Flughafenseelsorger über Herausforderungen in der Urlaubszeit

"Eine diffuse Angst wird sicher bleiben"

Seit vier Jahren arbeitet der Jesuit Wolfgang Felber als katholischer Flughafenseelsorger an den Flughäfen Tegel und Schönefeld in Berlin. Im Interview erzählt er über den Umgang mit muslimischen Gläubigen und seine Erfahrungen nach den Terrorakten.

Autor/in:
Romina Carolin Stork
Ein Flugzeug startet vom Flughafen Tegel / © Jens Kalaene (dpa)
Ein Flugzeug startet vom Flughafen Tegel / © Jens Kalaene ( dpa )

Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) : Pater Felber, wie ist die Flughafenseelsorge in Berlin organisiert?

Pater Wolfgang Felber: Wir sind zwei Hauptamtliche und etwa 30 Ehrenamtliche in der ökumenischen Flughafenseelsorge. So versuchen wir, in Tegel und Schönefeld fünf Tage die Woche abzudecken, meist von 10 bis 15 Uhr. Nach dem Dienst wird das Telefon umgestellt auf einen Hauptamtlichen, so dass wir 24 Stunden erreichbar sind.

KNA: Welche Aufgaben hat die Flughafenseelsorge?

Pater Felber: Wir entlasten einerseits die Angestellten und sind so dem Betriebsfrieden dienlich, indem wir Konfliktfälle auffangen. Und wir garantieren, dass die Passagiere sich in guten Händen fühlen und sich nicht allein am Flughafen befinden.

KNA: Mit welchen Anliegen kommen die Angestellten und Passagiere zu ihnen?

Pater Felber: Die Passagiere sehen wir oft dann, wenn sie Probleme haben. Sie werden meistens vermittelt durch die Angestellten am Flughafen, etwa wenn jemand seiner Papiere beraubt wurde. Zu Hilfe kommt uns, dass wir viele Einrichtungen am Flughafen und in Berlin kennen, so dass wir immer wieder verweisen können - auf Übernachtungsmöglichkeiten -, oder den Kauf von Fahrkarten ermöglichen.

KNA: Hat sich die Stimmung seit den Terroranschlägen, unter anderem auf die Flughäfen in Istanbul und Brüssel, verändert?

Pater Felber: Ja. Die diffuse Angst, die bei den Menschen seit den Anschlägen herrscht, ist auch auf uns übergegangen. Für die Passagiere ist es wichtig, dass sie ins Flugzeug kommen und abfliegen. Aber für die Ehrenamtlichen, die ja nur am Flughafen sind, ist die diffuse Angst stärker spürbar. Deswegen bieten wir den Ehrenamtlichen ein Seminar an, um diese Angst, die sicher bleiben wird, zu kanalisieren.

KNA: Und wie verhält es sich bei den Passagieren?

Pater Felber: Da hat sich nicht viel verändert im Gegensatz zu früher, wo wir den Flughafen nicht als besonders exponierten Ort für Anschläge gesehen haben. Es gibt wenige, die uns von sich aus kontaktieren und nach einem gemeinsamen Gebet oder einer gemeinsamen Vorbereitung fragen. Die Reisenden kommen zum Flughafen, checken ein, steigen ein und fliegen ab - sie machen sich keine Probleme, sondern wollen den Urlaub genießen.

KNA: Was ist die größte Herausforderung in der Flughafenseelsorge?

Pater Felber: Die würde ich in der doch großen Zahl an muslimischen Passagieren sehen. In unserer Ausbildung haben wir einen Teil über multikulturelles Handeln am Flughafen. Wir als Team sind vom Christentum geprägt, gehen aber auf jede Person zu. Es gibt eine muslimische Telefonseelsorge in Berlin, im Aufbau ist eine muslimische Notfallseelsorge, und ich denke, dass es in den nächsten Jahren auch eine muslimische Flughafenseelsorge geben könnte.

KNA: Worin liegt die Herausforderung für Sie?

Pater Felber: In der Ausbildung zum Flughafenseelsorger begleitet uns der Leiter der muslimischen Telefonseelsorge. Ein großes Tabu: Der männliche Seelsorger schaut der muslimischen Frau in die Augen und schüttelt ihr kräftig die Hand. Wenn muslimische Gläubige von der Haddsch zurückkommen, brauchen sie manchmal einen Raum, um wieder mit dem vorgeschriebenen Gebet zu beginnen. Da wird von uns als Flughafenseelsorge erwartet, dass wir ihnen Räumlichkeiten zeigen.

KNA: Können Sie diese stellen?

Pater Felber: Wir haben weder in Tegel noch in Schönefeld eine Kapelle, die gehört eigentlich zum Angebot der Flughafenseelsorge. Am neuen Flughafen BER gibt es eine. Daneben, gleich groß, gibt es einen Raum der Stille. Die Kapelle hat ein eingelassenes Kreuz in der Wand, der Raum der Stille hat eine Windrose im Boden, die nach Osten, also nach Jerusalem und nach Mekka, ausgerichtet ist. Die Kapelle ist eigentlich funktionsfähig, wir könnten sie von heute auf morgen in Betrieb nehmen. Leider fehlen eben die Gläubigen und die Leute, die die Ruhe im Raum der Stille suchen.


Quelle:
KNA