Münster nach Amokfahrt
Münster nach Amokfahrt
Michael Schwier ist Pfarrsekretär in Sankt Lamberti in Münster
Michael Schwier ist Pfarrsekretär in Sankt Lamberti in Münster

17.04.2018

Ökumenischer Gottesdienst zum Gedenken an Amok-Opfer "Kiepenkerl-Platz darf kein Friedhof werden"

In Münster soll am Mittwoch ein ökumischer Gottesdienst auf dem Platz am Kiepenkerl an die Opfer des dortigen Anschlags erinnern. Nach der Zeit des Gedenkens müsse man auch Leben wieder zulassen, sagt Michael Schwier von der Gemeinde Sankt Lamberti.

DOMRADIO.DE: Sie selbst saßen tatsächlich an dem Tag draußen im Restaurant Kiepenkerl, waren also direkt am Ort des Anschlags. Wie sehr geht das Ihnen noch nach?

Michael Schwier (Sekretär im Pfarrbüro Sankt Lamberti in der Innenstadt von Münster): In den ersten Tagen hat man natürlich nur daran gedacht. Dann merkt man aber, dass doch auch der Alltag wiederkehrt. Uns selbst, die wir da gesessen haben, ist ja nichts passiert. Früher hätte man gesagt, wir sind mit dem Schrecken davongekommen. Ein Schrecken war es natürlich und vergessen tut man das nicht so ohne weiteres. Aber man muss eigentlich auch dankbar sein. Denn es hat ja nicht viel gefehlt, dann hätten wir zu den Verletzten oder sogar Toten dazugezählt.

DOMRADIO.DE: Ist in Ihrem Leben seitdem etwas anders geworden?

Schwier: Nein. Die ersten Tage waren natürlich sehr still und man war nur nachdenklich. Aber dann merkt man doch, wenn man auch zur Arbeit geht, dass der Alltag wiederkehrt. Ich habe viel Mitgefühl erlebt. Auch hier im Pfarrhaus haben sich viele Mitarbeiter sehr mitfühlend erkundigt, wie es mir geht. Aber dass man beeinträchtigt ist, erlebe ich nicht.

Da haben viele andere, die dort gesessen haben, viel Schlimmeres erlebt. Ich hab – glaube ich – auch Glück gehabt, dass ich den eigentlichen Moment nicht gesehen habe. Ich hätte ihn zwar sehen müssen, so, wie ich gesessen habe. Aber ich habe in dem Moment einfach woanders hingeguckt. Ich bin erst durch diesen wahnsinnigen Krach darauf aufmerksam geworden. Ich habe mich umgedreht und dann flogen schon Gläser, Tische, Stühle durch die Luft, Menschen schrien. Aber den eigentlichen Aufprall habe ich nicht sehen müssen. 

DOMRADIO.DE: Sie haben gesagt, sie haben viel Anteilnahme erfahren. Wier oft ist das jetzt noch Gesprächsthema für Sie? 

Schwier: Immer wieder zwischendurch, wenn ich Leute zum ersten Mal wiedersehe, die von anderen gehört haben, dass ich dabei war, die mich aber vielleicht in der vergangenen Woche noch nicht gesehen oder gesprochen haben. Die fragen dann nochmal: Wie war das denn. Aber eigentlich fragen die alle ganz vorsichtig. Das klingt nicht nach Neugierde, sondern mehr nach: Kommst Du klar? 

DOMRADIO.DE: Haben Sie auch Kontakt zu anderen Leuten, die das gemeinsam mit Ihnen erleben mussten?

Schwier: Ja. Ein Nachbar von mir war dabei und ein Freund aus München, der zu Besuch war. Wir sehen uns regelmäßig oder telefonieren. Denen geht es ähnlich. Sie sind eigentlich auch dankbar, dass man dann doch davongekommen ist. Aber natürlich denkt man auch immer daran, wie es den Opfern geht und verfolgt die Nachrichten dazu. Man sagt immer: Es gab zwei Tote. Aber ich frage mich auch, wie es denen geht, die in den Krankenhäusern liegen: Wie haben die das überlebt, wenn sie es denn endgültig überleben? Man weiß ja gar nicht, welche Verletzungen sie haben, wie beeinträchtigt sie sein werden. Das ist ja alles noch gar nicht klar. 

DOMRADIO.DE: Sie vom Pfarrbüro Sankt Lamberti stehen ja mit den Wirten rund um den Platz am Kiepenkerl in Kontakt. Noch ist der Platz draußen ein Ort des Gedenkens mit Blumen. Die Außengestronomie ist noch geschlossen. Wie soll es da weitergehen?

Schwier: Da wird seit einigen Tagen drüber gesprochen: Dass so ein Ort des Gedenkens natürlich benötigt wird. Dort können ja auch viele, die davon nur gehört haben, ihre Betroffenheit lassen. Aber dass dieser Platz, der eigentlich ja für Leben und Lebensfreude steht, nicht auf Dauer zu einer Art Friedhof wird. Sondern, dass man irgendwann das Leben dort auch wieder zulassen muss. Darüber sind wir seit längerem seitens der Pfarrgemeinde im Gespräch. Inzwischen haben wir uns darauf verständigt, dass am Mittwoch Vormittag im 11 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst auf dem Platz stattfinden wird. In den nächsten Tagen soll der Ort auch wieder mit der Außengastronomie belegt werden.

Das Interview führte Hilde Regeniter. 

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