Ist das ein bisschen so wie eine Bahnhofsmission?

Westerdick: Die Bahnhofsmission hat noch mehr den Impetus der direkten Betreuung und Begleitung im Zug. Natürlich begleiten wir aufgeregte Personen auch manchmal, zum Beispiel wenn sie Flugangst haben, bis zum Gate. Wir versuchen, sie zu beruhigen, geben vielleicht auch mal einen Tipp, was man machen kann. Solche Dinge machen wir auch.

DOMRADIO.DE: Beten Sie auch mit den Leuten?

Westerdick: Ja, das ergibt sich auch. Es ist aber nicht das Erste, mit dem wir kommen. Was wir gerne zum Abschluss eines kurzen Info-Gesprächs machen, ist, unser kleines Lesezeichen mit unserem Logo darauf zu überreichen. Da steht dieses "Welcome" vom Flughafen und unser Logo der Flughafen-Seelsorge, das übrigens gerade einen Designpreis gewonnen hat. Auf der Rückseite sind kleine biblische Segenssprüche. Ich halte dann den Leuten einen Fächer Lesezeichen hin und sage dann immer: "Ziehen Sie sich doch mal Ihren Reisesegen to go!" Dann ziehen die sich das und lesen auf der Rückseite den Segensspruch.

Die Reaktionen sind dann ganz unterschiedlich. Manche brechen sofort in Tränen aus und sagen: "Der passt jetzt absolut in meine Situation. Was hat das für eine Bedeutung?" Dann ist man direkt im Thema drin. Manche sind aber auch irritiert und fragen: "Was soll denn der Spruch?" Aber dann ist man auch im Thema. Oder es kommt jemand, der sagt: "Ich bin jetzt auf Pilgerreise auf dem Jakobsweg." Ich hatte gerade jemanden, der um den Reisesegen bat. Dann nimmt man sich die Zeit, spricht einen Reisesegen, bereitet sich ein bisschen vor, frei auf die Person bezogen und dann bezieht man sich auf die Pilgerreise.

DOMRADIO.DE: Ihre Arbeit ist sehr vielfältig. Auch für die über 20.000 Mitarbeiter sind Sie da. Zudem haben Sie gerade an der Thomas-Morus-Akademie eine Fortbildung gemacht, die sich speziell und auch aus gutem Grund mit Terror-Anschlägen befasst hat. Haben Sie da gelernt, verdächtig aussehende Menschen zu identifizieren? 

Westerdick: Nein, es ging vor allen Dingen darum, wie man betroffene Menschen nach so einem Terroranschlag gut betreuen kann. In der Akut-Phase, in der es gerade passiert ist, stellt sich die Frage: Was brauchen die Menschen? Welche Informationen, welche psychische Unterstützung brauchen sie jetzt?

Welche langfristige Unterstützung gibt es – von rechtlichen Rahmenbedingungen bis zu Informationen? Was macht Sinn? Wie gehen Kommunikationsstrategien? Es war eine internationale Veranstaltung mit 160 Teilnehmern aus Paris, Brüssel, Holland, Manchester, Deutschland und der Schweiz.

Das Ganze war zweisprachig und eine sehr spannende Geschichte. Es war interessant, aus den unterschiedlichen Perspektiven der Polizei, Feuerwehr, Ärzteschaft und Notfallseelsorgern auf dieses Thema zu gucken. Es ging darum zu schauen: Wie kann man gut vernetzt miteinander aktiv sein?

DOMRADIO.DE: Weil man sich leider mit dem Terror auseinandersetzen muss und zwar in zunehmendem Maße. Wenn Sie in ihrer Arbeit immer Leute auf dem Sprung in den schönen Urlaub sehen, sind Sie da nicht manchmal vom Fernweh überwältigt und wollen auch "ab in den Süden"?

Westerdick: Das ist natürlich immer nett, aber für mich – und ich denke, auch für die meisten Ehrenamtlichen – ist es spannend, im Kontakt mit den Menschen und ihren wirklich unterschiedlichsten Geschichten zu sein. Zumindest für mich ist das völlig ausreichend und es macht mir immer wieder neu Spaß, Menschen und deren Lebensgeschichten kennen zu lernen.

Ich finde es schön, sie ein Stück begleiten zu können, ein bisschen zu stabilisieren, ein bisschen Erinnerung und auch Gedenken mitzutragen. Denken Sie an den Germanwings-Absturz. Natürlich gedenken wir daran auch im zweiten und dritten Jahr hier am Flughafen. Menschen ein Stück nah sein zu dürfen und dann mit dem Vertrauen der Offenheit beschenkt zu werden, das ist schon eine tolle Arbeit.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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